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Davis Cup-Finale : Dopinggerüchte - aber der Tennisverband schweigt

  • -Aktualisiert am

Verdächtigt: der slowakische Davis Cup-Spieler Karol Beck Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Im Davis Cup-Finale stehen sich die Slowakei und Kroatien gegenüber. Dopinggerüchte um den Slowaken Karol Beck bestimmen die Vorbereitung auf das Duell. Doch der Tennisverband schweigt zu der ganzen Sache - nicht zum erstenmal.

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          Da war er wieder, dieser häßliche Begleiter des Sports, den er nie abschütteln kann. Ob er denn mit Karol Beck als zweitem Einzelspieler der slowakischen Mannschaft rechne, wurde Niki Pilic, der Davis-Cup-Kapitän der kroatischen Mannschaft, vor diesem Finale wie beiläufig gefragt. „Vermutlich wird er nicht spielen“, sagte Pilic, „denn da gibt es ja diese Dopinggerüchte.“ Rums, damit war wieder raus, womit sie sich im Tennis doch so schwertun, weil sie diese Probleme am liebsten aussitzen.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Weder die Spielervereinigung ATP noch die Internationale Tennis-Föderation (ITF) schreiten schließlich offensiv in ihrer Anti-Doping-Politik voran, und Gerüchten treten sie schon mal aus Prinzip nie entschieden entgegen. Die Branche also erzählt sich, daß Beck positiv getestet sein soll - an diesem Freitag eröffnet er derweil das Davis-Cup-Finale zwischen der Slowakei und Kroatien mit seiner Partie gegen den kroatischen Spitzenspieler Ivan Ljubicic.

          „Ich kenne diese Quelle nicht“

          Spiele im Daviscup gewinnt man zwar letztlich nur auf dem Platz, aber bis es soweit ist, gehört psychologische Kriegsführung dazu. Woher also kommt dieses Gerücht? „Ich kenne diese Quelle nicht“, behauptet Miroslav Mecir, der Kapitän der Slowaken, und er setzt dabei ein Gesicht auf, mit dem er auch in jeder Pokerrunde in Las Vegas spielend leicht bestehen könnte.

          Wenn Mecir etwas weiß, dann würde er es jetzt, vor dem bedeutendsten Davis-Cup-Spiel in der jungen Geschichte beider Länder, wohl kaum sagen. Kroatien wurde 1991 unabhängig, die Slowakei 1993 - für beide wäre es der erste große internationale Mannschaftstitel. „Es ist natürlich unangenehm, solche Fragen ausgerechnet vor einem Finale zu beantworten, es bringt Unruhe rein, aber es wird unseren Mannschaftsgeist nicht zerstören“, sagt Mecir.

          Eine wunderbare Verschwörungstheorie

          Fest steht, daß Beck wegen Knieproblemen Ende Oktober in der zweiten Runde des ATP-Turniers in St. Petersburg aufgegeben hat und seitdem pausierte. Von diesem Zeitpunkt an wird die Geschichte merkwürdig, denn wie immer, wenn es um Dopinggerüchte geht, sind schnell verschiedene Versionen auf dem Markt. Die eine besagt, daß es aus dem Krankenhaus, in dem Beck danach behandelt wurde, einige Hinweise gab, denen ein slowakischer Journalist der Agentur Prawda allein schon deshalb nachgehen mußte, weil sein Chef Tscheche sei.

          Eine wunderbare Verschwörungstheorie - aber warum sollte ein Krankenhaus bei einer Behandlung einen Dopingtest durchführen? Flugs also ist die zweite Variante längst auf dem Markt: Demnach war Beck positiv beim Davis-Cup-Halbfinale gegen Argentinien, bei dem er zwei Punkte mit seinem Einzelsieg gegen Guillermo Coria und seinem Doppelerfolg an der Seite von Michal Mertinak gegen David Nalbandian und Mariano Puerta beisteuerte.

          Nichts dementiert, nichts kommentiert

          Wer nun beim Namen eines Argentiniers aufhorchte, hat richtig gelegen. Dopinggerüchte werden im Tennis nicht etwa schnellstens aus der Welt geschafft oder in Fakten verwandelt. Im September hatte die französische Sportzeitung „L'Equipe“ - die, wie jeder seit der Dopingaffäre Lance Armstrong weiß, über hervorragende Kontakte zum Pariser Labor verfügt - eine Meldung veröffentlicht, daß es bei den French Open im Mai einen Dopingfall gegeben habe.

          Kurz danach wurde der Fall mit einem Namen versehen: Es soll sich um Mariano Puerta handeln, der erst ein Jahr zuvor nach einer Dopingsperre auf die Tour zurückgekehrt war und sich in Paris bis ins mitreißende Finale gegen den Spanier Rafael Nadal gespielt hatte. Seitdem aber ist nichts passiert: Puerta, der seine Unschuld beteuerte, hat das Jahr zu Ende gespielt, trat als Ersatzmann für den verletzten Nadal sogar beim Masters-Cup der acht besten Spieler des Jahres an. Zu einem Dopingfall bei den French Open schweigt sich die ATP aus, sie hat nichts dementiert, sie hat nichts kommentiert.

          Rasante Verbreitungsgeschwindigkeit

          Was Pilic und die Kroaten gehört hatten, wird aber auch bei der für den Davispokal zuständigen ITF angekommen sein. Dopinggerüchte haben schließlich eine rasante Verbreitungsgeschwindigkeit. Es wäre ein leichtes gewesen, vor diesem Finale die richtigen Antworten zu finden und Beck jede Belastung zu nehmen, wenn es denn keinen positiven Test gegeben hat. Gab es ihn aber doch und gab es ihn beim Halbfinale, dann hätte es schnellstens Handlungsbedarf gegeben.

          Denn dann dürfte dieses Finale gar nicht in Bratislava stattfinden, dann hätten sich die Kroaten auf ein Heimspiel gegen Argentinien freuen können, was sie nicht nur aus sportlicher Sicht vermutlich ganz interessant gefunden hätten. Bevor der erste Ball in diesem Finale geschlagen ist, bleibt also nicht nur offen, wer als erste ungesetzte Nation diesen Davis Cup gewinnt. Auch eine Antwort auf die Frage, warum die ITF schweigt, wäre ganz aufschlußreich.

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