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Das Finale der Tour : Huhn in Cola

Liveübertragungen wieder ab 2015?

Scharping ist der Auffassung, dass der Radsport ehrlicher geworden sei, er unterstreicht das mit einem deutlichen „Ja“. Und befindet sich damit auf einer Linie mit Kittel und Co., die nachhaltig für sich zu werben versuchen mit Bekundungen, einen reinen Sport zu praktizieren. Scharping verweist dabei auf den dreifachen Zeitfahr-Weltmeister Martin, der noch einen anderen Beruf hat – er hat sich zum Polizeibeamten ausbilden lassen. Dieser Hintergrund dient Scharping als Beleg dafür, dass ein solcher Radprofi niemals vom rechten Weg abweichen wird. „Der wird seine bürgerliche Existenz nicht aufs Spiel setzen. Das ist außerhalb meiner Vorstellungskraft.“

Martin und seine Kollegen positionieren sich eindeutig im Anti-Doping-Kampf, sie haben das auch während dieser Tour getan. Und können partout nicht verstehen, dass sie in der Heimat immer noch ausgegrenzt werden, dass sie und ihre Branche weiterhin ein großes Stigma tragen. Ihre Klagen zielen in erster Linie auf die öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalten, die wegen der Manipulationen im Radsport auch in diesem Jahr auf Liveübertragungen von der Tour verzichteten. Dafür ist der Spartensender Eurosport zuständig, der auch an diesem Samstag das Einzelzeitfahren mit Favorit Tony Martin überträgt. Das werde ihnen und ihren Auftritten bei der Tour nicht gerecht, monieren die Deutschen, die auch in diesem Fall von Scharping unterstützt werden. Scharping erwähnt Gespräche mit ARD und ZDF, er spricht von Bemühungen, die Tour 2015 wieder auf diesen Kanälen laufen zu lassen. Womöglich gibt es inzwischen sogar Fortschritte in dieser Diskussion, Scharping sagt jedenfalls: „Ich bin etwas optimistischer, als ich es vor einem halben Jahr war.“

Auf Regen folgt Sonnenschein: in Deutschland kämpft der Radsport weiterhin gegen die dunkle Vergangenheit an

Verantwortliche von ARD und ZDF halten sich kurz vor dem Finale der 101. Tour und der Krönung Nibalis in Paris noch zurück mit dezidierten Aussagen. „Wir warten das Ende der Tour ab, dann werden wir uns überlegen, wie wir künftig mit ihr programmlich umgehen“, sagt Dieter Gruschwitz, der Leiter der ZDF-Sportredaktion. „Das Ganze ist ein sensibles Thema.“ Immerhin scheinen die jungen Deutschen auch ihn zu beeindrucken. „Ich neige dazu, ihnen zu vertrauen.“ ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky, gerade im Urlaub, hegt offenbar gleiche Empfindungen. Er teilt schriftlich mit: „Zunächst beobachten wir die Situation im nationalen und im internationalen Radsport weiter und diskutieren ergebnisoffen. Es ist positiv, dass es einen Nachwuchs im deutschen Radsport gibt, der mit seinem klaren Bekenntnis zum sauberen Sport und jüngst mit Erfolgen überzeugt.“

Die Aso hat ebenfalls ein massives Interesse daran, dass die mediale Wahrnehmung der Tour in Deutschland wieder steigt. Der Markt hierzulande ist für sie und für den Internationalen Radsportverband von großer ökonomischer Bedeutung. „Die Aso kann nicht zufrieden sein mit der Präsenz in Deutschland“, sagt Gruschwitz, „das ist vollkommen klar. Das bereitet ihr Sorge.“

Vive le Tour, weg mit den dunklen Flecken! Italien feiert doch auch ausgelassen. Und China: Freut sich mit dem Debütanten Cheng Ji, obwohl er der Allerletzte der Tour ist. Und überhaupt: Vielleicht ist Doping ja wirklich auf einer „Welle nach unten“, um noch mal den Franken Sörgel zu zitieren. Vorsicht aber: Das klingt viel zu schön, um wahr zu sein. Der Fachmann weiß das, er sagt deshalb auch: „Irgendwann kommt die Seuche zurück.“

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