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Team Sky : Der britische Radsport ist in Schockstarre

Wie geht es weiter: Auch Chris Froome steht vor einer ungewissen Zukunft. Bild: dpa

Wie geht es weiter mit dem Top-Team im Radsport: Team Sky ist auf Sponsorensuche. Eine Spur führt nach China.

          2 Min.

          Mit einem Cocktail aus Schock, Bedauern, Zukunftskepsis und Bewunderung ziehen die Briten Bilanz über die Leistung des Teams Sky, nachdem der Bezahlsender Sky bekanntgegeben hat, dass er Ende nächsten Jahres eine der erfolgreichsten Partnerschaften der britischen Sportgeschichte beenden werde. Die Entscheidung stellt die Mannschaft vor eine ungewisse Zukunft, manche zweifeln an ihrem Überleben. Der Himmel sei eingestürzt auf David Brailsford, den Trainer und Manager des Teams Sky, schrieb die „Daily Mail“.

          Gina Thomas

          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Sky bestreitet, dass der Schritt beeinflusst worden sei durch die Doping-Vorwürfe, die dem Ruf der Marke umso mehr geschadet haben, da sie sich unter Brailsford derart entschieden für einen sauberen Radsport ausgesprochen hatte. Doch lässt sich nicht vermeiden, dass der Rückblick auf die erstaunlichen Leistungen der ehemaligen Vorzeigemannschaft gefärbt ist durch die fortbestehenden Zweifel an ihrer Sauberkeit.

          Diejenigen, die Bedenken bezüglich der negativen Öffentlichkeitswirkung im Zusammenhang mit der Anwendung von leistungssteigernden Substanzen als Mitgrund für den Rückzug nennen, weisen auf die Möglichkeit der Verstrickung in frische Skandale bei der für Februar angesetzten Vernehmung von Richard Freeman, des ehemaligen Arztes von Team Sky und des Radsportverbandes British Cycling, durch die britische Ärztekammer. Freeman geriet bereits wegen der Ungereimtheiten um das rätselhafte Medikamentenpaket ins Zwielicht, das dem Radprofi Bradley Wiggins 2011 geliefert wurde.

          Der Sportarzt hat schwere Depressionen als Grund genannt für sein Nichterscheinen vor dem parlamentarischen Ausschuss, der den Fall 2017 untersuchte und zu dem vernichtenden Urteil kam, dass das Team Sky eine „ethische Linie“ überschritten habe bei der Verwendung von medizinische Ausnahmegenehmigungen. Freeman soll im Februar der Ärztekammer Rede und Antwort stehen zu den Vorwürfen, dass er 2011 Testosteronpflaster bestellt habe.

          Lange Pertnerschaft

          Nach allgemeiner Einschätzung dürfte die im Oktober vollzogene Übernahme von Sky durch den amerikanischen Kabelnetzanbieter Comcast den Geschäftsführer Jeremy Darroch veranlasst haben, die kommerziellen Partnerschaften des Unternehmens zu überprüfen. Seit dem Einstieg 2009 hat sich Sky die Investition in die Mannschaft 150 Millionen Pfund kosten lassen. Mit dem Weggang von James Murdoch, dem ehemaligen Vorsitzenden von Sky, der nach der Übernahme des Senders von seinen Vorstandsposten zurückgetreten ist, hat das Radteam einen einflussreichen Anhänger verloren. Es wird allerdings hervorgehoben, dass Sponsorenverträge eine Haltbarkeitsdauer haben und sich die Partnerschaft von Sky gemessen an anderen Unternehmen ungewöhnlich lang gehalten habe.

          Als Brailsford vor zehn Jahren kundtat, einen britischen Sieg bei der Tour sichern zu wollen, wirkte diese Vorstellung auf viele absurd. Mit seiner Strategie der großen Sprünge durch kleine Schritte der nach der von ihm formulierten Devise der „Verdichtung der marginalen Gewinne“ hat er den britischen Radsport umgekrempelt und nicht nur einen, sondern mit drei Sportlern sechs Tour-Siege in sieben Jahren errungen. Jetzt stellt sich die Frage, ob es ihm gelingen wird, einen neuen Sponsor zu finden. Im Hinblick auf die wirtschaftliche Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Brexit wird in Aussicht gestellt, dass die Suche ins Ausland führen könnte, womöglich sogar nach China.

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