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Tennis-Turnier in München : Der bemerkenswert konstante Zverev

  • -Aktualisiert am

Siegreich in München: Alexander Zverev. Bild: Reuters

Der Titelverteidiger Alexander Zverev besiegt in München seinen Davis-Cup-Teamkollegen Philipp Kohlschreiber. Der Hamburger kann nun mit viel Schwung zu den nächsten Sandplatz-Events reisen.

          Wieder dauerte es eine Weile, bis er seine langen Beine hinter einem Paravent in der Lederhose untergebracht hatte, aber schließlich präsentierte sich Alexander Zverev den Zuschauern im ganz speziellen Münchner Siegerpreis. Im vergangenen Jahr, nach seinem ersten Titelgewinn bei den BMW Open, hatte es so ausgesehen, als fühle er sich noch ein wenig fremd in der Krachledernen, aber wenn er so weitermacht beim wichtigsten deutschen Sandplatzturnier, dann dürfte es das mit den leichten Anpassungsschwierigkeiten bald gewesen sein.

          Alles andere erledigte er an diesem perfekten Frühlingstag mit sehenswerter Souveränität; der Sieg gegen Philipp Kohlschreiber im Finale (6:3, 6:3) sprach für sich. „Sascha war heute einfach besser und ein toller Champion“, lobte Kohlschreiber. „Es gab zwei, drei Momente, wo ich Siegerluft schnuppern konnte, aber dann ist er immer wieder zurückgekommen und hat das routiniert runtergespielt.“

          Und Kohlschreiber hat eine Ahnung, wie die Sache nun weitergehen könnte. Wenn er es nicht schaffe, den vierten Titel in München zu gewinnen, Zverev im zarten Alter von 21 dagegen schon den zweiten, hatte er am Tag vor dem Finale gesagt, dann werde er nicht mehr lange der erfolgreichste deutsche Spieler des Turniers sein. Mehr als ein Jahrzehnt lang stand sein Name als Zeichen für Wertarbeit auf den idyllischen Centre Court des Münchner Tennisclubs Iphitos. Als Kohlschreiber 2002 zum ersten Mal beim Turnier aufschlug, war Zverev gerade fünf Jahre alt, als er 2007 den ersten Titel gewann, war der Hamburger zehn. Jetzt, so fand er, stehe er im Herbst seiner Karriere, während der beste Mann des deutschen Tennis und der aktuell Drittbeste der Welt noch viele Jahre vor sich habe.

          Der Fehler von Kohlschreiber

          Vielleicht lag es an der leicht sentimentalen Konstellation, dass die Zuschauer dem wohlvertrauten Routinier vor allem im ersten Satz den Rücken stärkten. Und am Anfang sah es so aus, als könne es eine ganz enge Auseinandersetzung werden. Zverev wirkte wie am Tag zuvor beim Sieg gegen Chung Hyeon, seinem ersten auf der Profitour gegen den Südkoreaner, ein wenig unsicher, und wenn sein erster Aufschlag nicht funktionierte, übernahm Kohlschreiber das Kommando. Dessen Aufschläge, mit weniger Tempo, aber mehr Drall, trieben Zverev oft weit aus dem Platz heraus; es waren weite Wege für den Titelverteidiger.

          Schwer zu sagen, wie die Sache weitergegangen wäre, hätte Kohlschreiber in der Phase seiner größten Kontrolle über das Spiel beim Stand von 3:2 einen seiner beiden Breakbälle genutzt. Doch beim ersten landete sein Rückhandball knapp neben der Seitenlinie, und beim zweiten jagte Zverev einen Aufschlag mit 220 Sachen übers Netz, den er nicht returnieren konnte. Zverev glich aus zum 3:3, schnappte sich gleich danach im ersten Versuch das Aufschlagspiel seines Gegners, und von diesem Moment an trennten sich die Wege der beiden.

          Zwar gelang Kohlschreiber noch ein frühes Break im zweiten Satz, doch das änderte nichts mehr an den eindeutigen Verhältnissen. Nach einer Stunde und elf Minuten schlug Alexander Zverev zum ersten Matchball auf, wieder war es ein sehenswerter Schuss mit mehr als 220 Kilometern pro Stunde, und der letzte Return des Gegners landete deutlich im Aus. Großer Beifall für den Sieger, großer Beifall für den Besiegten, herzliche Worte am Netz, über allem ein wolkenloser Himmel und beste Stimmung allenthalben. Alles sah genau so aus, wie es Kohlschreiber vorausgesagt hatte: „Ein Deutscher wird gewinnen, wir werden tolles Wetter haben, und wir wollen Werbung fürs Tennis machen.“

          Er habe nicht viel machen können, Zverev sei einfach besser gewesen und habe in den entscheidenden Phasen zu viel Druck gemacht, sagte er nach dem Finale. Er gratulierte dem Sieger zum zweiten Titel und meinte schelmisch: „Jetzt reicht’s.“ Das Gegenteil ist wohl der Fall. Nachdem es ihm in den ersten Wochen des Jahres noch an Konstanz auf hohem Niveau gefehlt hatte, kommt Zverev nun offensichtlich immer besser in Schwung. Vier Wochen vor dem Münchner Endspiel hatte er in Miami schon das dritte Finale bei einem Turnier der 1000er-Serie erreicht, nun verteidigte er zum ersten Mal in seiner Karriere einen Titel – wobei das eine Sichtweise ist, mit der die meisten Tennisspieler nichts anfangen können. Es gehe nichts ums Verteidigen, sondern ums Erreichen immer neuer Ziele sagen sie, und davon gibt es für Zverev ja noch genug.

          Sonntagabend machte er sich schon auf den Weg zum nächsten Turnierstopp in Madrid, danach folgt Rom, wo er im vergangenen Jahr mit einem Sieg im Finale gegen Novak Djokovic den ersten Titel bei einem 1000er-Turnier gewonnen hatte. Quasi nebenbei plauderte er bei der Siegerehrung in München aus, dass er in diesem Jahr einen Titel gewinnen wird, den er bisher noch nicht hatte – Onkel. Sein Bruder Mischa werde demnächst Vater, meinte in einem Nebensatz. Ein weiteres Mitglied also für die erfolgreichste Tennisfamilie Deutschlands.

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