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Basketball-Nationalmannschaft : Dennis Schröder – Spektakulär!

  • -Aktualisiert am

Dennis Schröder zeigte in Hamburg beim Supercup, wie wertvoll er für die Nationalmannschaft ist Bild: dpa

Beim Supercup zeigt Dennis Schröder eine Show, die allein den Eintrittspreis wert ist. Die deutsche Basketball-Nationalmannschaft muss vor der EM aber noch an einigen Dingen feilen.

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          Dennis Schröder dribbelt lässig drei Schritte zurück hinter die Dreierlinie. Seine Mitspieler in der deutschen Basketball-Nationalmannschaft bewegen sich weg vom Korb der Russen. Schröder senkt den Kopf wie ein Stier vor der Attacke, schießt los, tanzt mit einer virtuosen Schrittfolge, kurz bremsend, dann wieder beschleunigend, an seinem Gegenspieler vorbei und hat nur noch einen vor sich auf dem Weg zum Korb, den größten, einen Hünen. Timofej Mozgov, der NBA-Meister, wartet in der Zone auf den deutschen Aufbauspieler der Atlanta Hawks, wartet auf den Moment, in dem er zuschlagen, den Ball aus Schröders Hand mit seiner Pranke ans Brett nageln will.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          215 gegen 188 Zentimeter, 125 gegen 78 Kilogramm, zwei Etagen und ein paar Gewichtsklassen drüber. Komm doch! Schon ist Schröder auf gleicher Höhe, ein langer letzter Schritt, der Absprung wie von einem Katapult und dann mit langem rechten Arm unter dem ausfahrenden Ausleger des Kolosses durch. Es reicht für einen Zentimeter Vorsprung, Korb, zwei Punkte. „Wooo!“, ruft Schröder nach der Landung. David schlägt Goliath, schon wieder. „Das ist es“, sagt der 23-jährige Braunschweiger später mit leuchtenden Augen, „wofür wir auf dem Platz stehen.“

          Bis zur EM bleibt Schröders Team noch viel Arbeit.

          Am Wochenende hatte der deutsche Basketball im Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg den „Supercup“ zu bieten: drei Spiele, zwei Niederlagen. Ein Sieg gegen die Russen (79:76), eine Niederlage gegen Polen (75:80) sowie am Sonntag mit einem dezimierten Kader gegen den Turniersieger Serbien (56:84). Trotzdem applaudierten die Zuschauer nach dem Ertönen der Schlusssirene. Das war wohl der Beweis für eine insgesamt gelungene Show beim Supercup. Schröder ist die Eintrittskarte wert: Im Schnitt 23,3 Punkte pro Spiel, das gab es schon zu Dirk Nowitzkis Zeiten, des nach wie vor unerreichten Altstars des deutschen Basketballs. Aber das war ein anderes Spiel, ruhiger, auf dem Höhepunkt mit Rang drei bei der WM (2002) und Platz zwei bei der EM (2005) vielleicht auch überlegter.

          Die jüngste deutsche Nationalmannschaft saust dagegen über das Feld, angetrieben von Schröder und seinem Stellvertreter auf der Dirigentenposition, Maodo Lo. Ein Sprinterensemble, das mitunter gemeinsam auf dem Feld den Kollegen Beine macht und kaum zu halten ist. Die Deutschen spielen so spektakulär wie nie zuvor. „Aber wichtiger ist es“, sagt Schröder, „die Spiele zu gewinnen.“ Der Supercup dient alle zwei Jahre als Generalprobe. Diesmal war es der vorletzte Einspieltermin für die in zehn Tagen beginnende Europameisterschaft, wenn es mit aller Kraft um klein gegen groß geht, spätestens während der K.o.-Runde ab dem Achtelfinale in Istanbul.

          Die Deutschen, so viel ist schon vor dem ersten Sprungball sicher, sind nicht so groß, wie sie sein könnten. Nicht nur auf dem Papier. Es hat Absagen gehagelt – auch von Spielern, die gesund sind, aber die Vorbereitung auf eine Karriere in der NBA dem Leistungstest einer EM vorzogen. Die Szene murrt, klagt mehr oder weniger offen und laut zumindest hinter vorgehaltener Hand: „Dirk (Nowitzki) hat immer die Knochen hingehalten. Und trotzdem eine phantastische Karriere in Dallas vorzuweisen.“ Die Diskussion dieses vielschichtigen Problems ist – mit Pausen – 30 Jahre alt. Chefcoach Chris Fleming kann sich mit den Enttäuschungen dieses Sommers nicht aufhalten. Er hat aktuellere Probleme.

          Mannschaftskapitän Robin Benzing erlitt am Freitag in der ersten Minute gegen Russland eine Knieverletzung und humpelte fortan durch die Supercup-Halle. Center Johannes Voigtmann wird nach einer Leistenverletzung erst in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen. Und am Samstag verabschiedete sich Center Daniel Theis auf Anordnung seines Klubs für ein paar Tage nach Boston, wo er in der kommenden Saison seine NBA-Premiere erlebt. Prompt fehlte den Deutschen am Sonntag unter dem Korb Länge, Physis und Erfahrung. Immerhin, Theis kommt zurück, vielleicht sogar vor dem abschließenden Test gegen Frankreich am kommenden Sonntag. Aber einen Teil der wichtigsten Vorbereitungsphase verpasst er, das Abstimmungsspiel in dieser Woche. „Wir wissen, dass wir als Mannschaft harmonieren müssen“, sagt Lo, „wenn wir die Großen schlagen wollen.“

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          An Theis muss sich Schröder nicht mehr gewöhnen. Sie sind Kumpels aus Braunschweiger Zeiten. Der NBA-Profi hat seinen Freund, sagte er dem Fachmagazin „Big“, bei der Karriereplanung unterstützt. Und er tut es auf dem Feld. Schröder sucht Theis, sucht mit diesem sprunggewaltigen „Power Forward“ die Leichtigkeit des Basketballs im Kreis der muskelbepackten Riesen zu inszenieren. Am liebsten mit einem lässigen Pass über Ringniveau, damit der Freund im Flug den Ball in den Korb dreschen kann. Da jauchzt das Publikum. Oder stöhnt kurz, wenn Schröder in der Luft für einen Moment zu lange auf diese Verbindung setzt (wie mitunter gegen Russland).

          Der Stardirigent wird alle Hände voll zu tun haben, die begabten Spieler seines Ensembles zu einem Team mit größerem Potential zu verknüpfen; und dem Spiel der deutschen eine Variabilität zu verleihen, mit der ein kraftraubendes EM-Turnier durchzustehen ist gegen die Größen des europäischen Basketballs. Also ohne viele Ballverluste (20 gegen Polen) schnell und so oft passen, dass die Deutschen leichter zu Korberfolgen kommen und nicht so stark von den spektakulären wie aufwendigen Solos ihres Aufbauspielers abhängig sind. Denn die Serben führten vor, was Flemings Team bei der EM zu erwarten hat gegen Mannschaften, die eine große Lobby genießen: einen ziemlich harten Einsatz gegen die zentrale Figur.

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