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Fallon Sherrock : Das Märchen der Darts-Queen ist zu Ende

Ein Küsschen zum Abgang: Fallon Sherrock unterliegt Chris Dobey (links). Bild: dpa

Die Engländerin Fallon Sherrock scheitert bei der Darts-WM an Landsmann Chris Dobey. Aber mit ihrer Niederlage im dritten Match gegen einen Mann bei der PDC-WM verschafft sie dem Frauen-Darts vielleicht noch mehr Respekt als durch ihre Siege.

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          Am Ende war Chris Dobey einfach zu stark. Der 29 Jahre alte Engländer ließ seiner Landsfrau Fallon Sherrock keine Chance mehr, als er nach großen Schwierigkeiten mit den Doppelfeldern zu Beginn des Drittrundenduells bei der Darts-Weltmeisterschaft des Profiverbands PDC das richtige Gefühl fürs Beenden der einzelnen Legs entwickelt hatte. So warf er sich am Ende fast traumwandlerisch sicher ins Achtelfinale der Darts-WM und beendete ein Sportmärchen, das in den vergangenen Tagen weltweit für Aufsehen gesorgt hatte: Eine Frau hatte es mit der Männerwelt aufgenommen – ausgerechnet in einem vermeintlich so männerdominierten und im Pub gewachsenen Spiel wie Darts.

          Fallon Sherrock zeigte auch am Freitagnachmittag ihre besonderen Qualitäten, als sie mit unfassbarer Sicherheit gerade beim Beenden der Legs zweimal in Führung gegangen war. Sie hatte sogenannte „high finishes“ geschafft wie nie zuvor: Sie checkte Werte wie 120 oder 141 mit nur drei Pfeilen aus und beeindruckte Dobey damit sichtlich. Aber plötzlich wurde die „Queen of Alexandra Palace“ doch zur Prinzessin und verlor nach eigener 2:1-Satzführung mit 2:4.

          Die 25 Jahre alte Sherrock verließ die wichtigste Bühne des Darts aber mit Grandezza und womöglich hat sie dem weiblichen Pfeilewerfen mit ihrem herausragenden Auftritt in der Niederlage einen noch größeren Dienst erwiesen als durch ihre Siege in den beiden vorangegangenen Runden. Am Freitagnachmittag war die Stimmung im Publikum nämlich – anders als zuvor bei ihren Erfolgen gegen Ted Evetts und Mensur Suljovic – ihrem männlichen Kontrahenten gegenüber nicht so extrem feindlich gesinnt. Dobey seinerseits hatte dennoch die besondere Situation auszuhalten, einer bemerkenswert nervenstarken Herausforderin in einem Konzentrationsspiel standhalten zu müssen.

          Die Fans hatte die „Queen of Alexandra Palace“ auch in der dritten Runde auf ihrer Seite.

          Es mag am frühen Spielbeginn um 15:30 Uhr Ortszeit in London und dem deshalb deutlich geringeren Alkoholpegel unter den 3500 Zuschauen gelegen haben oder auch daran, dass Dobey ein Landsmann der meisten Anhänger war und somit ein wenig mehr Respekt unter den Zuschauern genoss. So entwickelte sich ein ganz normales Dartsspiel, wie es wünschenswert wäre für die künftigen Begegnungen zwischen Männern und Frauen auf den großen Bühnen. Sherrock spielte wie in den Runden zuvor einen für sie herausragenden Punkteschnitt von über 90 für jeweils drei Würfe. Bei den Doppeln begann sie mit einer Quote von 70 Prozent, ehe ihr Wert zum Ende des Spiels hin entscheidend unter die 50-Prozentmarke abrutschte.

          Sherrocks großes Verdienst

          Dobey bewahrte trotz seiner anfänglichen Schwierigkeiten und dem Verlust der Sätze eins und drei die Nerven und erreichte am Ende einen Durchschnitt von über 100 Punkten, was so etwas wie das Zugangstor zur Weltklasse ist.

          Sherrock wurde von den Fans, von denen Dutzende als Darts-Queen verkleidet in der Halle erschienen, wie in den Runden zuvor mit dem Song „Only one Fallon Sherrock, walking in the Sherrock Wonderland“ gefeiert, der einst der Dartslegende Phil Taylor gewidmet war.  Beide Spieler verhielten sich nach dem letzten Treffer Dobeys in die Doppel-20 zudem wunderbar, als der Sieger seiner Widersacherin Respekt zollte und Sherrock sich ebenfalls wie mit Würde verabschiedete. „Ich habe es so genossen heute, aber Chris hat einfach Klasse gespielt“, sagte sie. Dobey äußerte sich ebenfalls ganz sachlich zu seinem Sieg.

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