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Degenfechterin Monika Sozanska : Klingen und Gold

Fecht-Model: Monika Sozanska Bild: imago

Fechten ist für sie wie Tanzen - „nur kreativer“. Bei den Weltmeisterschaften in Paris will Monika Sozanska mit dem Degen angreifen. Der stilvolle Rahmen im Grand Palais und eine Fotoausstellung zur Eröffnung geben ihr Auftrieb.

          Zur Einstimmung eine Vernissage. Und zum Wettkampf ins Grand Palais. So stilvoll kann eine Weltmeisterschaft sein. Zumindest wenn sie in Frankreich stattfindet, dem Mutterland des Fechtsports. Entsprechend begeistert ist eine der Hauptattraktionen: „Das wird eine ganz besondere WM“, sagt Monika Sozanska, vielversprechende Degenfechterin aus Heidenheim. „Paris gehört zu meinen Lieblingsstädten, und die Franzosen sind begeistert vom Fechten.“ Die Finalkämpfe sind schon jetzt ausverkauft, was für zusätzlichen Ansporn sorgt. Entsprechend motiviert reist die 27-Jährige in die Stadt der Musketiere: „Ich bin hungrig nach einer Medaille.“

          Einmal Gold hat sie bereits gewonnen: Sozanska ist eine der zwölf Auserwählten, die auf dem Kalender „Lames & Or“ (Klingen & Gold) von den Starfotografen César Saldívar und Philippe Kerlo - der auch schon bei „Germany's Next Topmodel“ mit Heidi Klum die Kandidatinnen ins rechte Licht gerückt hat - ausdrucksvoll abgebildet wurden. „Sechs Männer und sechs Frauen aus der ganzen Welt, alles erfolgreiche Fechter, Olympiasieger, Weltmeister. Und ich als Repräsentantin Deutschlands.“ Eine große Ehre für Monika Sozanska - und auch eine Bestätigung ihres Egos, schließlich modelt „Fencing-Miss April“ oft und gerne. Zum Covergirl wurde die französische Fecht-Ikone Laura Flessel-Colovic auserwählt, die schon fünf olympische Medaillen gewonnen hat und sechsmal Weltmeisterin war.

          Drei deutsche Fechterinnen unter den Top-16

          Ab Samstag werden die schwarz-goldenen Fechtfotografien großformatig auf dem „Balcon d'Honneur“ im Grand Palais ausgestellt, in dessen würdigem Rahmen dann auch die WM-Waffen gekreuzt werden. Eigentlich dient das Grand Palais als Museum. Es wurde für die Weltausstellung 1900 erbaut und sollte „den Ruhm der französischen Kunst“ mehren.

          Um nicht völlig den kulturellen Verlockungen und dem „Savoir-vivre“ zu erliegen, reiste Monika Sozanska erst am Freitag nach Paris, dem letztmöglichen Termin. Auch ihre beiden erfolgreichen Mitstreiterinnen Britta Heidemann (aus Leverkusen) und Imke Duplitzer (aus Bonn) reisten individuell an. Alle drei sind dank ihrer Vorleistungen für die Hauptrunde der besten 64 gesetzt, die am Montag im K.-o.-System ihre Meisterin ausfechten. Die Vierte im Bunde, Ricarda Multerer, scheiterte dagegen schon am Donnerstag in der Qualifikation.

          Den Vater als Bundestrainer: Kein Vorteil, aber auch kein Nachteil

          Die Aussichten auf Medaillen sind wieder einmal nicht schlecht für die seit Jahren erfolgreichen deutschen Degendamen: Olympiasiegerin Britta Heidemann wird an Nummer 2 der Weltrangliste geführt, Europameisterin Imke Duplitzer steht an Position 6, und auch Monika Sozanska hat als aktuelle Nummer 14 zumindest Außenseiterchancen. So viele Top-16-Athletinnen hat neben Deutschland nur Frankreich zu bieten.

          Spätestens im Mannschaftswettbewerb am kommenden Freitag sollte es deshalb für die Deutschen aufs Treppchen gehen. Bundestrainer Piotr Sozanski, der Vater von Monika, verweigert sich zwar wie stets einer Prognose, gibt aber zumindest ein „gewisses Mitspracherecht bei der Medaillenvergabe“ zu. Die Aussage entspricht dem Naturell eines Trainers, der auch seine extrem heterogene Leistungsgruppe partnerschaftlich und kompromissorientiert führt; der auf respektvollen Umgang, aber nicht auf Hierarchien pocht.

          „Fechten ist wie Tanzen - nur viel kreativer“

          Dass ihr Vater auch ihr Trainer ist, daran hat sich Monika Sozanska seit Jahren gewöhnt. Vorteile sieht sie keine, Nachteile aber auch nicht unbedingt: „Bei mir wird eben genauer hingeguckt.“ Zum Glück gibt es klare Kriterien, Treffer ist Treffer, Rangliste ist Rangliste. Seit Jahren hat sie sich als nationale Nummer 3 zwischen den Antipoden Heidemann und Duplitzer behauptet, bei Teamwettbewerben so manche Medaille mit erstritten. Und auch persönlich wirkt sie ausgleichend. „Ich verstehe mich mit beiden gut.“

          Für die in Polen geborene und im Alter von elf Jahren nach Schwaben gekommene Monika ist Fechten „wie Tanzen - nur viel kreativer“. Mit ihrem leichtfüßigen und präzisen Stil hat sie es in die erweiterte Weltspitze geschafft, dann aber aufgrund fehlender Reichweite und körperlicher Defizite keine weiteren Leistungssprünge mehr erreicht. Diese Mängel hat sie nun ausgeglichen. Nach Abschluss ihres Studiums für Medienwirtschaft hat sie sich der Sportfördergruppe der Bundeswehr angeschlossen und trainiert nun quasi hauptberuflich. „Mein Kopf ist immer noch meine stärkste Waffe“, sagt sie, „aber ich bin körperlich stärker geworden. Das gibt mehr Sicherheit.“ Ob es gereicht hat, ihren großen Traum von einer Medaille zu erfüllen, weiß sie am Montag. Dann ist Stichtag für die Degenfechterinnen. Und wenn es nicht für die Medaille reicht, hat sie zumindest ihr Poster.

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