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Davis-Cup-Endrunde : Das Team ist der Star – und das Doppel die Hoffnung

  • -Aktualisiert am

Weiter der Anführer: Jan-Lennard Struff Bild: EPA

Ohne Alexander Zverev ist das deutsche Tennis-Team in der Davis-Cup-Endrunde nur Außenseiter – und wäre bei einem Zwischenstand von 1:1 nach den Einzeln plötzlich Favorit.

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          Perfekt gestylt mit maßgeschneiderten Anzügen tauchten beim Training der deutschen Nationalmannschaft plötzlich Gerard Piqué und David Ferrer auf. Der eine, Piqué, hat als Weltklasseverteidiger für den FC Barcelona unlängst seine Fußball-Karriere beendet. In der Tennisblase ist er darüber hinaus als aufstrebender Geschäftsmann mit dem milliardenschweren Konsortium „Kosmos“ bekannt geworden – als radikaler Reformer des vom Weltverband ITF ausgerichteten Davis Cups, inklusive lautstarker Kritik, er habe die Seele des Wettbewerbs verkauft. Den anderen, den ehemaligen Tennisprofi Ferrer, hat Piqué als Turnierdirektor der Davis-Cup-Finalendrunde eingesetzt. In dieser Woche findet sie in der südspanischen Stadt Malaga statt.

          Das Event wird seit der mit harten Bandagen und vielen Millionen US-Dollar durchgeboxten Reform im Jahr 2018 als Hochglanzprodukt produziert, der Modus wurde jedes Jahr angepasst. Aus einem der Fußball-EM ähnlichen Finalturnier mit 16 Nationalteams, jeder Menge Kinderkrankheiten und zu wenig Zuschauern ist in diesem Jahr eine Endrunde mit acht Teams geworden. Qualifizieren muss man sich in einem klassischen Auswärts- oder Heimspiel sowie in einer anschließenden Zwischenrunde mit je vier Teams an vier Standorten im September. Ziel der Veränderung war, wieder mehr der alten Davis-Cup-Stimmung mit lauten Heimfans zu kreieren. Funktioniert hat das bisher nur punktuell. Bei der Zwischenrunde in Hamburg etwa setzte die verantwortliche Agentur Emotion viel zu hohe Ticketpreise an. Die deutschen Spiele waren mäßig, die weiteren Partien erbärmlich besucht.

          Mehr Fans, mehr Stimmung

          In Malaga gibt es aber erstmals Grund zur Hoffnung, dass das einstige Prestigeevent wieder an Wert gewinnt. Tickets gibt es in Kombipaketen ab 40 Euro. Im ersten Viertelfinale am Dienstag zwischen Australien und den Niederlanden strömten fast 8000 Fans in die zu einem einzigen Centre-Court umfunktionierte Mehrzweckhalle „Palacio de Deportes José María Martín Carpena“. Mehr als 600 Oranje-Fans schufen trotz der Niederlage ihres Teams eine beachtliche Stimmung. Das Viertelfinale der Spanier am Mittwoch war mit rund 10.000 Fans nahezu ausverkauft und erinnerte in Teilen an die Viertelfinal-Begegnung Deutschlands 2018 im alten Modus in der Stierkampfarena von Valencia.

          Zurück nach Málaga: Piqué und Ferrer stehen mit ihrem adretten Auftreten zwar vorbildlich für dieses noch aneckende Hochglanzprodukt. Sie passten während der deutschen Einheit aber so gar nicht ins Bild der bodenständigen Davis-Cup-Truppe mit ihrem schon im alten Modus über Jahre gewachsenen Teamgefüge. Unter der Leitung von Kapitän Michael Kohlmann feilte die Auswahl an den Grundlagen fürs Viertelfinale gegen das favorisierte kanadische Team um die Topspieler Félix Auger-Aliassime und Denis Shapovalov an diesem Donnerstag (gegen 16 Uhr auf Servus TV und DAZN).

          „Niemand im Team hat ein großes Ego“

          In Abwesenheit des immer noch am Fuß verletzten Alexander Zverev ist das Team der Star. Ein Team, das in ähnlicher Besetzung 2021 überraschend ins Halbfinale stürmte und dort dem späteren Sieger Russland unterlag, das wegen des Angriffskrieges auf die Ukraine 2022 gesperrt ist. „Niemand im Team hat ein großes Ego, das ist das Wichtigste. Außerdem ist das Funktionsteam für die Spieler sehr cool – gespickt mit den unterschiedlichsten Charakteren, was die Tage sehr, sehr lustig macht. Das wirkt sehr positiv ansteckend und bringt gute Laune“, sagt Doppelspezialist Kevin Krawietz.

          Gemeinsam mit dem Frankfurter Tim Pütz ist er im Davis Cup noch immer ungeschlagen und schlägt in der kommenden Saison auch auf der ATP-Tour mit seinem Partner auf. In der Tennisszene war das Aus von Krawietz und Andreas Mies, gemeinsam immerhin zweimal French-Open-Sieger, eine große Sache; hier in Málaga ist das nur ein untergeordnetes Thema – das Team zählt für alle Beteiligten.

          Die Leistungsdaten sprechen ohnehin für sich. Spielerübergreifend ist das DTB-Team im Doppel seit 15 Matches unbesiegt. „Das steht für sich selbst, vor allem waren da viele Partien beim Spielstand von 1:1 dabei. Das zeigt, dass alle das Gefühl haben, dass das Team zusammensteht und nicht aufgibt. Das ist so mit der Zeit gekommen“, erklärt der langjährige Kapitän Kohlmann, der zudem als Faustpfand angibt, dass das Team bis auf Zverev in dieser Form das ganze Jahr seit der Auswärtsaufgabe in Brasilien zusammengeblieben ist. „Es ist eine sehr besondere Truppe, die hier zusammensitzt.“

          Die Trainingszeiten auf dem Matchcourt waren derweil rar gesät. Dreimal konnte der recht schnelle Hardcourt seit der Ankunft am Samstag von der Mannschaft um den langjährigen Davis-Cup-Spieler Jan-Lennard Struff getestet werden. Struff, der nach einem verletzungsbedingt komplizierten Jahr auf Rang 152 in der Weltrangliste abgerutscht ist, gilt im Team weiter als Anführer. Er und der nach einer Meniskusoperation langsam wieder in Form kommende Oscar Otte an Position eins der Aufstellung stehen vor der Mammutaufgabe, ein Einzel gegen Shapovalov (wohl gegen Struff) und Auger-Aliassime „klauen“ zu müssen. Gelingt das, wäre Deutschland mit Krawietz/Pütz im Modus mit zwei Einzeln und einem Doppel plötzlich Favorit.

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