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Eishockey-Finale : Der ewige Berliner

  • -Aktualisiert am

André Rankel (links) mit seinen Mitspielern Martin Buchwieser (Mitte) und Maximilian Kastner (rechts) von den Eisbären Berlin. Bild: dpa

André Rankel hat schon sieben Meisterschaften mit den Eisbären gewonnen. Nun hofft er, dass sein Team die Finalserie gegen München noch dreht. Dabei könnte ein winziges Detail den Ausschlag geben.

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          Ein paar Spieler der Eisbären Berlin haben nicht warten können, bis sie im Bus saßen. Sie schaufelten das Essen aus der Lunch-Box schon auf den paar Metern von der Kabine hinaus zum Parkplatz vor der Münchner Olympia-Eishalle in sich hinein. So gierig, wie sie zuvor in diesem fünften Finalspiel der „Best-of-seven-Serie“ um die deutsche Eishockey-Meisterschaft gewesen sind und mit dem 6:5-Sieg in der Verlängerung am Sonntag die Meisterparty des EHC München verhindert haben. „Wir wollten die Serie unbedingt zurück nach Berlin bringen“, sagte André Rankel vor dem sechsten Spiel an diesem Dienstag vor heimischem Publikum.

          Der Berliner Kapitän hat schon fast alles mitgemacht in seiner Karriere, er hat sieben Meistertitel gewonnen, allesamt mit den Eisbären, ist aber auch schon einmal als hoher Favorit im Finale gescheitert. 2004 gegen die Frankfurt Lions war das. Er weiß, dass in so einer Play-off-Serie vieles passieren kann. 2012 lagen die Eisbären in der Finalserie gegen die Mannheimer Adler 1:2 sowie im damals noch entscheidenden vierten Spiel aussichtslos 2:5 zurück, ehe sie zunächst das Spiel 6:5 gewannen und anschließend auch die Serie drehten.

          Daran habe er zwar nicht gedacht, sagte Rankel angesichts des identischen Ergebnisses in München, denn der Spielverlauf war ja ein anderer. „Aber von mir aus können wir so weitermachen und das Ende das gleiche bleiben.“ An diesem Dienstag (19.30 Uhr bei Telekom Sport) geht es aber erst einmal darum, den dritten Sieg zu schaffen und noch einmal am Donnerstag nach München reisen zu dürfen, zum dann entscheidenden siebten Spiel.

          Eine späte, aber rechtzeitige Effizienz

          Die Berliner hatten sich schon nach der dritten Niederlage am vergangenen Freitag nicht chancenlos gewähnt. „Ich würde die Eisbären nicht abschreiben. Wir geben nicht auf“, hatte Rankel gesagt. Sie nutzten die Sorglosigkeit der Münchner, die am Sonntag zunächst auftraten, als ob sie sich schon mehr mit den Meisterfeierlichkeiten zu beschäftigen schienen und erst im dritten Drittel zum Ausgleich kamen, ehe in der Verlängerung der entscheidende Treffer für den Gegner durch Jamison MacQueen fiel. „Wir haben die Tore gemacht, die wir in den letzten Spielen nicht gemacht haben“, sagte Rankel über die späte, aber vielleicht gerade noch rechtzeitige Effizienz der Eisbären.

          Das trifft auch auf ihn zu. Der 32 Jahre alte Stürmer hatte bis Sonntag in dieser Finalserie noch kein Tor erzielt und fand, er müsse nun vor dem fünften Spiel, das bei einer Niederlage auch schon das letzte gewesen wäre, etwas ändern. Er hatte zu Beginn der Play-offs einen neuen Schläger bekommen, ihn ausprobiert, aber dann wieder beiseitegelegt, weil „nicht mein richtiger Name draufsteht, nicht Rankel sondern Ränkel“. Aber am Sonntag spielte diese Petitesse für ihn keine Rolle mehr, er hat den neuen genommen. „Und er hat gepasst.“ Rankel hat mit dem Ränkel-Schläger zwei Treffer erzielt: das wichtige 1:0 in der Anfangsphase und das vierte Berliner Tor im zweiten Drittel.

          Rankel hat sein ganzes Eishockey-Leben in Berlin verbracht, das ist in dieser Branche keine Selbstverständlichkeit. Zunächst war er bei den Capitals. 2003, mit 17 Jahren, wechselte er zu den Eisbären. Er gehörte zu den Spielern, die die erfolgreichste Ära des Vereins in der Deutschen Eishockey Liga prägten, sieben Meistertiteln in neun Jahren. „Da sehnt sich jeder wieder hin“, sagt Rankel, der 2012 die Nachfolge von Stefan Ustorf als Kapitän angetreten hatte und längst zur Identifikationsfigur gereift ist. Er ist kein Lautsprecher, sondern hält sich lieber zurück, aber gilt als glänzender Moderator und genießt auch deshalb große Anerkennung sowohl innerhalb der Mannschaft als auch bei den Fans.

          Kein Name aus der aktuellen Eisbären-Mannschaft findet sich häufiger auf dem Trikots der Fans als der von Rankel. Nur Vereinsikone Sven Felski ist ihm da noch etwas voraus. In einem anderen Punkt hat Rankel den früheren Stürmer aber schon überholt. Er ist mittlerweile mit 230 Treffern bester Torschütze der Berliner seit der Wiedervereinigung und hat damit vier Tore mehr erzielt als Felski. Weil er mit seinen 32 Jahren noch nicht ans Karriereende denkt und schon gar nicht an einen Wechsel, kann Rankel sogar noch den bisherigen Klubrekord von Joachim Ziesche aus den sechziger Jahren (284 Tore) knacken. „Auf meine Agenda“ setze er das aber nicht, sagt Rankel. Die Ziele mit der Mannschaft seien ihm wichtiger. Und dazu gehört, die Dominanz des EHC München zu brechen und nach ein paar schwierigen Jahren wieder den Titel zu holen. Vielleicht sogar schon in dieser Saison, also in dieser Woche.

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