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Showdown ohne Show : Das beste Finale seit Jahren

Berlins Aleksandar Okolic (rechts) jubelt nach einem Treffer gegen den VfB Friedrichshafen. Bild: dpa

Am Bodensee steht die wichtigste Volleyball-Partie des Jahres an. Spiel fünf entscheidet die deutsche Meisterschaft: Berlin oder Friedrichshafen? Ein Klub ist schon jetzt der Gewinner der Saison.

          Es wird das letzte, das wichtigste und vielleicht auch das beste Spiel des Jahres sein, das an diesem Mittwochabend (20.30 bei sportdeutschland.tv) über die deutsche Meisterschaft im Volleyball entscheiden wird. In neun Spielen, 39 Sätzen und 1729 Ballwechseln haben sich der VfB Friedrichshafen und die Volleys Berlin, die beiden stärksten Teams Deutschlands, zu diesem Endspiel hochgeschaukelt. In der Liga und in der Champions League siegte stets der zwölfmalige Meister vom Bodensee. In der Finalserie gingen die unter Trainer Stelian Moculescu erstarkten Berliner – achtzehn Jahre war er Trainer in Friedrichshafen – überraschend 2:0 in Führung. Sie verloren die beiden Spiele, in denen sie ihren neunten Titel hätten holen können, den dritten nacheinander.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Vor 7600 begeisterten Zuschauern unterlagen die Volleys am Sonntag in der Max-Schmeling-Halle am Berliner Mauerpark in 2:3 Sätzen, und jeder Ballwechsel löste einen Song oder ein Jingle aus. „Mein Block, mein Block!“ dröhnt es durch die Halle, es wurde zu „Kalinka“ geschunkelt, mit der Klatschpappe gelärmt, und der Ruf „Rooo-bert!“ aus der Doku-Soap „Die Geissens“ wurde eingeblendet, wenn Publikumsliebling Kromm wieder einmal punktete.

          In Friedrichshafen wird es, wie immer, nüchtern zugehen. Die Spieler werden aufs Feld spazieren in der ZF-Arena, sich warm machen und spielen. Ein Spektakel mit Scheinwerfern, die jedem einzelnen Akteur beim Einlaufen folgen, ist dort nicht üblich. „Wir haben das Handicap, dass wir das Licht nicht ausmachen können“, sagt Wunibald Wösle, der Vereinspräsident. Würde man die Lampen ausschalten, brauchten sie reichlich eine Viertelstunde, bis sie wieder eingeschaltet werden können. Und eine moderne LED-Beleuchtung, das hat er selbstverständlich ausgerechnet, würde 300.000 Euro kosten. Wer sollte die bezahlen?

          Werbung für Volleyball

          Die Finalserie der Volleyball-Liga, die auch bei sportdeutschland.tv im Internet übertragen wird, ist, wie man so schön sagt, Werbung für die Sportart. „Was beide Vereine bieten, ist das Beste, was wir seit Jahren gesehen haben“, schwärmt Wösle. Die 4000 Tickets für das Finale der Finalserie waren nach 18 Stunden ausverkauft. Doch beim ersten und dritten Spiel war die Arena halbleer. „Wir haben ein Einzugsgebiet von nur 180 Grad. Auf der anderen Seite liegt der See“, scherzt Wösle. „Vielleicht gibt es eine gewisse Sattheit bei den Zuschauern. Wenn’s um etwas geht, sind sie da.“

          Kaweh Niroomand, der Manager der Berliner, hat einen anderen Anspruch. Dass er an zwei Sonntagen nacheinander insgesamt 15.000 Tickets verkaufen konnte, sei beispiellos und habe nicht nur mit Volleyball zu tun. „Das wird uns helfen, unsere Marke in Berlin und Deutschland zu verbreiten“, freut er sich. „Wir wollen als Lokomotive Volleyball in Deutschland voranbringen, und dies sind die Events, die wir dafür brauchen. Es wäre schön, wenn es so etwas bei den beiden sportlich erfolgreichsten Mannschaften gäbe. Nur dann können wir alle davon profitieren.“

          Doch eine Show, wie er sie inszeniert, um auch Zuschauer zu locken, die noch nie bei einem Volleyballspiel waren, kostet viel Geld. Während Berlin zusätzlich zum Etat für die Mannschaft Budgets für Marken-Verbreitung und Event-Organisation hat, konzentriert sich Friedrichshafen darauf, Trainer Vital Heynen und dessen Spieler zu bezahlen. Mit Sport könne man eben nur die Sportbegeisterten anziehen, sagt Wösle, deren Zahl sei begrenzt. Mehr zu tun sei kritisch, da spricht der Schwabe, das müsse sich rechnen.

          Kurz vor Saisonbeginn verabschiedete sich in Friedrichshafen Geschäftsführer Sebastian Schmidt und ging nach Braunschweig in die Basketball-Bundesliga. Seitdem führt der 75 Jahre alte Andreas Turkowski, ein ehemaliger Manager, interimistisch die Geschäfte. „Krisenmanagement würde ich das nicht nennen“, sagt Wösle: „Wir haben das ganz ordentlich hingekriegt.“ Nun übernimmt Guido Heerstraß, der vom Handballklub TV Großwallstadt kommt, die Geschäftsführung. Er will das Marketing für Klub und Sportart forcieren. Ihm kommt zugute, dass sich Berlin und Friedrichshafen, so oder so, in den Fokus geschmettert haben. „Erstmals sind Sponsoren auf uns zugekommen“, sagt Wösle, „und sagen: Da wollen wir mitmachen.“ Die beste Werbung ist Erfolg.

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