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Davis Cup in Moskau : Schlimme Erinnerung als ideale Vorbereitung

Die Vorfreude steht Thomas Haas ins Gesicht geschrieben Bild: AP

Von diesem Freitag an gastieren die deutschen Tennisprofis zum Davis-Cup-Halbfinale in Moskau. Dort müssen sie mit einigen tückischen Widrigkeiten fertig werden. Dabei werden Erinnerungen an das bislang größte Drama der deutschen Davis-Cup-Geschichte wach.

          Das Schlimmste befürchten und damit rechnen, negativ überrascht zu werden: Es soll niemand behaupten, die deutschen Tennisspieler seien nicht gut vorbereitet gewesen auf das, was sie vor dem Halbfinale im Davispokal in Moskau erwarten würde. Okay, den Baulärm in der Halle mussten sie nicht unbedingt erwarten, aber dort wurde ja bis zum Wochenende auch noch der Volleyball-Europameister gesucht und gefunden, und nun werden die Tribünen abgebaut.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          In einem Teil der riesigen Olympia-Halle ist auch ein Sandplatz für die Tennisspieler aufgeschüttet worden, dessen Qualität im Fall des Falles den Hobbyspieler veranlassen würde, einen ernsthaften Streit mit dem Platzwart seines Klubs zu beginnen. Dies aber ist nicht der Start in die Medensaison, dies ist der Davis Cup, der fast alles erlaubt und vieles möglich macht. Auf die Schnelle hat sich so aber herausgestellt, dass Patrik Kühnen, der Kapitän der deutschen Mannschaft, jederzeit in den diplomatischen Dienst wechseln könnte, falls es mit dem Tennis mal schieflaufen sollte. „Der Platz ist dabei, besser zu werden“, sagt er.

          Der Bauerntrick mit Bewässerung funktioniert nicht

          Nur nicht aufregen also, und obendrein ist es für die deutschen Tennisprofis genauso wie im richtigen Leben: Es gibt in jeder Situation immer einen, der eine noch viel schlimmere Geschichte kennt. Diese hier ist allerdings sogar aktenkundig, denn als das deutsche Davispokalteam sich das letzte Mal anschickte, schon vom großen Finale zu träumen, war alles tatsächlich noch viel heftiger gekommen.

          Als Boris Becker und Michael Stich 1995 die Halle am ersten Spieltag betraten, war die Überraschung ungleich größer: Der Platz war so heftig über Nacht gewässert worden, dass er sich selbst unter den fast alles erlaubenden Davis-Cup-Bedingungen unbespielbar präsentierte. Mit Haarfönen versuchten die Russen damals, die Feuchtigkeit zu vertreiben, und nach dem mit reichlich Verspätung begonnenen ersten Spieltag schien dieser Bauerntrick der Bewässerung auch noch vergeblich: Becker und Stich, nachweislich Anhänger schneller Bodenbeläge, führten trotzdem 2:0.

          Größtes Drama der deutschen Davispokalgeschichte

          Was dann kam, hat jeder deutsche Tennisfan noch in unschöner Erinnerung: Das Doppel ging in fünf Sätzen verloren, danach konnte Becker zu seinem zweiten Einzel am Sonntag nicht mehr antreten, womit das tiefe Geläuf einen Zweck schon mal erfüllt hatte. Für Becker spielte Bernd Karbacher, und die Russen glichen zum 2:2 aus. Dann kam Stich - und das bislang größte Drama der deutschen Davispokalgeschichte: Er vergab neun Matchbälle gegen Andrej Tschesnokow, und dahin war der Traum vom großen Finale gegen die Vereinigten Staaten.

          Die Amerikaner spielten damals mit Pete Sampras, Andre Agassi und Jim Courier, und weil das größte Davispokalfinale der Geschichte in Deutschland stattgefunden hätte, entging dem Deutschen Tennis-Bund (DTB) eine gigantische Einnahme - und auch die Möglichkeit, sie ähnlich zu verschleudern wie den Gewinn aus den fetten Jahren zuvor.

          „Weltranglisten haben im Davis Cup keine Bedeutung“

          Anders als vor zwölf Jahren sind die beiden Einzelspieler Thomas Haas und Philipp Kohlschreiber sowie das Doppel mit Alexander Waske und Davispokal-Debütant Philipp Petzschner diesmal allerdings Außenseiter. Die Russen sind seit 1997 zu Hause ungeschlagen, und sie haben auf dem Papier die wesentlich höher eingeschätzte Mannschaft mit dem Weltranglistenvierten Nicolai Dawidenko an der Spitze.

          Aber nicht nur Fußball-Pokalspiele haben eben eigene Gesetze, und niemand kann das besser formulieren als der russische Kapitän Schamil Tarpischtschew: „Weltranglisten haben im Davis Cup die Bedeutung von Holzschlägern im Tennis des 21. Jahrhunderts.“ Also keine - und zur Not wird sich schon ein Wasserschlauch auftreiben lassen.

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