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Davis-Cup-Halbfinale : Dicke Luft in der Stierkampfarena

Fühlt sich vom Verbandspräsidenten angelogen: Rafael Nadal Bild: AP

Auf Sand sind die spanischen Tennisspieler immer Favorit, wenn es gegen die Vereinigten Staaten geht. Weil sie ihr Halbfinale im Davis Cup derzeit aber nicht wie gewünscht am Meer, sondern in einer Stierkampfarena spielen, rumort es gewaltig.

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          Die Bühne ist beeindruckend. Die Stierkampfarena „Las Ventas del Espíritu Santo“ ist nicht nur die größte ihrer Art in Spanien, sondern sie gilt auch als eine der schönsten. 22.000 Zuschauer fasst die Arena in Madrid, aber nicht nur ihre Größe erscheint passend zu dem Daviscup-Klassiker zwischen den Tennisteams aus Spanien und den Vereinigten Staaten, sondern auch ihr eigentlicher Zweck als Tummelplatz der Toreros. „Dieses perfekte Szenario huldigt unseren Spielern“, behauptet der spanische Daviscup-Kapitän Emilio Sanchez, „denn sie sind Kämpfer.“

          Thomas Klemm

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Allerdings kämpfen Rafael Nadal, David Ferrer und Co. nicht nur im Halbfinale der Weltgruppe gegen den Titelverteidiger aus Amerika, sondern auch gegen den eigenen Verbandspräsidenten. Hinter den Kulissen der imposanten Architektur, in den schattigen Säulengängen von Las Ventas, rumort es gewaltig. Nadal und seine Kollegen spielen an diesem Wochenende gewissermaßen nur unter Protest, weil sie dem Verbandschef Pedro Muñoz des Wortbruchs bezichtigen.

          Der Ursprung des Konflikts liegt in Bremen

          „Wir treten nur in Madrid an, weil Muñoz versprochen hat, nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren“, sagte der Weltranglistenerste Nadal, bevor er am Freitag sein Eröffnungseinzel gegen den Amerikaner Sam Querrey 6:7 (5:7), 6:4, 6:3 und 6:4 nach einer Spielzeit von 3:17 Stunden gewann und sein Team 1:0 in Führung brachte. Anschließend baute David Ferrer den Vorsprung auf 2:0 aus. Der Spanier besiegte den amerikanischen Top-Spieler Andy Roddick mit 7:6 (7:5), 2:6, 1:6, 6:4, 8:6. Am Samstag folgt das - vielleicht schon entscheidende - Doppel.

          „Wir treten nur in Madrid an, weil Munoz versprochen hat, nicht für eine weitere Amtszeit zu kandidieren”, sagt Nadal

          Die Ursprünge des inneriberischen Konflikts liegen in Deutschland, genauer gesagt, in Bremen. Dort hatte das spanische Team im April die deutsche Mannschaft im Viertelfinale 4:1 besiegt (siehe: Niederlage im Doppel: Aus im Davis-Cup-Viertelfinale), und im anschließenden Überschwang hatte Muñoz den Spielern versprochen, sie könnten über den Austragungsort des anstehenden Heimspiels selbst entscheiden.

          „Der Präsident hat uns von Anfang an belogen“

          Die Profis sprachen sich einhellig für einen Sandplatz am Mittelmeer aus, vor allem deshalb, weil in der dortigen dichteren Luft die gefürchteten Aufschläge von Andy Roddick spürbar an Wirkung verlieren. Doch nur vier Wochen später setzte sich Muñoz über den Willen der Spieler hinweg und bestimmte von oben herab, dass die Begegnung in Madrid ausgetragen werden solle – insbesondere wegen der finanziellen Einnahmen, die in der Groß-Arena höher ausfallen dürften als andernorts in einem kleineren Stadion.

