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DDR-Rekorde : „Das Zwangsdoping muß öffentlich deklariert werden“

Mehr als ein Weltrekord: Marita Koch 1985 Bild: picture-alliance / dpa

Heute vor zwanzig Jahren rannte Marita Koch im DDR-Trikot 400 Meter in 47,60 Sekunden. Eine unglaubliche Zeit, an der sich ihre Nachfolgerinnen vergeblich abarbeiten. Ihre damalige Mitstreiterin Ines Geipel will nun die Rekorde aus dieser Zeit tilgen.

          Es ist auf den Tag genau zwanzig Jahre her, da sorgte eine 28 Jahre alte Leichtathletin namens Marita Koch im DDR-Trikot in Australien für Aufsehen. Am 6. Oktober 1985 rannte die Frau aus Wismar beim Weltcupfinale in Canberra 400 Meter in 47,60 Sekunden. Mehr als ein Weltrekord - eine geradezu unglaubliche Zeit, an der sich ihre Nachfolgerinnen seitdem vergeblich abarbeiten.

          Daß es eine unglaubhafte Zeit gewesen sein könnte, bei der mehr als harte Arbeit im Spiel war, das weist die Olympiasiegerin von 1980, die 1983 bei der WM in Helsinki zudem dreimal Gold gewann, zurück. Selbst wenn es an belastendem Material nicht mangelt. Zu finden im Buch "Doping-Dokumente", das die ehemalige Leichtathletin Brigitte Berendonk in Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem Heidelberger Professor Werner Franke, 1991 herausgebracht hat. Dort ist Marita Kochs jeweilige Jahresdosis des anabolen Steroids Oral-Turinabol aufgelistet. "In Helsinki mußte ich dreimal zur Dopingprobe und war immer clean. Das gilt für meine Karriere überhaupt, denn ich war - erst recht als Medizinstudentin - eine sehr mündige Athletin", sagt Marita Koch dazu.

          Ines Geipel will ihren Rekord tilgen

          Die Mündigkeit ging offenbar so weit, daß sie sich - laut erster Auflage (Seite 86) der "Doping-Dokumente" - in einem Brief an den VEB Jenapharm darüber beschwerte, ihre Jenaer Sprintkollegin Bärbel Wöckel-Eckert bekäme zusätzlich noch besondere oder stärkere Anabolika, weil ein Verwandter bei Jenapharm angestellt sei. Marita Koch gibt sich dennoch stolz auf ihre Leistung - nicht nur die, die sie am 6. Oktober 1985 abgeliefert hat. Ihr Name steht unerreichbar an Position eins der "ewigen" Weltbestenliste und natürlich in der Rubrik "Deutsche Rekorde" des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

          Ines Geipel stellt den DLV vor Probleme

          Der hat damit 15 Jahre nach der Einheit eigentlich kein Problem mehr. Es ist ein Schreiben mit Wurzeln in der DDR-Vergangenheit, das den DLV derzeit in Verlegenheit bringt. Ein sehr bemerkenswerter Brief, weil bislang ohne Beispiel. Die frühere Dresdner Sprinterin und Weitspringerin Ines Geipel hat schon Ende Juli schriftlich den Antrag gestellt, ihren Namen - damals hieß sie noch Schmidt - doch bitte aus der Rekordliste des DLV zu löschen.

          DLV: „Wir stecken in einem Dilemma“

          In der Disziplin "4 x 100 Meter" steht er in einer Reihe mit Wöckel (siehe oben), Auerswald und Göhr. Das Quartett hatte am 2. Juli 1984 für den SC Motor Jena in 42,20 Sekunden einen noch heute gültigen deutschen Rekord aufgestellt. Frau Geipel hat sich in ihrer Begründung mit dem Hinweis begnügt, die Dopinggeschichte der DDR sei hinlänglich bekannt, weshalb sie sich eine umfängliche Begründung erspare. "Ich habe Hochachtung vor ihrer Haltung", sagt DLV-Präsident Clemens Prokop zum Antrag jener Frau, die damals nach den üblichen Dopingerfahrungen genug vom Leistungssport hatte, 1989 aus der DDR floh und später in den Dopingprozessen gegen die DDR-Sportführung zur Sprecherin der Opfer wurde. Aber wirklich helfen kann er der Frau offenbar nicht. Sie wartet immer noch auf eine befriedigende Antwort.

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