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Basketballspieler Schröder : Der große Zampano

Alles hört auf sein Kommando: Dennis Schröder lenkt das Spiel der Atlanta Hawks und des Nationalteams Bild: dpa

Eine Finte, ein erster schneller Schritt, und Dennis Schröder ist kaum noch aufzuhalten auf seinem Weg zum Korb. Er ist der Star der Deutschen bei der Basketball-EM und gibt den Ton an – nicht nur auf dem Feld.

          5 Min.

          Dennis Schröder spricht leise über das verlorene Spiel gegen Polen. Sein Blick ist auf den Boden gerichtet. Er hat gut gespielt, die meisten Punkte (26) gemacht, spektakulär die größten Gegner ins Leere greifen lassen. Das Publikum in der Hamburger Halle stand nach dem Vorbereitungsspiel auf die an diesem Donnerstag beginnende Europameisterschaft auf und applaudierte dem Aufbauspieler der deutschen Basketball-Nationalmannschaft. „Wir müssen besser werden“, sagt Schröder wenige Minuten später. Wieder vermeidet er den Augenkontakt. Um ihn herum werden Mitspieler auf seine Rolle angesprochen. Man hört Wortfetzen: „Unser Pointguard“, „sehr, sehr wichtig“, „muss vieles entscheiden“.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Schröder sieht sich als die Führungsfigur des deutschen Basketballs. Als der Mann, in dessen Händen die Geschicke der Nationalmannschaft liegen, wenn sie von diesem Donnerstag an mit dem Auftaktspiel gegen die Ukraine (14.45 Uhr) in Israel versucht, sich für die Endrunde in Istanbul zu qualifizieren, wo die Großen warten, die großen Teams, die großen Chancen für den großen Wurf. „Es wird nicht leicht“, sagt Schröder, aber wenn jeder von uns alles gibt, können wir alle schlagen.“ Er hebt den Kopf, für einen Augenblick.

          Dennis Schröder steht in diesen Momenten ein paar Meter neben seinem Spielfeld. Dort hat er sich von Braunschweig hinaus in die Welt gespielt, zu den Atlanta Hawks und schnurstracks in die Position des Aufbauspielers in der besten Liga auf diesem Globus. Mit 1,88 Metern und der Figur eines leichten Sprinters wirkt Schröder wie ein magerer Steuermann unter Ruderhünen, zerbrechlich.

          Von Braunschweig hinaus in die Welt: Schröder beherrscht den Ball und damit das Spiel

          Den Hawks erscheint er als Schwergewicht im Kreis der Besten: 17 Millionen Dollar zahlen sie ihm von der kommenden Saison an pro Jahr für den Job des Pointguards. Dafür muss er liefern. Er ist der Mann, der den Ball „bringt“, der das Tempo diktiert, die Spielzüge einleitet, im besten Fall das Match entscheidet mit seinen Dribblings, Pässen und Ideen. Der Aufbauspieler ist die Antwort des Basketballs auf die Lebensfrage, wie Klein und Groß in einem erfolgreichen Ensemble zusammenpassen und wie sich eine Übermacht unterlaufen lässt. Mit der „Eins“, wie in Deutschland der Aufbauspieler gerne genannt wird, soll alles anfangen. Also bei Schröder. Aber das reicht ihm nicht. Er will es auch zu Ende bringen.

          An diesem Abend reicht ein Stichwort, um Schröder gedanklich von der Abseitsposition neben dem Feld – noch im verschwitzten Trikot – wieder aufs Parkett zu versetzen, in sein Spiel: Das Eins-gegen-eins. Er richtet sich auf, nimmt den Kopf hoch, die Augen funkeln. „Ja, das ist es“, sagt er, „wofür wir letztlich auf dem Platz stehen.“ Für das Duell mit dem Gegner, „face to face“, Auge in Auge. Er zelebriert das Spiel mit einer Tempoverzögerung, mit einer kleinen Pause als Spannungselement: Ein Dribbling an der Drei-Punkte-Linie, ein paar Schritte im Rückwärtsgang, um Anlauf zu nehmen, den Kopf gebeugt wie ein Stier vor der Attacke. Den eigenen Center schickt er diesmal mit einer schnellen Handbewegung vom Korb weg. Und dann schießt er los, mit blitzschnellen Täuschungen und Rhythmusvarianten vorbei an seinem direkten Gegenspieler mitten hinein in die Zone, das heilige Abwehrzentrum des Gegners. Betreten verboten!

          Sie warten auf Schröder, die Männer aus der dritten Etage, schon mal dreißig Zentimeter größer, fünfzig Kilogramm schwerer. Lebendige Abwehrblöcke, darauf aus, den Kleinen ans Brett (des Korbes) zu nageln: Du schwebst nicht ungestraft in mein Reich und auf meiner Höhe! Da fliegt er schon vorbei, zum Korb katapultiert von seinem letzten langen Schritt und lupft den Ball mit langem Arm vor der Pranke des Verteidigers in den Korb. „Huuuui“, entfährt es Schröder bei einer seiner Punktlandungen in Hamburg. Klein schlägt Groß.

          Leise im Gespräch, aber selbstbewusst: „Ich will fortsetzen, was Dirk angefangen hat“

          Unter Bundesliga-Profis macht später die Geschichte die Runde, Schröder habe nach einer seiner Vorstellungen einem unbotmäßigen Gegenspieler diesen Satz hinterhergerufen: „This is not Euro-League, this is NBA, bitch.“ Ob das stimmt? Wir wissen es nicht. Sicher ist, dass Schröder sich nicht allein auf sein Tempo verlässt, auf seine rasend schnelle Fußarbeit und die flinken Hände: „Ich habe mir auf vielen Videos angeschaut, wie man als kleinerer Spieler an den Großen vorbeikommt, was man sich einfallen lassen muss.“

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