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Eishockey-Finale : Zwei Teams auf Augenhöhe

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Die Eisbären Berlin (im Bild James Sheppard, weißes Trikot) und der EHC Red Bull München liefern sich eine bislang ausgeglichene Finalserie. Bild: dpa

Das Finale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft scheint spannend zu werden. Titelverteidiger München schaffte gegen die Eisbären nur mit Mühe den 1:1-Ausgleich. Der Ausgang der Serie ist erfreulicherweise offen.

          Der Eishockeyprofi Steve Pinizzotto fällt selten durch Nettigkeiten auf. Würde es eine Rangliste der unbeliebtesten Spieler der Deutschen Eishockey Liga geben, der Provokateur des EHC München stünde weit vorn. Jüngst im Play-off-Halbfinale hatte er den Mannheimer Matthias Plachta brutal den Ellbogen gegen den Kopf gecheckt, ehe er den verletzt am Boden liegenden Nationalspieler auch noch verhöhnte. Das hatte Pinizzotto fünf Spiele Sperre und ein Ermittlungsverfahren eingebracht, weshalb er erst am vergangenen Sonntag zum zweiten Finalspiel bei den Eisbären Berlin wieder spielberechtigt war. Dort zeigte er, dass er auch durchaus passabel Eishockey spielen kann – er traf beim 5:4-Erfolg der Münchener zum 2:1. Und hinterher gab er sich laut „Tagesspiegel“ regelrecht versöhnlich: „Bisher ist es eine ausgeglichene Serie.“

          Das ist für die Münchener eine neue Situation, zuletzt wurden sie selbst in den Play-offs kaum gefordert. In keiner ihrer acht Serien seit 2016 brauchten sie mehr als fünf Spiele für die erforderlichen vier Siege. Nun steht es zwischen dem Titelverteidiger und den Berlinern 1:1 nach zwei Spielen, bevor es an diesem Mittwoch (19.30 Uhr bei Sport 1) in München weitergeht. Und Schuld daran haben nicht etwa die in diesen Play-offs schon so oft kritisierten Schiedsrichter, es ist die Stärke der Eisbären.

          Schon in der Hauptrunde (Platz zwei) sowie in den ersten beiden Play-off-Runden (4:1 gegen Wolfsburg, 4:2 gegen Nürnberg) wirkten sie deutlich besser und gefährlicher als in den Jahren zuvor. Im Finale haben sie bislang nicht viel gemacht, was den Eindruck verschlechtern könnte. Gleich im ersten Spiel gewannen sie 4:3 in München, weil sie das gefürchtete Forechecking des Heimteams gekonnt aushebelten. „Wir wurden etwas überrascht“, sagte der Münchener Trainer Don Jackson – und musste am Sonntag selbst nach der 5:2-Führung in Berlin mächtig um den Sieg bangen. Die Eisbären dominierten den Schlussabschnitt, kamen auf 4:5 heran und kurz vor dem Ende fast noch zum Ausgleich.

          Die Ausgeglichenheit freut nicht nur die Eisbären

          Das hätte gezeigt, „dass wir auf eine längere Serie vorbereitet sind“, sagte Trainer Uwe Krupp, der sich vor allem auf seine erste Sturmreihe verlassen kann: James Sheppard, Sean Backman und Nick Petersen haben in den ersten beiden Finalspielen sechs Tore erzielt. Nicht weniger gefährlich sind Louis-Marc Aubry und Marcel Noebels aus der zweiten Sturmformation, die nach 13 Play-off-Spielen gemeinsam auf 30 Scorerpunkte kommen.

          Das freut nicht nur die Berliner, auch in der Chefetage der Liga dürfte das wohlwollend registriert werden. Offiziell herrscht in den Büroräumen in einem schmucklosen Neusser Gewerbegebiet natürlich Neutralität, aber es darf davon ausgegangen werden, dass sich Erleichterung darüber breitmacht, den späteren Meister diesmal nicht schon vor dem ersten Bully zu kennen. Und dass es nicht wie zuletzt ausschließlich graue Mäuse wie München und Wolfsburg sind, welche die entscheidenden Wochen der Saison prägen. Die vergangenen beiden Finalserien, die München 4:0 und 4:1 gewann, erregten ja kaum überregionale Aufmerksamkeit.

          Selbst in ihren Städten tun sich beide Vereine trotz ihrer Erfolge schwer. In Wolfsburg kamen in der Hauptrunde nicht mal 3000 Zuschauer im Schnitt, in München gerade mal 5000. Hinzu kommen die großzügigen Geldgeber VW und Red Bull, die vielen Fans anderer Vereine sauer aufstoßen. Natürlich geben sie auch in Berlin mehr aus, als sie durch Tickets, Fanartikel, Fernsehgeld und Sponsoring einnehmen. Ohne die amerikanische Anschutz Entertainment Group, der auch das NHL-Team Los Angeles Kings gehört, stünden die Eisbären nicht im Finale. Und dennoch käme niemand auf die Idee, die Berliner für einen Retortenverein zu halten. Ihre Geschichte reicht bis in die 50er Jahre zurück. Erst holten sie unter dem Namen Dynamo 15 DDR-Meisterschaften, nach der Wiedervereinigung und der Umbenennung in Eisbären kamen von 2005 bis 2013 sieben Titel in der DEL dazu.

          Das und der Umzug in die schicke Arena am Ostbahnhof haben aus dem alten „Stasi-Klub“, wie ihn Fans anderer Vereine wegen der früheren Förderung durch Stasi-Chef Erich Mielke nur allzu gerne noch immer nennen, zu einem für alle Berliner gemacht. Mit 11.384 Zuschauern im Schnitt gehörten die Eisbären nach der Hauptrunde abermals zu den besten fünf Teams in Europa. In den Play-offs kommen bislang sogar 13 597 – was den Ligadurchschnitt der Endrunde bislang auf 8447 steigen ließ. Vergangene Saison waren es 600 weniger. Dauert die Finalserie diesmal wirklich länger als nur fünf Spiele, wird der Schnitt weiter steigen. Dass Steve Pinizzotto weitere nette Sachen sagt, ist hingegen nicht zu erwarten.

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