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Davis Cup in Australien : Zwei Legenden und ein kleiner Lapsus

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Ganz in seinem Element. Boris Becker auf dem Platz von Brisbane. Bild: dpa

Beim Debüt im deutschen Davis-Cup-Team war der Umgang mit Boris Becker noch verkrampft. Nun herrscht Lockerheit. Die Tennis-Legende mischt sogar sportlich mit – auch wenn ihm das nicht so gut bekommt.

          An mangelnder Vorbereitung hat es nicht gelegen, wenn die deutsche Davis-Cup-Mannschaft nicht in die zweite Runde einzieht. Vor der Auseinandersetzung mit Australien in Brisbane von Freitag bis Sonntag bezog Teamchef Michael Kohlmann mit seinem Stab und den Spielern Tim Pütz und Peter Gojowczik ein einwöchiges Trainingslager an der Goldcoast. Und seit Sonntag bereitet sich die komplette Mannschaft, die durch Alexander Zverev und Jan-Lennard Struff vervollständigt worden ist, am Spielort Brisbane vor auf die Begegnung, die gemäß Auslosung am Freitag mit dem Einzel von Alexander Zverev gegen den 18 Jahre alten Davis-Cup-Debütanten Alex De Minaur eröffnet wird. Für das zweite Einzel in der Pat-Rafter-Arena sind Jan-Lennard Struff und die australische Nummer eins Nick Kyrgios nominiert.  „Man muss den Spielern danken, was sie für den Davis Cup auf sich nehmen, das ist keine Selbstverständlichkeit“, sagt Kohlmann. Mit diesen Worten meint er vor allem Gojowczik und Pütz, die zwei Wochen ihrer Karriere dem Davis Cup unterordnen, aber natürlich auch Alexander Zverev, der es als Fünfter der Weltrangliste für sein persönliches Weiterkommen nicht nötig hat, auch nur eine Woche für den Davis Cup zu opfern.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Aber für manche besitzt dieser traditionsreiche Teamwettbewerb doch noch etwas Ausstrahlung, und seit Kohlmann die Mannschaft leitet, kommen die Spieler wieder gerne, wenn der Deutsche Tennis Bund (DTB) ruft. Auch Mischa Zverev und Philipp Kohlschreiber hätten ihre Zusage für die Begegnung mit Australien erfüllt, wenn sie nicht erkrankt wären. Alexander Zverev gehört zu den Traditionalisten, auch wenn der 20 Jahre alte Hamburger bei der Relegation im vergangenen September in Portugal nicht zur Verfügung stand. Obwohl dieser Termin so gar nicht in seinen Turnierplan passte, er hätte ihn wahrgenommen, wie er während der Australian Open in Melbourne bekannte. „Aber mein ganzes Team war dagegen, und da konnte ich schlecht sagen, ich spiele trotzdem.“

          Zu seinem persönlichen Team gehört als Führungsfigur Vater Alexander Zverev senior, der auch zum DTB-Team gehört, wenn sein Sohn spielt. Während des Trainings steht er auf dem Platz und redet von allen Betreuern am meisten auf Alexander junior ein. Und es gibt eine Menge Betreuer. Assistenztrainer Dirk Dier, Teamchef Kohlmann, und dann ist da noch Boris Becker, Head of Men’s Tennis im deutschen Verband. „Da steht schon extrem viel Fachwissen auf dem Platz“, sagt Kohlmann. „Wir sind gut eingespielt, alle bringen sich gut ein“, fügt er hinzu. Wie schon im September in Portugal bei Beckers erster Davis-Cup-Mission für den DTB versteht es Kohlmann, die prominenteren Helfer zu integrieren, indem er den Spagat schafft, sich manchmal zurückzuhalten, aber immer Chef zu bleiben. Beim zweiten Mal sorgt Beckers Anwesenheit beim Davis Cup für keinerlei Aufregung mehr, zumindest nicht unter den Spielern und dem Stab.

          Der in Portugal anfangs noch etwas verkrampfte Umgang ist der üblichen Lockerheit unter Sportlern gewichen. So war es ganz natürlich, dass Becker im Basketballspiel Betreuer gegen Spieler am Dienstag mitmischte, das den Trainingsalltag unterbrach. Allerdings bekam ihm das nicht sonderlich gut. Beim Versuch, mit den Jüngeren mitzuhalten, zog sich der 50-Jährige eine leichte Wadenverletzung zu. Am Mittwoch erschien er – pünktlich wie immer – mit einem Kompressionsstrumpf um den Unterschenkel. Wie immer stand er auf dem Platz und spielte ein paar Bälle zu. Man spürte von der Tribüne, wie es ihn juckte, sich beim Aufschlagtraining an ein paar Returns zu versuchen, aber er verkniff es sich – sehr lange. Als ihn Alexander Zverev aber anspitzte, es doch mal zu probieren, ließ er sich für eine Minute hinreißen – ein paar geblockte Returns gelangen ihm.

          Eine andere Tennislegende wird in dieses Davis-Cup-Match noch direkter eingreifen – vielleicht sogar als Spieler. Der australische Teamkapitän Lleyton Hewitt schließt einen Einsatz im Doppel nicht aus, auch wenn die unverbindliche offizielle Nominierung erst einmal Peter Gojowczyk/Tim Pütz sowie John Peers/Matthew Ebden als Doppelpaarung ergab.

          Ob der 36-Jährige, ehemals jüngste Nummer eins der Welt und zweimaliger Grand-Slam-Sieger, nur pokert, um den Gegner nervös zu machen, oder ob er sich als ernsthafte Alternative sieht? Auf jeden Fall erhält das Davis-Cup-Match durch Hewitts Aussage noch größere Aufmerksamkeit als ohnehin. In Form jedenfalls ist er noch. Bei den Australian Open erreichte er mit seinem Doppelpartner Sam Groth das Viertelfinale. Für Kohlmann ist die australische Doppel-Aufstellung nicht sonderlich wichtig. „Wir sind auf alles vorbereitet. Ich glaube, für meine Jungs wäre es sogar ein Stück Extramotivation, gegen Hewitt zu spielen.“

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