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Radsport : Der Blutpass - keine Patentlösung, aber ein Meilenstein

Die französische Sportministerin Bachelot sieht einen Meilenstein Bild: REUTERS

Beim Anti-Doping-Gipfel des Radsports hat sich die Elefantenrunde der Experten auf den „Blutpass“ verständigt. Er soll nach zwei Jahren voller Skandale maßgeblich dazu beitragen, mehr Sauberkeit in der Zunft zu erreichen.

          Pierre de Coubertin macht als Statue einen sehr lässigen Eindruck. Er steht mitten im Foyer des Hauses in Paris, in dem das Nationale Olympische Komitee Frankreichs seinen Sitz hat. Coubertin hat die Hände in den Hosentaschen, in der Zentrale des französischen Sports wirkt er wie ein Ruhepol. Pat McQuaid, der Präsident des Internationalen Radsportverbandes (UCI), stellte sich gerne neben den Baron; es war eine Pose für die Fotografen.

          Rainer Seele

          Sportredakteur.

          Der Ire versuchte, sich auch gelassen zu geben. Das dürfte für den ersten Mann einer krisengeschüttelten Branche so einfach nicht gewesen sein. Allerdings verließ McQuaid die französische Kapitale nicht ohne Hoffnung. Trotzig behauptete er jedenfalls, den Radsport in eine bessere Zukunft führen zu können. Für ihn war dies das Signal eines Anti-Doping-Gipfels, der zwei Tage dauerte – und dem Radsport ein neues, vermeintlich festes Fundament geben soll. Anne Gripper, die Anti-Doping-Beauftragte der UCI, ließ sich gar zu der Bemerkung hinreißen, dass der Radsport von Doping befreit werden könne.

          Zahl der Trainingskontrollen deutlich erhöht

          Paris erlebte eine Elefantenrunde – zum Schluss bemühte sich ein Trio, den Weg in ein stabileres Morgen zu weisen: Roselyne Bachelot, die französische Sportministerin, Richard Pound, der Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada), dazu McQuaid. Roselyne Bachelot bezeichnete dabei die Einführung des „Blutpasses“ im Radsport als einen Meilenstein. Er soll maßgeblich dazu beitragen, mehr Sauberkeit in der Zunft zu erreichen. Pound, der den Radsport oft heftig kritisiert hatte, sicherte der UCI am Dienstag die Unterstützung der Wada zu. „Wir schlagen eine neue Seite auf“, sagte Pound, der mit der Ministerin und McQuaid eine gemeinsame Erklärung unterzeichnete.

          Nach zwei Jahren voller Skandale, nach den schweren Erschütterungen bei der Tour de France 2006 und 2007 sowie den Turbulenzen bei den Rad-Weltmeisterschaften in Stuttgart will die UCI ihr Vorgehen gegen Doping stark forcieren. Dabei soll vor allem dort angesetzt werden, wo bislang die größten Mängel herrschten: in den Phasen abseits der Wettbewerbe. So soll die Zahl der Dopingkontrollen im Training deutlich erhöht werden – von 1.000 im Jahr 2007 auf 7.000 in der kommenden Saison. Auch die Dopingtests während der Rennen werden intensiviert. 2008 soll es 8.000 solcher Untersuchungen geben; zuletzt waren es 5.590.

          „Ein ganz schön weiter Weg“

          Die beträchtlichen Steigerungen stehen in Zusammenhang mit dem von 2008 an gültigen „biologischen Pass“, der helfen soll, Missbrauch aufzudecken, und in Paris wie eine Revolution im Radsport gepriesen wurde. Die UCI möchte damit gewissermaßen für jeden Radprofi eine Art Datenbank anlegen: In diesem Papier sollen die Resultate sämtlicher Blut- und Urinkontrollen erfasst werden, denen sich ein Rennfahrer unterzogen hat. Veränderungen dieser Profile können als Hinweis auf den Einsatz verbotener Substanzen dienen. Der „Blutpass“ soll mehrere Blutwerte enthalten, darunter den Hämatokrit- und den Hämoglobinwert. Die Wada begrüßte dieses Projekt bereits vor Pounds Erscheinen in Paris. Es sei ein wichtiger Schritt, sagte ihr Generaldirektor David Howman. Möglicherweise wird dieses Dokument auch in anderen Sportarten eingeführt.

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