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München-Trainer Jackson : Reif für den nächsten Coup?

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„Für Siege gibt es kein Limit“: Don Jackson. Bild: dpa

Don Jackson ist der erfolgreichste Coach der DEL-Geschichte. Nun steht er wieder in der Finalserie – gegen seinen alten Klub aus Berlin. Und seine Münchner haben nach dem ersten Spiel etwas gutzumachen.

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          Die anderen Trainer in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) mögen Don Jackson. Sie nennen ihn immer „Donny“, obwohl er mit 61 Jahren und seinem Auftreten als Grandseigneur der Branche über kindliche Verniedlichungsformen hinaus ist. Meistens beginnen ihre anerkennenden Sätze mit „Gratulation an Donny“. Oder bei den nordamerikanischen Kollegen, die sich mit der deutschen Sprache abmühen: „Congratulieren Donny“. Jackson ist derjenige, an den die Glückwünsche zu richten sind.

          „Für Siege gibt es kein Limit“, sagt er, und seine Bilanz als Trainer in der DEL steht dafür. Mit den Eisbären Berlin ist er in sechs Jahren fünfmal deutscher Meister geworden, mit dem EHC München in drei Jahren zweimal. In seiner vierten Saison steht er abermals in der Finalserie. Gegen die Eisbären Berlin. Eine besondere Konstellation, räumt er ein, und ein Lächeln taucht auf in seinem Gesicht mit dem weißen Play-off-Bart. „Aber wenn der Puck eingeworfen wird, ist es auch nur ein Spiel, das wir gewinnen wollen.“ Das erste Spiel am Freitag aber gewannen die Münchner und Jackson nicht. Stattdessen gingen die Eisbären in der Finalserie durch einen 4:3-Auswärtssieg in Führung. An diesem Sonntag kommt es zur zweiten Partie in Berlin (14.30 Uhr live bei Sport1).

          Die Sätze des erfolgreichsten Coaches der DEL-Geschichte sind unspektakulär, Jackson als Typ ist es auch. Wenn er bei den Heimspielen des EHC München über die Eisfläche zu seinem Arbeitsplatz an der Bande geht, tut er es so vorsichtig, dass man nicht glauben mag, dass er ein bedeutsamer NHL-Spieler gewesen ist. Er gehörte zum Wunderteam der Edmonton Oilers in den 1980er-Jahren, zweimal gewann er den Stanley-Cup. „Mein erstes Tor haben Wayne Gretzky und Paul Messier vorbereitet“, erzählt er, „das können nicht viele von sich behaupten.“ Don Jacksons Rolle bei den Oilers war aber klar definiert: Er war Verteidiger, Arbeiter, zuständig fürs Grobe. Der Mann mit dem in der Regel dreistelligen Strafminuten-Konto.

          Die Statistiken, die er früher hatte, tauchen nun in München hinter dem Namen Steve Pinizzotto auf. Der Deutschkanadier, früherer NHL-Spieler, löste den Skandal des diesjährigen Halbfinales aus, als er den Mannheimer Matthias Plachta im vollen Lauf, Ellbogen gezielt auf den Kopf gerichtet, in die Bande rammte und von der Disziplinarkommission der Liga für dieses Vergehen für fünf Spiele gesperrt wurde. Jackson sprach von einem „sauberen Check“ und erntete für diese Einschätzung bundesweites Unverständnis. Zwar resultierte sein Urteil auf einer ersten Sichtung des Bildmaterials, das nur die Totale zeigte – doch offiziell zurückgenommen hat der Amerikaner seine Bewertung nicht. Er legte sogar nach, als er den Mannheimer Plachta indirekt der Schauspielerei bezichtigte, indem er ihn mit seinem Spieler Michael Wolf verglich, der zwei Spiele später mehrere gegnerische Attacken wegsteckte: „Wenigstens hat Michael sich nicht hingelegt.“

          In drei Jahren hat Jackson nie mehr als ein Spiel in einer Play-off-Serie verloren. Doch das Standardresultat von 4:1 gegen die Mannheimer setzte ihm zu. „Das war die physisch härteste Serie“, urteilte er, „zu viel Arbeit mit dem Schläger.“ Er war emotionaler als sonst, beantragte nach dem dritten Spiel ein Verfahren gegen die Adler wegen „böser Checks“ – trotz objektiv geringer Erfolgsaussichten. Die Münchner verloren – und hatten das Recht verspielt, weitere Szenen nachbeurteilen zu lassen. Der Fehler blieb aber folgenlos. Und am Ende musste der Mannheimer Trainer Bill Stewart sagen: „Congratulieren Donny.“

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