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Davis-Cup-Finale : Federers Kampf gegen die Zeit

Wird er fit? Roger Federer bangt um den Einsatz im Davis-Cup-Finale Bild: AFP

Roger Federer musste vor dem ATP-Finale aufgeben. Die Schweiz bangt nun um seinen Einsatz im Davis-Cup-Endspiel. Ohne den Topspieler ist die Aufgabe nahezu unlösbar. Erstaunlich ist eine Statistik über Federers Verletzungshistorie.

          Was die französischen Tennisspieler da am vergangenen Samstag in ihrem Trainingslager in Bordeaux im Fernsehen gesehen haben, wird ihnen die Schwere der kommenden Aufgabe an diesem Wochenende in Lille vor Augen geführt haben. Jo-Wilfried Tsonga (Weltranglistenplatz 12), Gilles Simon (19), Gael Monfils (21) und Richard Gasquet (23) treffen von Freitag an im Davis-Cup-Finale auf das im Grunde nur aus zwei Spielern bestehende Team der Schweiz.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Dieses Duo aber hat es in sich, wie der Weltranglistenzweite Roger Federer und der nur zwei Ränge schlechter plazierte Stan Wawrinka an jenem Tag im Halbfinale des ATP-Tourfinales der acht weltbesten Spieler eindrucksvoll bewiesen hatten. Erst nach Abwehr von vier Matchbällen hatte sich Federer im besten Spiel des gesamten Turniers durchsetzen können.

          Da schien also wie erwartet ganz schön was auf die Franzosen zuzukommen - und nun könnte doch alles ganz anders werden: Am Sonntag hatte Federer wegen zu großer Rückenschmerzen das Endspiel in London gegen Novak Djokovic absagen müssen. Der dominierende Serbe wurde am Ende einer enttäuschenden Turnierwoche mit fast ausschließlich einseitigen Partien auch noch ohne Spiel Weltmeister - und nun droht der letzte und mit Spannung erwartete Höhepunkt des Tennisjahres auch zum Rohrkrepierer zu werden: Federers Einsatz ist stark gefährdet.

          Sollte der erfolgreichste Spieler, den dieser Sport bislang gesehen hat, tatsächlich ausfallen, bliebe von der Spannung nichts mehr übrig. Die Schweizer Ersatzspieler Marco Chiudinelli und Michael Lammer werden in der Weltrangliste auf den Positionen 212 und 508 geführt und stellen keine Bedrohung für die Franzosen dar, die schon im Normalfall mit einem besonderen Vorteil ausgestattet sind.

          Stanislas Wawrinka versucht sich derweil alleine im Fußballtennis

          Da die Heimmannschaft den Bodenbelag wählen darf, entschied sich das französische Team für eine Partie auf Sand im eigens umgebauten Fußballstadion von Lille und bereitet sich seit einer Woche darauf vor. Schwierig für die Schweiz, da Federer und Wawrinka bis zum vorletzten Tag der Hallensaison noch mit einem anderen Untergrund beschäftigt waren - nahezu unlösbar aber, sollte Federer passen müssen.

          Erst in den letzten Ballwechseln des Tiebreaks gegen Wawrinka habe er einen stechenden Schmerz verspürt, sagte Federer. Nach dem Abkühlen aber wurden die Beschwerden so groß, dass an ein Finale gegen Djokovic nicht zu denken war. „Mir tut das für alle, aber vor allem für Stan leid. Nach vier vergebenen Matchbällen scheidet er gegen mich aus, und dann kann ich das Finale nicht spielen. Das ist für alle eine blöde Situation.“

          Gespielt wird in Lille im Stadion des Fußballklubs OSC

          Federer reiste wie das übrige Schweizer Team am Montag in Lille an, wo die Behandlung der überstrapazierten Rückenmuskulatur umgehend fortgesetzt wurde. Die Zeit wird knapp - selbst ein Spieler der Güteklasse Federers benötigt Training, um sich Monate nach Ende der Sandplatzsaison wieder auf den kräfteraubendsten alle Beläge einstellen zu können.

          Dass der Davis Cup Vorrang gehabt haben dürfte gegenüber einem möglichen siebten Titel als ATP-Weltmeister, steht außer Frage. Neben dem olympischen Einzelgold - im Doppel wurde er 2008 an der Seite von Wawrinka Olympiasieger in Peking - fehlt Federer in seiner langen Erfolgsliste nur ein Triumph im Davis Cup. Nur 1992 hatte die Schweiz einmal das Finale gegen die Vereinigten Staaten erreicht.

          Die Chancen der Franzosen um Jo-Wilfried Tsonga stehen nicht schlecht

          Federers Rücken war in den vergangenen Jahren häufiger sein einziger Schwachpunkt - in dieser Saison allerdings hatte er beschwerdefrei mitunter nahezu so aufgespielt wie in seinen besten Tagen. Trotz seiner 33 Jahre gönnte er sich weniger Pausen als die Konkurrenz: Keiner bestritt so viele Partien (83) wie der Schweizer, der am Ende sogar Djokovic den Platz als Weltranglistenerster noch hätte streitig machen können. Der Serbe musste mindestens drei Partien beim Tour-Finale gewinnen, sonst hätte ihn Federer bei einem Triumph in London noch ablösen können. Die Möglichkeit war allerdings schon nach den Gruppenspielen Makulatur.

          Die Absage in London dürfte mit Blick auf das Davis-Cup-Finale vielleicht gerade noch rechtzeitig erfolgt sein, leicht aber wird sie Federer gewiss nicht gefallen sein. Es war erst das dritte Mal in seiner Karriere, dass er in einem laufenden Turnier zurückziehen musste. Eine andere Bilanz ist für den Mann, dem noch drei Einzelerfolge fehlen, um als dritter Spieler nach Jimmy Connors und Ivan Lendl auf 1000 Siege zu kommen, allerdings mindestens genauso erstaunlich: Er hat noch nie in einer Profipartie verletzt aufgegeben.

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