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David Sossenheimer : „Er hatte keine andere Chance, als Volleyball zu spielen“

  • -Aktualisiert am

David Sossenheimer im Angriff: Die Nummer fünf von Friedrichshafen ist erst 20 Jahre alt. Bild: nordphoto

Mama, Papa und der große Bruder standen schon vorher am Netz, jetzt ist David Sossenheimer eines der größten deutschen Talente im Volleyball. Im Pokalfinale will der 20-Jährige vom VfB Friedrichshafen von Beginn an ran.

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          Was macht ein kleiner Junge, wenn Papa, Mama und der große Bruder Volleyball spielen? Wenn er den Großteil seiner Kindheit in einer Sporthalle verbringt, angefangen noch im Kinderwagen, der im Geräteraum geparkt wurde? „David hatte keine andere Chance, als Volleyball zu spielen“, sagt sein Vater Christian Sossenheimer, der sein Leben lang mit dieser Sportart beschäftigt ist, selbst ein guter Zweitligaspieler war und seit Jahren als Ko-Trainer des VCW Wiesbaden eine feste Größe in der Frauen-Bundesliga darstellt.

          Achim Dreis
          Sportredakteur.

          „Ja, das stimmt wohl“, bestätigt der Sohn, betont aber, dass er „nicht zum Volleyball geprügelt wurde“. Es sei alles aus freien Stücken entstanden, er habe auch „Leichtathletik betrieben, Tischtennis gespielt und sogar Klavier“. Doch nirgends habe er so viel Talent gezeigt wie beim Volleyball, und so viel Spaß entwickelt.

          Dass es für ihn so schnell nach oben gehe, hat ihn aber dann doch erstaunt: David Sossenheimer ist mit seinen 20 Jahren schon zu einer festen Größe beim deutschen Rekordmeister VfB Friedrichshafen avanciert und gehört als Außenangreifer auch zum Kader der Nationalmannschaft. „Bisher sind alle Ziele in Erfüllung gegangen, die ich mir gesteckt habe“, sagt er: „Ich habe sie aber auch konsequent verfolgt.“

          Gegen die stärkste Mannschaft der Welt von Beginn an

          Jüngster Höhepunkt war seine Berufung in die Start-Sechs beim Champions-League-Spiel der Friedrichshafener gegen Rubin Kasan, der stärksten Mannschaft der Welt. „Da war auch der Papa ein bisschen stolz“, sagt der Sohn. Nächstes Ziel ist der Gewinn des deutschen Pokals am Sonntag im Finale in Mannheim gegen den Titelverteidiger Berlin Recycling Volleys (16.45 Uhr, Live auf Sport1). Für die Friedrichshafener wäre es der 14. Pokalsieg, für die Sossenheimers der erste. 2013 unterlag Christian mit den VCW-Frauen dem Schweriner SC 0:3. Im vergangenen Jahr erreichte David noch mit dem TV Bühl das Finale, verlor dann aber ebenso glatt 0:3 gegen Berlin.

          Sein Wechsel zum VfB Friedrichshafen erwies sich dann als goldrichtig, vor allem, weil dort seit dieser Saison Vital Heynen als Trainer das Sagen hat. Der ehemalige Bundestrainer gilt, im Gegensatz zu seinem Vorgänger Stelian Moculescu, als Freund der jungen Spieler, denen er viel Vertrauensvorschuss und Einsatzzeit gewährt - und so ihre Entwicklung vorantreibt. Heynen äußert sich auf Nachfrage auch voll des Lobes über seinen jungen Außenangreifer. „David ist viel weiter, als es sein Alter vermuten lässt. Vor allem im Kopf ist er stark. Ich kann nur Gutes über ihn sagen.“

          Vital Heynen (r.) gibt seinen Spielern eine Anweisung: Er arbeitet gerne mit jungen Profis zusammen, Sossenheimer profitiert davon.
          Vital Heynen (r.) gibt seinen Spielern eine Anweisung: Er arbeitet gerne mit jungen Profis zusammen, Sossenheimer profitiert davon. : Bild: dpa

          Die positive Beziehung beruht auf Gegenseitigkeit: „Vital ist ein ganz entscheidender Faktor“, sagt Sossenheimer über den Grund seiner rasanten Entwicklung. „Und natürlich Papa.“ Er sei nach wie vor ein wichtiger Ratgeber. „Er guckt viele Spiele“, und die beiden tauschen sich auch häufig telefonisch aus. Mit Vorliebe während der langen Auswärtsfahrten im Bus. Wenn der Senior mit den Frauen des VC Wiesbaden unterwegs ist und der Junior mit seinen Jungs vom VfB. Nicht zu vergessen der Rest der volleyballverrückten Familie: Mama Andrea ist im Heimatort bei Aschaffenburg im Jugendbereich des TV Mömlingen aktiv, Bruder Philipp agiert als Spielertrainer in der Regionalliga.

          Es fehlen noch ein paar Muskeln

          Fragt sich, von wem er die Fähigkeiten geerbt hat. „Meine Eltern streiten sich immer, von wem ich die Unordentlichkeit habe“, sagt David. „Talent haben sie mir beide mitgegeben.“ Und viel Arbeit reingesteckt. Bei allen Kinderbildern, die er von sich kenne, habe er einen Ball in der Hand, sei am Werfen oder Schlagen - aber nie am Schießen mit dem Fuß. „Generell würde ich sagen, das Ballgefühl hat er von mir“, sagt Christian, ohne seiner Frau zu nahe treten zu wollen. Grundsätzlich erkennt er aber an, dass sich das Spiel auf einem völlig anderen Niveau bewege, als zu seiner Zeit in der zweiten Liga. „Es ist brutal schnell geworden.“

          David Sossenheimers Spiel überzeugt durch Sprungkraft und Technik, vor allem in der Annahme ist er eine sichere Bank. Zudem ist er in der Lage, immer hundert Prozent zu geben und sorgt auch für positive Stimmung auf dem Feld. Was dem 1,94 Meter großen, aber eher schmächtig gebauten Kerl noch ein bisschen fehlt, „sind ein paar Muskeln“, sagt sein Vater. Woran der Junge aber arbeitet. Beim Gespräch mit dieser Zeitung war er gerade vom Weg aus der Trainingshalle in den Kraftraum.

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