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Fallon Sherrock : Das Märchen der Darts-Queen ist zu Ende

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Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf Bild: FAZ.NET

Vielleicht war das der Moment, in dem das Geschlechterduell endlich die Sensationslüsternheit hinter sich lassen konnte, mit dem die nun acht WM-Spiele von Frauen stets verfolgt wurden. Das wäre dann das größte Verdienst von Sherrocks Siegeszug, wenn sie Normalität errungen hätte, wo Normalität hingehört. An der Basis des Darts, sowohl in den Pubs in Großbritannien wie auch im Ligaalltag in Deutschland oder den Niederlanden ist es zum Beispiel an der Tagesordnung, dass Männer gegen Frauen spielen. Lediglich in der PDC hat es bislang noch keine Frau geschafft, sich eine der begehrten Tourcards zu erspielen, was an der verschwindend geringen Quote von nur gut zehn Prozent weiblicher Dartsspielerinnen liegt.

Fallon Sherrock scheiterte beispielsweise in den vergangenen beiden Jahren daran, über die jeweils im Januar ausgetragene Qualifying School die Aufnahme in den Turnierzirkus zu erspielen, die nur 128 Spielern vorbehalten ist.

Abgang mit Grandezza: Fallon Sherrock mit dem siegreichen Kontrahenten Chris Dobey nach ihrem Match bei der Darts-WM in London
Abgang mit Grandezza: Fallon Sherrock mit dem siegreichen Kontrahenten Chris Dobey nach ihrem Match bei der Darts-WM in London : Bild: dpa

Ende Januar wird sie es wieder versuchen, unabhängig davon hat sie als derzeit größte Attraktion der PDC einige Wildcards sicher, die ihr den Zugang auch zur Turnieren in Deutschland ermöglichen. Auch beim aus Vermarktungsgründen für die PDC wichtigen ersten US Darts Masters in New York wird sie auf Einladung unter den Teilnehmern in einer kleineren Halle des Madisson Square Garden sein, um ihrem Sport in den Vereinigten Staaten auf die Beine zu helfen.

In der Spielerszene gilt diese Bevorzugung und somit die Abkehr vom reinen Leistungsprinzip nicht unbedingt als unumstritten. Für die Männer geht es schließlich ums Einkommen, einem Mann wird die Chance aufs Preisgeld genommen. Der Weg zu einer völligen Normalisierung ist dann eben doch noch weit. Das Werben der PDC mit Sherrock ist freilich auch ein Indiz für die Art, wie der Vermarkter das Darts auszupressen vermag. Bis vor kurzem hatte die PDC sehr wenig für Frauen übrig, die erstaunliche Resonanz nach Sherrocks Erfolgen weltweit sorgte dann für neue TV-Rekorde. Plötzlich wurde sie das Darling der PDC.

Für die Queen of Alexandra Palace geht die Reise am Samstag in einer Woche nun erst einmal auf einer etwas kleineren Bühne weiter: Bei der Darts-WM des deutlich kleineren Konkurrenzverbands British Darts Organisation (BDO) in Lakeside sind nun alle Augen auf sie gerichtet, wenn sie um den nächsten Weltmeistertitel spielt. Dann sind ihre Gegnerinnen aber allein Frauen, die BDO führt parallele Wettbewerbe für beide Geschlechter durch, zu Beginn ist die Australierin Corinne Hammond die Gegnerin. Sollte Sherrock dort gewinnen, würde sie immerhin 20.000 britische Pfund (24.000 Euro)als Prämie erhalten und somit fast genauso viel wie für ihre Expedition ins Reich der pfeilewerfenden Männer. Den Alexandra Palace verließ sie am Freitag um 25.000 Pfund (30.000 Euro) reicher. 

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