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Radsport : Der Blutpass - keine Patentlösung, aber ein Meilenstein

Mancher Teilnehmer der Pariser Runde äußerte jedoch auch eine gewisse Skepsis. Doping sei mit dem „Blutpass“ allein nicht aus der Welt zu schaffen, sagte beispielsweise Hans-Michael Holczer. „Es ist noch ein ganz schön weiter Weg.“ Außerdem, so der Chef des Teams Gerolsteiner, müsse man bei den Anstrengungen, Leistungsmanipulationen einzudämmen, „von der Idee wegkommen, dass es eine Patentlösung gibt“. Das neue Programm der UCI hält Holczer dennoch für richtig. Es werde den Betrug einschränken, sagte er, da die Risiken für potentielle Sünder zunehmen würden.

Zu viele „politische Aussagen“

Durch die neue Maßnahme der UCI könnten jedoch Mehrkosten auf die Rennställe zukommen. „Man hat sehr ehrgeizige Ziele“, sagte Holczer, „die finanziert werden müssen.“ Da der internationale Verband angeblich nicht über allzu große Geldmittel verfügt, werden die Teams wohl einen erklecklichen Beitrag im Anti-Doping-Kampf leisten: Holczer rechnet damit, dass die Summe sich auf etwa 150 000 Euro pro Mannschaft belaufen könnte.

Vier „Runde Tische“ hatte es am Montag und Dienstag in Paris gegeben, bei denen die Schwierigkeiten des Radsports sowie mögliche Lösungen erörtert wurden. Manchem fehlte es jedoch zuweilen an Tiefe in den Diskussionen. „Der Anteil der politischen Aussagen war zu groß“, kritisierte Holczer am Dienstagmittag. Dennoch stellte er fest, dass der Radsport seine Probleme inzwischen offensiv angehe. Vor fünf Jahren, sagte Holczer, hätte es bei einem solchen Treffen noch geheißen: „Doping ist ein böses Gerücht.“

Manche Gräben sind noch tief

Rudolf Scharping, der Präsident des Bundes Deutscher Radfahrer, hatte schon nach wenigen Stunden in Paris davor gewarnt, zu hohe Erwartungen an die Zusammenkunft zu knüpfen. „Es ist nicht das Weltparlament des Radsports.“ Häufig war in den vergangenen beiden Tagen von Einheit die Rede in Paris, von einem Miteinander – allerdings ist fraglich, ob es tatsächlich bald eine große Allianz im Radsport geben kann. Zwischen manchen Parteien sind die Gräben immer noch tief. Dies machte auch die kühle Begegnung zwischen McQuaid und Christian Prudhomme, dem Direktor der Tour de France, deutlich. Zwischen ihnen war es im Juli nicht zuletzt durch den Fall Michael Rasmussen zum Streit gekommen. Allerdings schien sich – trotz aller Gegensätze – in der Aufbruchstimmung von Paris doch eine Annäherung zu ergeben.

Holczer etwa sprach davon, ein eigenartiges Klima gespürt zu haben; er meinte das positiv. „Man beginnt miteinander zu arbeiten.“ Zu Unstimmigkeiten kam es aber darüber, wer künftig bei der Tour – die nicht mehr zur von der UCI organisierten ProTour gehört – die Dopingkontrollen vornehmen wird. Die französische Anti-Doping-Agentur würde dies gerne übernehmen, ihr Präsident Pierre Bordry ließ daran keinen Zweifel. McQuaid entgegnete, dass es für die französischen Dopingfahnder nicht leicht sein dürfte, sich mit Profis anderer Nationalitäten vor der Tour zu befassen. Darüber wird noch zu reden sein. In zwei Tagen lässt der Radsport sich schließlich nicht neu erfinden.

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