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David Haye im Gespräch : „Es ist genauso sein Schicksalskampf wie meiner“

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Spielertyp: Der Engländer David Haye boxte am Samstag gegen Wladimir Klitschko Bild: dpa

Herausforderer David Haye teilt nicht nur mit den Fäusten aus, er beherrscht auch den verbalen Schlagabstausch. Am Samstag trifft er auf Wladimir Klitschko. Im F.A.Z.-Interview spricht Haye über seine Spielchen mit dem Gegner und den Masterplan.

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          Der 30 Jahre alte Londoner ist ein Provokateur. Der ehemaliger Cruisergewichtsweltmeister der Verbände WBA, WBC und WBO trägt jetzt den Titel der WBA im Schwergewicht. Am Samstag (22.45 Uhr) boxt er in Hamburg gegen den jüngeren Klitschko.

          Man kennt Sie in Deutschland vor allem so: Sie halten auf einer Fotomontage in einem Männermagazin einen abgetrennten Kopf in der Hand, der die Züge von Wladimir Klitschko trägt.

          Diese Sachen sind einige Jahre her. Die Idee war damals, die Klitschkos zu provozieren, ihnen unter die Haut zu gehen. Es hat geklappt. Jetzt haben wir den Kampf, total aufgepumpt. Auch der Erfolg meiner iPhone App spricht für sich: Die Leute wollen sehen, wie ein großer Kerl vermöbelt wird. Meine Anhänger mögen das Spiel und wollen herausfinden, wie schnell sie den riesigen Kerl k. o. schlagen können. Meine Bestzeit sind 17 Sekunden.

          Sie wollen bewusst mit Geschmacklosigkeiten auf sich aufmerksam machen?

          Ja, das kann man so sehen. Es ist eine Möglichkeit, der Welt zu zeigen, dass ich nicht mehr der kleine Kerl im Kampf bin, der ich einmal war. Man kann diese großen Typen, diese Giganten besiegen. Ich habe es bewiesen. Ich habe gegen Nikolai Walujew gekämpft, was Witali und Wladimir Klitschko nicht getan haben. Obwohl sie aus dem gleichen Teil der Welt kommen. Jeder hat fünfzig Kämpfe, aber Walujew fehlt. Ich bin derjenige gewesen, der nach Deutschland ging, um diesen Riesen zu schlagen und den WBA-Titel zu holen. Nun muss ich wieder nach Deutschland, wo Wladimir zu Hause ist. Ich werde ihn auch dort besiegen. Er ist super selbstbewusst und denkt, ich bin ein aufgeblasener Cruisergewichtler. Aber wenn ich im Ring bin, wird er ganz schnell feststellen, dass ich der härteste Puncher bin, dem er je begegnet ist.

          Mit Ihrem Bad-Boy-Image haben Sie es geschafft, dass in aller Welt die Menschen zuschauen werden, wie bei den großen Schwergewichtskämpfen in der Vergangenheit.

          Es kann derzeit keinen größeren, aufregenderen Kampf geben als diesen. Soweit ich mich erinnere, hat es einen Fight von dieser Größenordnung lange nicht mehr gegeben. Nicht einmal bei Mike Tyson gegen Lennox Lewis in Memphis gab es diesen Hype. Da waren beide aber schon über dem Berg. Jetzt aber kämpfen die beiden besten Schwergewichtler auf dem Gipfel ihrer Karriere. Beide legen Titel auf den Tisch. Beide haben schöne Siegesserien hinter sich.

          Haben Sie jemals härter für einen Kampf trainiert?

          Nein. Ich weiß, dies wird der Kampf, der meine Karriere definiert. Daher muss ich sicher sein, dass ich in bester Kondition bin. Ich bin es. Ich bin schneller, ich schlage härter als jemals zuvor. Mein Timing ist großartig, mein rechter Punch perfekt. Ich habe jetzt die Erfahrung eines Schwergewichtlers. Wenn der erste Gong ertönt, werde ich in einer perfekten Position sein. Mitte Januar habe ich in Miami angefangen, mich auf diesen Kampf vorzubereiten. Eine lange Zeit.

          Vergessen wir das Getöse. Wie schätzen Sie Wladimir wirklich ein?

          Ich habe Respekt vor dem, was er kann. Ich weiß, Wladimir wird besser sein als in all seinen Kämpfen zuvor. Für ihn wird es wie für mich die größte Nacht. Der Sieg wird für jeden der größte der Karriere sein. Das Vermächtnis. Wenn ich es zulasse, dass Wladimir zu seiner Linie findet, kann das für mich katastrophal enden. Es ist genauso sein Schicksalskampf wie meiner. Wenn er mich schlägt, garantiere ich, wird sein Ruhm lange anhalten.

          Was sollen also die verächtlichen Schmähungen, ist das alles nur Show?

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