          Seither gilt Muñoz den Tennisprofis als „Diktator“. Und vor allem Rafael Nadal als bester Sandplatzspieler der Welt gibt keine Ruhe, weil er seinen Vorteil auf dem 650 Meter über dem Meeresspiegel gelegenen Madrid ein klein wenig geringer einschätzt. Dass die Luft in der Hauptstadt dünner ist, sorgt für dicke Luft im spanischen Lager. Bei der Auslosung der Einzelpartien und dem spanischen Mannschaftsabend ignorierten die Spieler ihren Verbandsboss mit aller Macht. Er könne eben nicht akzeptieren, sagte Nadal, „dass uns der Präsident von Anfang an belogen hat“.

          Roddick findet die Arena „verdammt cool“

          Ein richtiges Spitzenspiel am falschen Ort – diese Haltung ihrer spanischen Widerstreiter können die amerikanischen Tennisprofis nicht teilen. Sie sind aus New York, wo sie kürzlich bei den US Open allesamt im größten Tennisstadion der Welt aufschlugen, zwar gigantische Ausmaße und eine hitzige Atmosphäre gewohnt. Aber in der Madrider Stierkampfarena verspüren selbst die Amerikaner einen ganz besonderen Kick.

          „Verdammt cool“ findet Andy Roddick den Sandplatz inmitten des Prachtbaus. Und während Nadal wohler wäre, wenn das Daviscup-Halbfinale auf Normalnull ausgetragen würde, ist man beim Titelverteidiger zufrieden mit der Wahl des höher gelegenen Austragungsortes. „Das ist unser Vorteil, den müssen wir nutzen“, hatte der amerikanische Daviscup-Kapitän Patrick McEnroe vor dem ersten Aufschlag gesagt.

          Nadal bringt die Spanier in Führung

          Im Auftakteinzel gelang es Sam Querrey, in der Weltrangliste auf Platz 39 geführt, überraschend gut, sich gegen den Branchenführer Nadal schnell einen kleinen Vorteil zu verschaffen. Gegen den 22 Jahre alten Mallorquiner, dessen Aufstieg zum Weltstar mit dem Daviscup-Finaltriumph im Olympiastadion von Sevilla gegen die Vereinigten Staaten 2004 begann, sicherte er sich den ersten Satz im Tiebreak, lag im zweiten Durchgang schon mit einem Break vorne.

          Doch danach dominierte Nadal, der von seinen letzten 125 Sandplatzmatches nur drei verlor, die Partie und brachte die favorisierten Iberer in Führung. Anschließend trafen der Weltranglistensechste Ferrer und der ein Rang dahinter eingestufte Roddick aufeinander - mit dem besseren Ende für den Spanier.

          Seit 13 Heimspielen ungeschlagen

          Die Gastgeber dürften weiterhin davon profitieren, dass die Amerikaner ersatzgeschwächt antreten. Querrey feierte am Freitag sein Daviscup-Debüt, weil James Blake „körperlich und mental“ zu erschöpft sei nach dem langen Tennissommer. Außerdem können die berühmten Bryan-Brüder erstmals seit fünf Jahren nicht gemeinsam zum Doppel auflaufen, weil Bob an einer Schulterverletzung leidet. An diesem Samstag wird Mike Bryan stattdessen mit Mardy Fish versuchen, Feliciano Lopez/Fernando Verdasco Paroli zu bieten.

          Sollte das spanische Team, das vor neun Jahren seine letzte Heimniederlage hatte hinnehmen müssen (2:3 gegen Brasilien), auch das 14. Heimspiel in Folge gewinnen, dann steht nicht nur ein Endspiel gegen Argentinien oder Russland bevor. Auch die Art der Jubelfeier dürfte der Umgebung angepasst werden. Nach Stierkämpfen in „Las Ventas“ werden die Toreros gewöhnlich auf Schultern durch das Tor der Plaza getragen. Der Verbandspräsident jedoch kann den Spielern den Buckel runterrutschen.

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