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DEL-Halbfinale : Eskalation auf dem Eis

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Im Halbfinalduell der DEL zwischen München und Mannheim geht es zur Sache:Matthias Plachta (weißes Trikots) kann wieder mitwirken Bild: Imago

Das Duell könnte dank zweier Klasseteams als Werbung für Eishockey dienen. Aber Im DEL-Halbfinale zwischen München und Mannheim ist die Atmosphäre inzwischen nachhaltig vergiftet. Ein Foul erhitzt die Gemüter.

          Die Trainer waren nett zueinander. Bill Stewart, der Mannheimer, nannte Don Jackson, den Münchner, „Donnie“. Sie boten das Bild zweier nordamerikanischer Eishockey-Buddies, die sich in Deutschland begegnen. Stewart lachte, Jackson schmunzelte, es schien, als hätten ihre Teams gerade ein belangloses Spiel der Hauptrunde in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) gespielt. Doch hinter ihnen lag eine dramatische Begegnung in der Halbfinalserie, in der der Deutsche Meister EHC München gegen die Adler Mannheim 2:1 in Führung ging. Am Ostermontag gewannen die Münchner mit 2:1 in der zweiten Verlängerung, insgesamt fünfundachtzigeinhalb Minuten mussten gespielt werden, ehe Mads Christensen, der passenderweise Geburtstag hatte, ins Mannheimer Tor traf. Der Deutsch-Däne schwärmte von der Intensität der Begegnung: „Das macht richtig Spaß.“

          Sein Coach Jackson beschrieb die spezielle Herausforderung, wenn in den Playoffs vor den Toren hingebungsvolle Abwehrarbeit geleistet wird: „Da ist der Schlüssel dann, überhaupt eine Schussbahn zu finden.“ Und Bill Stewart meinte: „Es braucht zwei großartige Teams, um solch ein Spiel abzuliefern.“ Die Adler waren in diesem dritten Match der Best-of-Seven-Serie ab dem zweiten Drittel die bessere Mannschaft; trotz des Rückstands versichert Stewart: „Wir glauben weiter an uns. Danke und schönen Abend.“ Mit der sportlichen Klasse, die die Paarung München – Mannheim offenbart, könnte das Eishockey nun wunderbar für sich werben, zumal 13 der Olympia-Silbermedaillengewinner beteiligt sind.

          Jedoch wird die Serie von einem stärkeren Thema überlagert: Ein Foul des Münchners Steve Pinizzotto hat die Atmosphäre zwischen den beiden Vereinen nachhaltig vergiftet. Der Deutschkanadier, ehemals in der nordamerikanischen Profiliga NHL tätig, hatte im ersten Spiel am Donnerstag den Mannheimer Matthias Plachta in die Bande gecheckt und dabei mit dem Ellbogen den Kopf des Gegenspielers an die Plexiglasumrandung gewuchtet. Plachta lag danach regungslos auf dem Eis, musste minutenlang von zwei Ärzten behandelt werden. Benommen ging er vom Eis, im zweiten Spiel war er nicht einsatzfähig. Die Disziplinarkommission der DEL sperrte Pinizzotto, der den am Boden liegenden Plachta auch noch verhöhnt hatte, für fünf Partien.

          Zum Gesundheitszustand von Plachta gaben die Adler Mannheim, wie in den Play-offs üblich, keine Stellungnahme ab. Am Montag nahm der Nationalspieler dann – für manche überraschend früh – wieder seinen Platz in der ersten Angriffsreihe der Adler ein. Die Münchner Nordkurve, die in einer Choreographie noch „Ehre Herz Courage“ als Werte des EHC ausgewiesen hatte, beschimpfte Plachta als Schauspieler, begleitete jede Aktion mit Pfiffen, feierte eine Strafzeit, die er bekam. Pinizzotto sieht sich als Opfer von DEL-Justiz und Medien. Der Strafbankkönig der Liga ist der Held der Fans – die sich allerdings damit abfinden müssen, dass nach drei Jahren sein Vertrag in München nicht verlängert wird.

          Sorge um die positive Stimmung

          Die Kölner Haie sind an ihm interessiert. EHC-Trainer Don Jackson hatte Pinizzottos Check in einer ersten Reaktion als „clean hit“, als korrekt, bezeichnet. Revidiert hat er seine Ansicht bis heute nicht. Wohl aber glaubt er, seitens der Mannheimer, vor allem von David Wolf gegen Michael Wolf, den Münchner Kapitän, am Montag einige „bad hits“ ausgemacht zu haben. Er werde, kündigte Jackson an, sich an die Liga wenden. Und als klaren Seitenhieb in Richtung Matthias Plachta brachte er die Bemerkung an: „Michael Wolf hat sich wenigstens nicht hingelegt.“ Die Vereine tun nichts, um einer Eskalation entgegenzuwirken. Schon am Mittwochabend wird in Mannheim die Serie fortgesetzt. Marc Hindelang, Vizepräsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB), drückte auf Twitter seine Sorge aus: „Man kann nur an die Vernunft aller appellieren, die positive Stimmung pro Eishockey in Deutschland nicht zu beschädigen.“

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