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Denken wir an Sport (2) : Ein Hoch auf das Mädchen-Hockey

Vorbild für viele Nachwuchsspielerinnen: Hockey-Nationalspielerin Anne Schröder, hier 2016 Bild: dpa

Hockey hat in meinem Leben die dominierende Rolle gespielt, phasenweise bis zur extremen Besessenheit. Der Größenwahn des Profisports aber schreckt mich bis heute ab. Als Trainer motiviert mich etwas ganz anderes.

          2 Min.

          Denken wir an Sport ... an was denken wir dann? Und was macht das mit uns? Sieben Sportredakteure der Frankfurter Allgemeinen Zeitung erzählen in einer Serie jeden Tag ihre ganz persönliche Geschichte.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Vor ein paar Jahren hat die F.A.Z. als Vorabveröffentlichung einen Textauszug aus dem Buch „Mroskos Talente“ von Ronald Reng veröffentlicht – und bei der Auswahl war mir ein Kapitel natürlich aufgefallen: Mädchen-Hockey ist der bessere Sport. Und alles, was der Titelheld dort erzählt, hätte von mir stammen können.

          Sport hat mein Leben beeinflusst, das zeigt schon die Berufswahl, darauf weist das Diplomsport-Studium hin. Hockey aber hat dabei die dominierende Rolle gespielt, phasenweise wegen der extremen Besessenheit so sehr alles bestimmt, dass der Rest nebensächlich wurde. Zurück sind Erfahrungen geblieben, die nie verblassen, der Siebenmeter in der Bundesliga-Aufstiegsrunde, die Tage, Stunden, Minuten vor deutschen Endspielen, die großen Träume, die tief sitzende Enttäuschung der beiden Niederlagen, das Gefühl des grenzenlosen Glücks beim Titelgewinn, später die ganz anderen Erlebnisse als Trainer einer Bundesliga-Mannschaft.

          Doch was Titelheld Mrosko im Buch erzählen lässt, hat damit nichts zu tun. Er ist Spielerberater im Fußball, ein Transfer ist gerade geplatzt, weil er ausgetrickst wurde, und während er darüber sinniert, wie schmutzig, wie verlogen dieses Geschäft ist, das nichts mehr mit dem zu tun hat, warum er selbst einst mit dem Fußballspielen begonnen hat, bemerkt er, dass er auf dem Rückweg zum Auto bei einem Hockeyplatz stehengeblieben ist und ein Spiel der Mädchen B (10 bis 12 Jahre) verfolgt.

          Und er sieht plötzlich all das, was ihn einmal an Sport fasziniert hat – die Begeisterung der Mädchen, er kann die Spielfreude ebenso wie die unbändige Lust am Leben spüren, er hört das Lachen der Kinder. Alles wirkt ehrlich, unschuldig, nichts aufgesetzt, ohne Hintergedanken, alles ist anders als das, was er in seinem Alltag erlebt, und deshalb ist er sicher: Mädchen-Hockey ist der bessere Sport.

          Ich trainiere seit einiger Zeit B-Mädchen, und ich empfinde das als großes Glück – weil es auch mir regelmäßig den Glauben an den Sport zurückbringt. Weil ich wie Mrosko stets aufs Neue erkennen und erleben darf, was mich einst so fasziniert hat und was mich am Größenwahn des Profisports, seiner Maßlosigkeit, seinem Marketinggeschrei, seinen Skandalen von Doping bis Korruption so abschreckt.

          Momentan fallen die Hockey-Therapiestunden aus, die Mädchen trainieren allein, aus Lust an der Bewegung, aus Lust am Sport. Sie schicken Fotos und Videos, wir schneiden Filmchen daraus, ich versuche sie zu motivieren, und sie ahnen nicht einmal, wie sehr sie mich motivieren. Irgendwann werden wir wieder auf dem Platz stehen, ernsthaft trainieren und vor allem viel lachen – und ja, manchmal schimpfe ich auch. Aber selten, sehr selten.

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