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Para-Athleten des Jahres : Ein Tabu als Antrieb

Siegermentalität: Anna-Lena Forster Bild: Imago

Paralympikerin Anna-Lena Forster gewinnt die Wahl zur Sportlerin des Jahres. Das Motto der Monoski-Fahrerin steht stellvertretend für den Anspruch ihres Verbandes: „Geht nicht“ gibts nicht.

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          Es gibt einen Satz, der für Anna-Lena Forster tabu ist: „Das geht nicht.“ Der Beweis dafür spiegelt sich in der diesjährigen Leistung der 27-jährigen Monoski-Fahrerin aus Radolfzell: Viermal Gold gewann sie zunächst bei der WM in Lillehammer, danach jeweils zwei Gold- und Silbermedaillen bei den Winter-Paralympics in Peking. Wegen dieser beeindruckenden Edelmetall-Sammlung hat der der Deutsche Behindertensportverband  (DBS) am Samstagabend Anna-Lena Forster als Para-Athletin des Jahres ausgezeichnet. Sowohl die Jury als die Mehrheit von 7000 Fans, die an einer Online-Abstimmung teilgenommen hatten, zeigten sich von der Wintersportlerin überzeugt.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

          „Ich freue mich riesig! Ja, die Auszeichnung fehlt mir in meiner Sammlung noch“, sagte Forster vor rund 300 geladenen Gästen in der Düsseldorfer Rheinterrasse während der Siegerehrung. In den vergangenen beiden Jahren hatte die Feier wegen der Pandemie nur virtuell stattfinden können.

          Widrige Bedingungen in Peking

          Auch wenn Forster im Angesicht der Erfolge bei ihren mittlerweile dritten Paralympischen Spielen auf der Bühne in Düsseldorf das strahlende Lächeln einer erfahrenen, souveränen Spitzensportlerin präsentierte, war der Weg zur Spitze selbst alles andere als einfach. Seit dem Karriereende von Anna Schaffelhuber, siebenmalige Paralympics-Siegerin sowie fünfmalige Para-Sportlerin des Jahres, fehlte Forster eine große Athletin, an der sie sich orientieren und die sie vorantreiben konnte. Zugleich stiegen die Erwartungen an Forster.

          Triumph trotz widriger Bedingungen: Forster gewinnt in Peking jeweils zwei Gold- und Silbermedaillen.
          Triumph trotz widriger Bedingungen: Forster gewinnt in Peking jeweils zwei Gold- und Silbermedaillen. : Bild: AFP

          Die strikten Corona-Bedingungen, unter denen die Winter-Paralympics in Peking stattfanden, sowie der Bruch des Olympischen Friedens während der Spiele durch die russischen Invasion in der Ukraine, erleichterten die Aufgabe nicht. Doch Forster widerstand dem Druck und den Widrigkeiten: „Ich möchte beweisen, dass alles irgendwie geht. Und ich lasse mich von niemandem ausbremsen.“ Sie will ihre erfolgreiche Reise fortsetzen bei den Paralympischen Spiele 2026 in Mailand und Cortina. „Cortina reizt mich schon allein wegen des Austragungsortes. Es macht mir nach wie vor mega viel Spaß. Wieso sollte ich aufhören?“

          Durchsetzungsvermögen bewies in Peking auch Marco Maier, der vom DBS als Para-Athlet des Jahres ausgezeichnet wurde. Der 22-Jährige gewann bei seiner Paralympics-Premiere trotz starker Konkurrenz und Außenseiterrolle zwei Silbermedaillen im Para-Langlauf und beim Para-Biathlonrennen.

          Starker Nachwuchs

          Der Nachwuchspreis ging an Linn Kazmaier. Die damals 15-Jährige ging in Peking als jüngste deutsche Athletin an den Start und überzeugte mit einem überragenden Ergebnis: zweimal Silber im Para-Biathlon, sowie Gold, Silber und Bronze im Para-Langlauf. Das deutsche Paralympics-Team gewann in Peking 19 Medaillen.

          „Unsere Athletinnen und Athleten verbreiten Hoffnung und Zuversicht“, sagte Friedhelm Julius Beucher, Präsident des DBS: „Sie inspirieren Menschen. Sowohl mit ihren faszinierenden Leistungen als auch mit ihren Lebensgeschichten.“ Jedoch seien die fehlenden Förderungen vor allem im Breitensport nach wie vor ein großes Problem: „Laut aktuellem Sportentwicklungsbericht haben nur sieben Prozent der über 87.000 deutschen Sportvereine ein Angebot für Menschen mit Behinderung“, sagte Beucher: „Sieben Prozent ist eine erschreckend niedrige Zahl. Und wie wollen wir dann glaubhaft Inklusion im Sport vorantreiben, wenn nicht einmal jeder zehnte Sportverein solche Angebote bereithält oder auch bereithalten kann?“

          Frust statt Beteiligung

          Fehlende barrierefreie Sportstätten, die ungenügende Versorgung etwa mit Sportprothesen sorgten eher für Frustration und nicht zu mehr Beteiligung, fügte Beucher hinzu. Das zähle zu den Gründen, warum aktuell rund 55 Prozent der Menschen mit Behinderung keinen Sport ausüben würden.

          Die Bedingungen zu ändern, sei aber eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Beucher, aus dem Oberbergischen stammend, hielt fest an seinem Optimismus, die ausgezeichneten Spitzensportlerinnen und Spitzensportler fest im Blick.

          „Das geht nicht“ – bleibt ein Satz, der nicht für bei Anna-Lena Forster, sondern im gesamten deutschen Para-Sport tabu sei soll.

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