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Handball-Bundestrainer Prokop : „Werde keinen zwingen, einen gemeinsamen Weg mit mir zu gehen“

  • -Aktualisiert am

Weiter im Fokus: Handball-Bundestrainer Christian Prokop Bild: dpa

Christian Prokop bleibt Handball-Bundestrainer – doch die Debatte um ihn dauert an. Nun spricht ein ein früherer Welthandballer gar von einer „eklatanten Fehlentscheidung“ des DHB – und auch ein Spieler ergreift das Wort.

          Die Entscheidung ist gefallen, aber Ruhe will nicht einkehren bei der deutschen Handball-Nationalmannschaft. Am Montag hatte der Deutsche Handballbund (DHB) überraschend am umstrittenen Bundestrainer Christian Prokop festgehalten. Nun geht die Sorge um, dass sich wichtige Spieler aus der deutschen Auswahl zurücktreten. „Wenn jetzt drei, vier, fünf Spieler sagen würden, dass sie nicht mehr mitmachen, hätten wir eine andere Situation“, sagte Frank Bohmann, der Geschäftsführer des Liga-Verbandes HBL.

          Die Gefahr scheint nicht gebannt, denn das Vertrauen zwischen Profis und Trainer dürfte trotz vieler Gespräche längst nicht wiederhergestellt sein. Kapitän Steffen Weinhold sagte den „Kieler Nachrichten“: „Wenn drei, vier, fünf Spieler wegbrechen, fehlt es uns an Qualität. Es ist wichtig, dass jetzt alle einen Schritt aufeinander zugehen.“ Und der frühere „Welthandballer“ Daniel Stephan, stets gut informiert, sprach in Anbetracht der gestörten Kommunikation zwischen Team und Trainer gar von einer „eklatanten Fehlentscheidung“, an Prokop festzuhalten.

          „Kräfte für erfolgreiche Heim-WM bündeln“

          Die Hauptschuld gab Stephan in seiner Kolumne bei „Sport1“ dem DHB-Vizepräsidenten für Leistungssport, Bob Hanning: „Letztlich hat sich die Macht von Bob Hanning gegen die Fakten durchgesetzt.“ Hanning hatte sein weiteres Wirken beim DHB an den Verbleib Prokops geknüpft. Prokop war durch das schwache Abschneiden der Deutschen bei der EM im Januar in Kroatien in die Kritik geraten. In einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag sagte er: „Ich werde keinen zwingen, einen gemeinsamen Weg mit mir zu gehen. Ich glaube aber, dass wir alle zusammen schnell aus gemachten Erfahrungen lernen werden und ein gemeinsames Ziel, nämlich erfolgreichen Handball spielen, verfolgen.“ Man müsse jetzt „aufeinander zugehen und die Kräfte für eine erfolgreiche Heim-Weltmeisterschaft gemeinsam bündeln.

          Die Lage bleibt elf Monate vor der WM in Deutschland und Dänemark auch deshalb verfahren, weil der Druck auf Prokop enorm zunimmt und seine Rückendeckung gering ist – die Mehrheit der Bundesliga-Vertreter soll gegen ihn gewesen sein, und bei der Präsidiumsabstimmung am Montag nach vorheriger EM-Analyse fiel das Votum nur knapp für Prokop aus. Der 39 Jahre alte Bundestrainer ist somit bei der WM zum Siegen verdammt – alles schaut auf ihn. Immerhin riefen die Manager der Nordklubs aus Flensburg und Kiel, Dierk Schmäschke und Thorsten Storm, zu Mäßigung und Geschlossenheit auf. Ob es so kommt, wird bei den Testspielen gegen Serbien Anfang April zu sehen sein.

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