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Davis Cup : Der Rücken hält - doch Federer muss leiden

  • Aktualisiert am

Von Rückenproblemen geplagt: Roger Federer Bild: AP

Das Ergebnis des Davis-Cup-Finales ist nach dem ersten Tag völlig offen. Stan Wawrinka ärgert Gastgeber Frankreich mit seinem Auftaktsieg, doch dann verliert der Schweizer Star Roger Federer seine Partie.

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          Die Stimmungslage der Schweizer ist leicht an ihrem Klang zu erkennen. Läuten die Kuhglocken, ist die Stimmung heiter. Bleibt das Gebimmel von den Tribünen aus, herrscht Enttäuschung oder gar Entsetzen. Am ersten Tag des Davis-Cup-Finals in Frankreich durchlebten die Eidgenossen die eine wie die andere Gefühlslage. Zunächst schwenkten die Tennisfans die Kuhglocken wie verrückt, weil Stan Wawrinka das Eröffnungseinzel gegen Jo-Wilfried Tsonga gewann und sein Team 1:0 in Führung brachte. Anschließend blieb es im Stade Pierre Mauroy von Lille überraschend still, weil Roger Federer sein Match gegen Gael Monfils mehr schlecht als recht absolvierte und deutlich verlor.

          Die Schweizer Hoffnung, mit einer komfortablen Führung in den zweiten Finaltag zu gehen, wurde zerstört von einem Franzosen, der die Stimmung seiner eigenen Landsleute mit großen Gesten und sportlichen Großtaten anheizte und Federer in einer Stunde und 47 Minuten vom Platz schoss. Ob die 1:6-, 4:6- und 3:6-Niederlage eher an Monfils Stärke oder der Schwäche seines eigenen Rückens lag, beantwortete die Schweizer Spitzenkraft so und so: „Er war der bessere Spieler. Aber je länger das Match dauerte, desto besser habe ich mich gefühlt.“ Zum Auftakt hatte sich Wawrinka gegen Frankreichs Nummer eins, Tsonga, auf der Höhe seines Schaffens gezeigt und 6:1, 3:6, 6:3 und 6:2 gewonnen.

          Bei einem 1:1-Zwischenstand bleibt jeder der beiden Mannschaften die Hoffnung, das Finale zu ihren Gunsten zu drehen. Ob die „Equipe tricolore“ ihren zehnten Davis-Cup-Triumph feiern darf oder die Schweiz ihren ersten, wird jedenfalls erst in den Einzeln am Sonntag entschieden. Für das Doppel an diesem Samstag sind bislang Julien Benneteau/Richard Gasquet sowie Marco Chiudinell/Michael Lammer vorgesehen, um für ihr jeweiliges Land eine Führung zu erspielen. Vermutlich wird aber noch eifrig rochiert. So könnten auf Schweizer Seite, falls es der „Rücken der Nation“ erlaubt, Federer und Wawrinka auflaufen, die 2008 in Peking gemeinsam olympisches Gold gewannen.

          Federers Kreuz, von dem in den vergangenen Tagen viel die Rede war, hielt zwar, nachdem der Maestro nach dem verletzungsbedingten Verzicht auf das Endspiel des ATP-Finals in London drei Tage pausiert hatte. Aber in seiner Beweglichkeit war der Weltranglistenzweite so sehr eingeschränkt, dass er Monfils’ starken Auf- und Grundschlägen erst spät etwas entgegenzusetzen hatte. Der Franzose sprach von „einem der drei besten Matches meines Lebens“. Federer dagegen fand es „ermutigend“, dass er nach seinem Auftritt keine Schmerzen verspürte.



          Bei allem Hoffen und Bangen um Federers Rücken wurde zuletzt wenig davon gesprochen, wie viel Druck auf den Schultern jener beiden Profis lastete, die das Finale am Freitag eröffnen mussten. Während Tsonga sich nur schwer zurechtfand, spielte Wawrinka sehr konzentriert, variabel und aggressiv. Der schlagfertige Lausanner brachte seine Landsleute auf den Tribünen dazu, ebenfalls ständig ihre Arme bewegen. Sie rissen Schilder mit dem Aufdruck „Break“ in die Höhe, weil Wawrinka ein Dutzend Mal die Chance hatte, den Aufschlag des Franzosen zu durchbrechen.

          Fünfmal gelang es ihm, was genügte, um das Spiel nach 2:24 Stunden für sich zu entscheiden. „Heute war es wichtig zu zeigen, dass ich bereit bin. Alle waren vielleicht zu sehr auf Roger konzentriert und haben darüber mich vergessen“, sagte der Schweizer, der seine herbstliche Krise pünktlich zum letzten Saisonhöhepunkt überwand und an seine Leistung anknüpfte, die er in der vorherigen Woche bei den ATP World Tour Finals gezeigt hatte.

          Auftaktsieger: Stanislas Wawrinka hat Tsonga besiegt Bilderstrecke
          Auftaktsieger: Stanislas Wawrinka hat Tsonga besiegt :

          Die Zuschauer, ob Schweizer mit Glocken oder Franzosen mit Trommeln, haben sich nicht nur lautstark ins Spiel gebracht, sondern auch in die Rekordbücher. 27.432 Zuschauer bei einem offiziellen Tennisspiel hatte es nie zuvor gegeben. Überboten wurde im Fußballstadion Pierre Mauroy eine Bestmarke aus Sevilla, wo 27.200 Besucher das Davis-Cup-Endspiel 2004 zwischen Spanien und den Vereinigten Staaten verfolgten. Dass die Schweizer in Lille oft lauter waren als die Einheimischen, fand Federer ganz amüsant. „Ich habe mich gefreut, dass mir unsere Fans den Rücken gestärkt haben“, sagte er - und freute sich über seine doppeldeutige Metapher. Am Sonntag wird er dann auch wissen, ob süßer die Kuhglocken nie klingen.

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