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Denis Lynch : Irische Schmerzen

„Ich bin sehr stolz, ein Ire zu sein”: Denis Lynch Bild: Michael Kretzer

Die Bilder der abgemagerten Pferde mit verwachsenen Hufen und geschundenen Körpern, die in Irland ausgesetzt wurden, erschüttern Tierfreunde. Springreiter Denis Lynch hilft mit einer Spendenaktion in seiner Heimat. Den grünen Rock legte er aus Ärger über seinen Verband ab.

          Dieser Pferdestall ist ein Gedicht. Hier ist es hell, sauber und aufgeräumt, die Gasse gefegt, und die Pferde sind picobello. In der Sattelkammer läuft die Waschmaschine, daneben trocknen frisch duftende Decken. Sättel und Zaumzeug hängen ordentlich an der Wand und verbreiten den edlen Geruch von gepflegtem Leder. Auf dem Boden stehen mehrere Paar Reitstiefel, geputzt und aufgereiht wie die Soldaten. Zu sagen, hier herrschte preußische Ordnung, wäre untertrieben. Es herrscht - irische Ordnung. Hier, auf einem schmucken Hof in Münster, lebt und arbeitet der Springreiter Denis Lynch, ein Mann aus Tipperary. Und wer den 34 Jahre alten Pferdemann erzählen hört, kann viel lernen über die Grüne Insel.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          „Ich bin sehr stolz, ein Ire zu sein“, betont Lynch immer wieder. Aber seine Heimat macht es ihm - wie schon vielen seiner Vorfahren - schwer, nicht nur ein stolzer, sondern auch ein glücklicher Ire zu sein. In letzter Zeit wird ihm sogar immer mehr das Herz schwer, wenn er an seine Heimat denkt. Das hat zwei Gründe. Sein Verhältnis zu seinem Verband, Irish Horse Sport, ist so schwer gestört, dass er die grüne Jacke vorerst ausgezogen hat. Und die Art und Weise, wie seine Landsleute mit Pferden umgehen, deren Unterhalt sie sich nicht mehr leisten können, schockiert ihn.

          Die Bilder der ausgesetzten Tiere erschüttern Tierfreunde in ganz Europa. Sie zeigen abgemagerte Pferde mit verwachsenen Hufen und geschundenen Körpern, die so krank und elend sind, dass manche nur noch durch den Gnadentod erlöst werden können. Der romantische Blick auf das Land der inbrünstig singenden Armen, traurig-schönen Balladen, malerischen Pubs und feuerköpfigen Widerstandskämpfer ist den Irland-Touristen von einst sowieso vergangen, seit das Land sich mit Hilfe der EU in einen künstlichen Boom manövrierte, dem jetzt die wirtschaftliche Ernüchterung folgt.

          Lynch setzt sich für die Rettung der verelendeten Pferde ein

          Die gefühllose Haltung - ausgerechnet in einem ausgewiesenen Pferdeland - gegenüber den leidenden Lebewesen stößt auf Unverständnis und Ablehnung. Tausende von ausgesetzten Pferden fristen mittlerweile ihr Dasein auf Müllhalden und an den Böschungen der Autobahn. Die Irische Gesellschaft zur Verhinderung von Tierquälerei (ISPCA) berichtete vor kurzem, sie habe in 48 Stunden 22 vernachlässigte Pferde aufgenommen - in zwei Wochen habe sie 30 Pferde retten müssen, die teure und langwierige Pflege brauchten, um wieder zu Kräften zu kommen.

          Täglich würden tote Pferde gefunden, heißt es in einer Erklärung vom 24. Januar. Vor kurzem waren Reitpferde oder von Besitzergemeinschaften gehaltene Galopper noch Statussymbole. Durch die steuerbegünstigte Zucht wucherte zudem die Überproduktion. Und weil in Irland Pferde weder registriert noch gekennzeichnet werden, kann niemand den verantwortungslosen Besitzer ausfindig machen, der einfach sein Pferd am Straßenrand zurücklässt. Die ISPCA hat an die Regierung appelliert, sich mit diesem Problem zu befassen, „über das bereits in aller Welt berichtet wird, und das den Ruf der irischen Pferdebranche zu zerstören droht“.

          Denis Lynch, der seit 16 Jahren in Deutschland lebt, hat das Geschehen aus der Entfernung verfolgt und fühlt sich nun aufgerufen, etwas zu tun. Seit Dezember setzt er sich für die Rettung der verelendeten Pferde ein. Er ruft die Reiterszene zu Spenden auf, sammelt auf Turnieren und hat bereits weit mehr als 100.000 Euro zusammen. Das Geld trifft in kleinen Beträgen auf dem Spendenkonto ein - und manchmal greift ein Mäzen auch einmal tief in die Tasche.

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