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Eishockeyprofi Marcel Noebels : Der Motor der Eisbären Berlin

  • -Aktualisiert am

Der „Stürmer des Jahres“ bei der Arbeit: Marcel Noebels Bild: dpa

Bisher reichte es für den Berliner Eishockeyprofi Marcel Noebels nur zu zweiten Plätzen mit seinen Teams. Nun soll im ultimativen Duell um die 100. deutsche Eishockey-Meisterschaft der Titel her.

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          Die zwei schönsten Worte im Eishockey? Spiel sieben. So lautet ein alter Spruch aus Nordamerika. Wenn eine Play-off-Serie ins letzte und entscheidende Spiel geht, ist es immer noch am aufregendsten. Erst recht im Finale, wenn ein einziges Spiel über die komplette Saison entscheidet. Über Jubel und Trauer. Über Meisterschaft oder eben nicht. In der Deutschen Eishockey Liga (DEL) ist aus der Sieben dieses Jahr eine Drei geworden.

          In der verkürzten Corona-Saison braucht es nicht mehr vier Siege, um in der K.-o.-Runde eine Serie zu gewinnen, da reichen bereits zwei. Steht es 1:1, geht es im dritten Spiel schon um alles. Nachdem die Eisbären Berlin das erste Finale am Sonntag daheim gegen die Grizzlys Wolfsburg 2:3 nach Verlängerung verloren hatten, gewannen sie am Mittwoch auswärts 4:1. Also kommt es an diesem Freitagabend (19.30 Uhr bei Magentasport) zum ultimativen Duell um die 100. deutsche Eishockey-Meisterschaft.

          Marcel Noebels hat das schon mal erlebt. 2018 war das. Die Eisbären standen im Finale dem EHC Red Bull München gegenüber. Damals ging es sogar in ein „echtes“ siebtes Spiel, aber am Ende war Noebels ohne Scorerpunkt geblieben, die Berliner verloren 3:6. Für den Stürmer war es die zweite große Finalniederlage binnen weniger Wochen, zuvor hatte er mit der Nationalmannschaft bereits das Duell um Olympia-Gold verloren. Danach blieben ihm zumindest eine Silbermedaille und die Gewissheit, Teil des größten Erfolges der deutschen Eishockeygeschichte zu sein. Zwar gibt es für einen zweiten Platz auch in der DEL ein Bändchen mit einem Stück Metall, aber das interessiert in der Regel niemanden.

          Geht es danach, hat Noebels in seinen acht DEL-Spielzeiten noch nichts erreicht. Aber das wäre natürlich eine sehr verkürzte Sicht auf die Dinge. Erst recht in einer Sportart, in der einer allein nichts gewinnen kann, weil ein Team aus mindestens 20 Spielern besteht und selbst die Besten meist nur ein Drittel der Spielzeit auf dem Eis verbringen. Geht es um individuelle Auszeichnungen, ist der 29-Jährige weit vorne. Vergangene Woche wurde er zum zweiten Mal in Serie als „Stürmer des Jahres“ und „Spieler des Jahres“ in der DEL ausgezeichnet. „Das ist eine Riesenehre für mich und eine Auszeichnung, auf die ich vergangenes Jahr schon stolz war“, sagte er dem Tagesspiegel: „Es war auch ein Ansporn, meine Leistung zu bestätigen, und ich glaube, das ist mir in dieser Saison gelungen.“

          Das ist nicht weit von der Wahrheit entfernt. In der Hauptrunde führte er die Berliner als Kopf der wohl besten Sturmreihe der Liga an die Tabellenspitze – mit 42 Scorerpunkten nach 36 Spielen. Niemand bereitete mehr Tore vor als Noebels (36), der kein Torjäger ist, seine Stärken heißen Übersicht, Technik und Passgenauigkeit. Von Ende Dezember bis Mitte Februar punktete er gar in 15 Spielen in Folge – Vereinsrekord bei den Eisbären. Für ihn „Nebensache“, aber umso bemerkenswerter, weil die Berliner ja eine reiche Historie haben. Zwischen 2005 und 2013 wurden sie siebenmal Meister.

          Heute spielt von den alten Helden nur noch Kapitän Frank Hördler (36). Der Motor des Teams ist aber Noebels. Sobald er das Eis betritt, spielt sich das Geschehen meist im Angriffsdrittel ab. Gemeinsam mit den anderen beiden Nationalspielern Leo Pföderl und Lukas Reichel dominiert Noebels die DEL. Nicht wenige trauen ihm zu, es auch in Nordamerika schaffen zu können.

          Aber der Zug ist wohl abgefahren. Er wechselte zwar schon als Teenager von seinem Heimatverein in Krefeld nach Kanada, wurde 2011 beim Draft, der Talenteziehung der NHL, von Philadelphia ausgewählt und versuchte es in der zweitklassigen AHL, aber für den Sprung nach oben reichte es nicht. 2014 kam er zurück nach Deutschland und schloss sich den Berlinern an. Als er vier Jahre später Olympia-Silber gewann und deutsche Spieler auch in Übersee immer gefragter wurden, luden ihn die Boston Bruins noch mal ins Trainingscamp ein, doch der NHL-Vertrag blieb ein Traum.

          Seitdem konzentriert sich Noebels auf die Eisbären. Und wird immer besser: Nach 0,70 und 0,94 Scorerpunkten pro Spiel in den Vorjahren ist er dieses Jahr zum ersten Mal ein Ein-Punkt-pro-Spiel-Spieler, 1,17 waren es in der Hauptrunde. In den Play-offs steht er gar bei 10 Punkten in acht Spielen (1,25). Doch nun ist es an der Zeit, aus all den individuellen Zahlen und Auszeichnungen einen Teamerfolg werden zu lassen. Die große Chance hat er an diesem Freitagabend. In Spiel drei.

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