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DEB gegen Klubs : Die Eis-Rebellen machen mobil

Aufsteiger: Doch in welcher Liga spielt Oberliga-Meister Bad Nauheim? Bild: dpa

Einige Zweitligaklubs wollen sich vom Deutschen Eishockey-Bund abspalten. Grund dafür ist die Organisation der Spielklasse unterhalb der DEL. Die Sportart steht vor einer Zerreißprobe.

          3 Min.

          Die Zeit läuft. An diesem Freitag um Mitternacht endet ein Ultimatum, mit dem der Deutsche Eishockey-Bund (DEB) eine Schar Abtrünniger in den eigenen Reihen zur Räson bringen will. Doch die Fristsetzung hat bislang vor allem eines erreicht: Die Vereine, die gewillt sind, dem DEB den Rücken zu kehren und mit strategischer Hilfe der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in diesem Sommer eine neue Zweite Bundesliga aus der Taufe zu heben, gehen mit zusätzlicher Kampfeslust in die Machtprobe. Ein kurzfristiges Umdenken, so sieht es unmittelbar vor Ultimo aus, können die Mahnungen von DEB-Präsident Uwe Harnos wohl nicht bewirken. Eher das Gegenteil scheint der Fall: Das deutsche Profi-Eishockey steht vor einer Zerreißprobe.

          Hauptgrund der vielschichtigen, auch von persönlichen Animositäten geprägten Auseinandersetzung ist die Organisation der höchsten Spielklasse unterhalb der DEL, die sich schon 1994 vom Verband losgesagt hatte. Von diesem Herbst an will der DEB das zweitklassige Geschehen nicht mehr von einem Geschäftspartner - zuletzt war das die Eishockeyspielbetriebsgesellschaft - gestalten lassen, sondern in Eigenregie organisieren. Das aber passt einigen betroffenen Vereinen nicht, weil sie sich von der Führung des DEB in der Vergangenheit stiefmütterlich behandelt fühlten.

          „Wir treten seit Jahren auf der Stelle“

          So musste unter anderem der Oberliga-Meister EC Bad Nauheim im Mai sein Aufstiegsrecht erst vor Gericht durchsetzen; der Landesverband Nordrhein-Westfalen hatte gegen ein Aufrücken der Hessen, die sich in den Play-offs gegen die Kassel Huskies regelkonform durchgesetzt hatten, unter Hinweis auf angeblich fehlende Verträge Einspruch erhoben.„Wir treten seit Jahren auf der Stelle“, moniert René Rudorisch, der Geschäftsführer bei den Eispiraten Crimmitschau: „Notwendige Änderungen scheitern an komplizierten und nicht zeitgemäßen Strukturen des DEB.“

          Der Sachse klagt im Gespräch mit „Eishockey News“, dass „man sich als Profiklub vom eigenen Verband mit Füßen getreten“ fühle. Er gehört zu den Befürworten der Abspaltung, die von acht weiteren Vereinen - darunter die Traditionsadressen Landshut, Rosenheim und Lausitzer Füchse - unterstützt wird. Sie gründeten eine neue Gesellschaft, die in Anlehnung an die Elite-Klasse DEL II benannt wurde und maximal 14 Mannschaften umfassen soll.

          Im Auftrag des DEL-Aufsichtsrats entwarf Detlef Kornett dazu ein Konzept. Der „Sportmanager des Jahres 2009“ war früher Europa-Chef der amerikanischen Anschutz Entertainment Group, der unter anderem die Los Angeles Kings, die Eisbären Berlin und die Hamburg Freezers gehören. In seinem Exposée heißt es, dass sich die DEL eine „von unternehmerischen Entscheidungen gelenkte zweite Liga“ wünsche.

          Er plädiert für eine „zentrale Vermarktung der TV-Rechte“ und eine „übergreifende Medienstrategie“. Außerdem sollten in erster wie zweiter Klasse Kadergrößen und Ausländerlizenzen einheitlich reduziert werden, um einheimischen Talenten bessere Entwicklungschancen einzuräumen. Ziel sei es, „für Zuschauer, Medien und Sponsoren attraktiver“ zu werden und so die Rolle als Nummer zwei hinter König Fußball auszubauen.

          „Dann haben sie eine wilde Liga“

          Bei einem Krisengipfel in Frankfurt teilte Harnos mit, dass er weite Teile der Vorschläge „zu hundert Prozent teile“, den Abwanderungsabsichten erteile der DEB jedoch eine klare Absage. Er wies zudem darauf hin, dass die Klubs der Widersacher dem Verband rund 200.000 Euro an Pflichtbeiträgen schuldeten und deswegen Trainingslehrgänge des Frauen- und der Junioren-Nationalteams gestrichen werden mussten.

          Er betonte, dass der DEB die Vereine, wenn sie nicht ihre Meinungen revidieren, sportpolitisch in eine Sackgasse manövrieren werde, da ihnen die rechtliche Anbindung an die deutsche Dachorganisation und damit an den Internationalen Eishockey-Verband fehle: „Dann haben sie eine wilde Liga und können sich zum Eishockeyspielen in der DEL II treffen, mehr nicht.“

          Drohungen mit Gelassenheit begegnen

          Harnos kündigte für den Fall der Fälle „massive Einschränkungen“ an, die sich zuallererst bei Spielertransfers oder durch den Rückzug von Schiedsrichtern bemerkbar machten. Gleichzeitig unterbreitete der Jurist aus Kaufbeuren, dessen Amtszeit bis Sommer 2014 läuft, den Eis-Rebellen aber auch das Angebot, künftig am Sitz des DEB in München einen Verbandsposten zu schaffen, der sich ausschließlich den Belangen der Zweitligavereine widmen könne. Auch sollten die Klubs die Möglichkeit erhalten, bis zu den regulären Vorstandswahlen im kommenden Jahr einen kommissarischen Vizepräsidenten zu ernennen.

          Mit dieser Zuckerbrot-und-Peitsche-Diplomatie kam er jedoch nicht entscheidend weiter. „Ein Zurück für die Zweitligisten zum DEB, das kann nur mit roher Gewalt geschehen“, legt sich Ernst Rupp fest. Den Drohungen von Harnos begegnet der Manager der Heilbronner Falken, der einer der treibenden Kräfte hinter der Idee einer DEL II ist, ansonsten mit Gelassenheit.

          Er sei sicher, dass es zu einem aus seiner Sicht erfreulichen Arrangement komme. Denn die Gegenseite habe keine andere Wahl: „Wir sind in der Mehrheit und zahlen weiterhin alle Abgaben. Dieses Geld braucht der DEB.“ Außerdem habe der Verband mit ähnlichen „Erpressungsversuchen“ schon vor zwei Jahrzehnten die Entstehung der DEL zu verhindern versucht. Vergeblich, wie „heute jeder weiß“, so Rupp: „Am Ende hat der DEB auch damals eingelenkt.“

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