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Hamburg Freezers : Große Klappe und mittlerweile ganz viel dahinter

  • -Aktualisiert am

Große Klappe und kleine Provokationen: David Wolf polarisiert auf dem Eis Bild: dpa

Die überschüssigen Aggressionen kommen aus einer schweren Kindheit: Mittlerweile aber spielt „Rauhbein“ David Wolf auch mit Köpfchen. Mit den Hamburg Freezers will er Eishockeymeister werden.

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          In Iserlohn hat David Wolf wieder keine neuen Freunde gefunden. Für die Fans im Sauerland war der Linksaußen der Hamburg Freezers das Feindbild schlechthin; niemand wurde leidenschaftlicher ausgepfiffen und beschimpft als der 24 Jahre alte Eishockeyprofi. Doch das ist Wolf gewohnt. In diesen Tagen zeigt er sein typisch schiefes Lächeln, wenn er an die sechs heißen Partien gegen Iserlohn denkt - und daran, dass er sich mit einer Ausnahme nicht provozieren ließ. „Wenn man die Statistiken sieht, habe ich nicht so viel falsch gemacht“, sagt der frühere Strafbankkönig.

          Das ist nun leicht untertrieben: Wolf, ein zäher Kämpfer und unerschrockener Wühler vor dem Tor, war der überragende Spieler der Viertelfinal-Serie der Deutschen Eishockey Liga (DEL); in den sechs Partien gelangen ihm vier Tore und fünf Vorlagen. Die Freezers stehen auch dank Wolf zum zweiten Mal in der Klubgeschichte im DEL-Halbfinale. Und viele sehen im Hauptrunden-Ersten aus Hamburg vor den an diesem Mittwoch beginnenden Partien gegen den ERC Ingolstadt (19.30 Uhr / Live im Eishockey-Ticker bei FAZ.NET) den Titelanwärter Nummer eins.

          Als Teil der famosen ersten Angriffsreihe mit Jerome Flaake und Garrett Festerling wusste Wolf schon in den vergangenen Spielzeiten zu gefallen. Doch etwas fehlte. „Ich war der Vorkämpfer, aber kein Anführer“, sagt Wolf. Das hat sich in dieser Saison geändert. Er ist im internen Ranking gestiegen. „David ist reifer und erwachsener geworden“, sagt Trainer Benoit Laporte über sein liebstes Rauhbein, dem er manches durchgehen lässtWolf hat sein Spiel mal so charakterisiert: „Manchmal muss ich mir gezielt einen Gegner greifen - hinfahren, umhauen, fertig.“

          Kein Wunder, dass ihn nicht nur die Fans in Iserlohn nicht sonderlich mögen. Sein Kollege Flaake sagt: „David ist einer, den man lieber in der eigenen Mannschaft hat.“ Laporte hat es seinem „Bad Boy“ indes beigebracht, mit Köpfchen zu spielen. Die Strafbankaufenthalte sind auf ein akzeptables Maß geschrumpft. Im Training haben sich die anderen an seine große Klappe und die kleinen Provokationen gewöhnt.

          „Wenn man die Statistiken sieht, habe ich nicht so viel falsch gemacht“: David Wolf
          „Wenn man die Statistiken sieht, habe ich nicht so viel falsch gemacht“: David Wolf : Bild: dpa

          Wolf kann schlüssig erklären, woher die überschüssigen Aggressionen kommen. Scheidungskind, schwierige Jugend, Krankheit der Mutter in Mannheim: Da nahm der kleine David oft die Fäuste zur Hilfe. „Prügeleien auf der Straße waren normal.“ Doch in dem mittlerweile 191 Zentimeter langen und 99 Kilogramm schweren Kraftpaket steckt auch ein Grübler. „Ich habe früher nach Spielen über jede verpasste Chance nachgedacht“, sagt er. Die Zusammenarbeit mit einem Mentaltrainer seit 2012 verhilft ihm zu mehr Ausgeglichenheit. „Mein Fell ist dicker geworden“, sagt Wolf, „ich gehe nicht mehr so schnell an die Decke.“

          Hinzu kommt, dass Wolf für die neue Freezers-Identität steht. Vor drei Jahren begann der Umbruch, der Rückgriff auf junge, deutsche Spieler - nun bilden Wolf, Flaake, Festerling, Oppenheimer und der etwas ältere Schubert das Korsett eines Teams mit Titelambitionen. Wenn man die Burschen sieht, wie sie nach dem Training beim Lieblingsitaliener „Venezia“ im Stadtteil Eimsbüttel die Teller leeren, erahnt man den Zusammenhalt.



          „Hockey is my life“, hat sich Wolf in den linken Oberarm stechen lassen, und die Sprache dieses Satzes könnte bald seine sein. Es soll ein Angebot der Calgary Flames aus der nordamerikanischen Profiliga NHL für die kommende Saison geben. Wolf will nicht zu viel verraten; er ist vertraglich bis 2018 an die Freezers gebunden. „Ich werde seit zwei Jahren von mehreren NHL-Klubs beobachtet“, behauptet er, „mehr gibt es nicht zu sagen.“ Mit seiner Körperlichkeit und seinem Mut wäre Wolf vermutlich ein idealer NHL-Spieler.

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