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Tennis in Deutschland : Warum es Boris Becker wieder besser geht

  • -Aktualisiert am

Becker als Mannschaftsmitglied, das ist eine Situation, in der er sich wohlfühlt. Ob er sich wieder jung wie in Spielerzeiten fühle, wurde er gefragt. Seine Antwort: „Ich fühle mich weder jung noch alt, das ist einfach in meiner DNA.“ Seine Rolle als Teamplayer ist jetzt die des Beraters: „Wenn sie mich nachts um vier aufwecken und ich soll ihnen Tennis erklären, dann würde ich das sofort vier Stunden lang tun. Das wissen die Spieler, das wissen die Trainer. Das passt.“

Kompetenzstreitigkeiten? Gibt es nicht, sagen alle Beteiligten. Teamchef Kohlmann sieht Becker als Ergänzung und Bereicherung und nicht als jemand, der seinen Einfluss beschneidet. Und wenn er doch etwas anderes im deutschen Tennis-Helden sähe, dann lässt er sich das nicht im mindesten anmerken. Auch Becker hat nicht allein das Sagen. Schon gar nicht beim deutschen Spitzenspieler Alexander Zverev. Der wird nämlich im Davis Cup – wie sonst auch immer – von seinem Vater Alexander senior betreut. Etwas, was Beckers Ego überhaupt nicht stört. „Wir würden einen Fehler begehen, wenn wir Saschas Vater nicht dabeihaben wollten. Das wäre auch bei den Trainern anderer Spieler so“, sagt Becker.

Sein Kontakt zu Zverev senior ist besonders gut und intensiv. „Ich kenne die Familie Zverev seit 16 Jahren, da war Alexander vier Jahre alt und Mischa 14. Ich habe großen Respekt vor dem Fachwissen von Vater Zverev. Er hat zwei Söhne zur absoluten Weltklasse trainiert, das muss ihm erst einer nachmachen. Ich wäre töricht, würde ich ihn nicht fragen, wohin der Weg mit Alexander gehen soll.“ Becker sagt diese Sätze mit großer Ruhe und Gelassenheit. Verantwortung zu teilen ist ihm nicht zuwider. Er scheint es fast zu genießen. Als er gefragt wird, ob er nicht wie früher bei Novak Djokovic, sich irgendwann nur um einen einzigen Spieler kümmern wolle, schüttelt Becker den Kopf. „Nein, ich fühle mich in meiner derzeitigen Rolle hervorragend aufgehoben, ich hoffe, das geht noch einige Jahre so. Das ist gerade eine perfekte Situation.“

Zu dieser perfekten Situation zählt auch seine Tätigkeit als Fernsehkommentator für Eurosport. Auch in dieser Funktion könne er Werbung für das deutsche Tennis betreiben. Und als Botschafter dieses Sports und dieses Verbands sieht er sich nun einmal. Dass sein Fernseh-Schaffen mit einem Preis ausgezeichnet worden ist, sei wichtig: „Für mich und für den Sender. Denn er bestätigt, dass wir seit einem Jahr einen guten Job machen. Und auch da geht es um das deutsche Tennis.“

Und auch in eigener Sache geht es bergauf. Sein Werbespot für eine Hotelkette hat ihm nicht nur Geld eingebracht, sondern neue Sympathien, wie damals, vor vielen Jahren, als er frech ein Messer mit einem Schokoladenaufstrich ableckte. Diesmal sitzt er in einem Hotelzimmer auf seinem Bett und verkündet, er werde sich nun offiziell zur Frage äußern: Wo hat Boris Becker sein ganzes Geld gelassen? Becker fläzt sich feixend und in bunten Socken auf dem Hotelbett und gibt mit spitzbübischem Grinsen die Antwort: „Hier jedenfalls nicht.“

Ob er nach all den Rückschlägen zu so viel Selbstironie überredet werden musste? „Wenn Sie mich länger kennen würden, wüssten Sie, Humor ist ein wichtiger Bestandteil meines Lebens. Ich lache über mich und über Sie.“ Boris Becker geht es offenbar wieder besser.

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