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Davis Cup : Das Gefühl, dran zu sein

  • -Aktualisiert am

Bekenntnis zum Davis Cup: Auf Alexander Zverev ruhen die deutschen Hoffnungen Bild: EPA

Im deutschen Davis-Cup-Team herrscht vor dem Viertelfinale in Spanien Zuversicht. Daran ändert auch das Comeback von Tennis-Superstar Rafael Nadal nichts. Zum Auftakt spielt am Freitag aber erst einmal Alexander Zverev gegen David Ferrer.

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          Der spanische Teamchef Sergi Bruguera wirkte von der Nachfrage ein bisschen überrascht. „Alles läuft perfekt, er kann alles trainieren, er ist voll motiviert, ich denke, er ist bei 100 Prozent.“ Er, das ist Rafael Nadal, nicht nur die Nummer eins der Tennis-Welt, sondern auch ein großes Fragezeichen. Nach fast 15 Jahren in der Weltspitze kann sich der Spanier nicht mehr auf seinen Körper verlassen, dem er durch seine aufreibende Spielweise noch mehr abverlangt, als es Tennisprofis von Berufs wegen ohnehin schon tun.

          Peter Heß

          Sportredakteur.

          Die letzten beiden Auftritte musste Nadal abbrechen, das ATP-Masters im vergangenen Dezember in London und die Australian Open in Melbourne im Januar 2018. Seitdem hat der Spanier kein offizielles Match mehr bestritten. Aber jetzt gibt es für Bruguera keinen Zweifel mehr: Nadal sei bereit für das Comeback. Das Davis-Cup-Viertelfinale zwischen Spanien und Deutschland in Valencia am Wochenende erhält somit zusätzlichen Glanz, wenn Nadal am Freitag gegen Philipp Kohlschreiber zum zweiten Einzel antritt. Zuvor treffen Alexander Zverev und David Ferrer im Auftakteinzel (ab 11.30 Uhr/ DAZN) aufeinander.

          Der Traditionswettbewerb hat es nicht leicht gehabt in den vergangenen Jahren, immer mehr Stars wendeten sich ab wegen der Zusatzbelastung. Aber dieses Viertelfinale bedeutet eine Trendwende. Mit den Spitzenspielern Nadal und Alexander Zverev treffen die Nummer eins und die Nummer vier der Welt aufeinander. Die Spanier bieten mit Pablo Carreno Busta und Roberto Bautista Agut zudem die Nummer zwölf und 17 auf, die Deutschen mit Philipp Kohlschreiber und Jan-Lennard Struff immerhin noch die Nummer 34 und die Nummer 60.

          Wieder auf dem Platz: Rafael Nadal verleiht dem Viertelfinale Glanz

          Die Papierform und der Heimvorteil sprechen für die Spanier. Der deutsche Teamkapitän Michael Kohlmann ist jedoch fest davon überzeugt, dass sein Team viel entgegenzusetzen hat: „Wir haben einfach das Gefühl, dran zu sein. Die Mannschaft ist heiß auf dieses Viertelfinale. Da ist es egal, wo es stattfindet und wie der Gegner heißt.“

          Gute Stimmung im Team

          Seit Jahren haben die deutschen Tennis-Herren das Gefühl, etwas reißen zu können. Aber immer lief in der ersten Runde etwas schief. Am enttäuschendsten war die Heimniederlage gegen das Außenseiterteam von Belgien im vergangenen Jahr, das dann ins Finale einzog. Dass sich die Deutschen einen Durchmarsch bis ins Endspiel auch zutrauen, hat nichts mit Größenwahn zu tun, was der 3:2-Auswärtssieg gegen die starken Australier Anfang Februar unterstrich. Mentalität und Spirit im deutschen Team stimmen in jedem Fall.

          Das lässt sich schon daran ablesen, dass sich Mischa Zverev in Valencia beim Team aufhält, obwohl er gar nicht nominiert wurde. Kohlmann sagt, dass er „noch nie so eine Stimmung“ um den Davis Cup erlebt habe. Entscheidend für die neuen großen Davis-Cup-Ambitionen ist Alexander Zverevs eindeutiges Bekenntnis zum Wettbewerb. Mit dem 20 Jahre alten Hamburger hat das deutsche Team eine Nummer eins, die jeden Gegner schlagen kann. Die Voraussetzungen, Weltklasseleistungen in Valencia abzurufen, stehen für ihn allerdings nicht günstig. Noch am Sonntag stand Zverev im Finale des Endspiels des Masters-Turniers in Miami. Er verlor es gegen den Amerikaner John Isner, was ihn so wurmte, dass er seinen Schläger zerbrach.

          Umstellung für Zverev

          Am Montagabend landete Zverev in Valencia und muss sich nun bis Freitag auf einen neuen Bodenbelag – von Hartplatz auf Sand – neue Bälle und eine andere Zeitzone umstellen. Die ersten Trainingseindrücke waren nicht schlecht. Kohlmann sagt: „Bis zum Wochenende wird Alexander auch in der mentalen Verfassung sein, wie wir sie uns wünschen.“

          Die deutsche Nummer zwei muss nicht aufgebaut werden. Kohlschreiber kommt mit der Empfehlung eines Sieges über den Dritten der Weltrangliste, Marin Cilic, nach Valencia, wo er seinen Lieblingsbelag Sand vorfindet. Mit 34 Jahren spielt der Augsburger immer noch auf dem Niveau, das ihn im vergangenen Jahrzehnt konstant auf Weltranglistenplätzen zwischen 16 und 35 hielt. Kohlschreiber freut sich auf einen weiteren großen Auftritt im Davis Cup, der durch Nadal noch ein bisschen größer wird. „Er ist der Sandplatzkönig, das habe ich einige Male selbst erleben dürfen“, so Kohlschreiber, der den Spanier im Training beobachtete. „Er hat leider sehr dynamisch trainiert. Es sah aus, als könnte er jeden Tag spielen. Aber vielleicht ist er ja noch ein bisschen eingerostet, weil er so lange pausiert hat.“

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