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Houston Rockets : Die letzte Zündstufe für „Moreyball“

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Deryl Morey will die Houston Rockets mit einem speziellen Plan zum Erfolg führen. Bild: Picture-Alliance

Mit Statistiken und Prognosen zum NBA-Titel: Daryl Morey und sein Plan für die Houston Rockets ist ein besonderer. Der erste Test findet gleich zum Saisonstart statt.

          Das Dumme an einer Aufgabe wie seiner: Ob etwas funktioniert, weiß man als Chef-Manager eines Klubs in der besten Basketballliga der Welt erst hinterher. Doch für Daryl Morey ist gerade dies das Interessante. Denn es zwingt einen, sich für Methoden zu interessieren, mit denen man auf der Basis nüchterner Daten ziemlich sichere Vorhersagen machen kann. Man will schließlich nicht, dass einem das emotionale Ich einen Streich spielt. „Dein Gehirn muss sich ständig in einer defensiven Haltung gegenüber dem ganzen Mist befinden, der versucht, dich an der Nase herumzuführen“, hat der 45-Jährige mal erklärt, der Universitätsabschlüsse in Informatik und Betriebswirtschaft hat. Seiner Arbeitsweise einen griffigen Namen zu verpassen war denn auch nicht schwierig: „Moreyball“, eine Anspielung auf den Begriff, der im amerikanischen Mannschaftssport seit ein paar Jahren für das kalt kalkulierende Statistik-Prinzip namens „Moneyball“ kursiert.

          Seit er 2007 bei den Houston Rockets die Verantwortung hat, besteht seine Formel aus ein paar Grundideen: so viele Dreier wie möglich riskieren; im Angriff ein derart hohes Tempo gehen, dass der Gegner keine Zeit hat, sich darauf einzustellen. Nicht nur statistisches Material vom Spielfeld wird in Houston erfasst. Morey will wissen, aus welchen familiären Verhältnissen Aspiranten kommen, ob ihre College-Trainer gut sind, welches System sie spielen lassen. Ob ein Linkshänder Vorteile hat und ob das Eisenstemmen im Fitnessraum ein Faktor ist. „All das war nicht besonders gut geeignet, um Prognosen zu stellen“, gab Morey vor einer Weile zu. Aber: „Die Zahl der Rebounds je Minute ist nützlich, wenn man das Potential eines besonders groß gewachsenen Basketballers bewerten will. Steals je Minute verraten dir etwas über die kleinen Spieler. Es ist nicht so wichtig, wie groß jemand ist, sondern wie weit er mit seinem ausgestreckten Arm kommt.“

          Einem derartigen Geek, einem von Zahlen Besessenen, ein Gehaltsbudget von 100 Millionen Dollar und mehr anzuvertrauen war in der NBA vor ein paar Jahren unmöglich. Morey war der erste Branchenfremde, dem ein Klubbesitzer derartiges Vertrauen aussprach. Für diesen Eigentümer, der ausdrücklich einen „Moneyball“-Mann haben wollte, weil ihm die intuitiven Personalentscheidungen im Klub gegen den Strich gingen, ist die Rechnung aufgegangen: Leslie Alexander, der das Team 1993 für 83 Millionen Dollar gekauft hatte, das gleich zum ersten Mal und 1995 zum bislang letzten Mal die Meisterschaft gewann, verkaufte die Rockets im September für eine Summe, die im amerikanischen Ligasport neue Maßstäbe setzte. Der texanische Unternehmer Tilman Fertitta zahlte ihm 2,2 Milliarden Dollar. Wenige Monate zuvor hatte Alexander Moreys Vertrag verlängert, der nun bis zum Ende der Saison 2021/22 läuft. Genug Planungssicherheit, um die letzte Zündstufe für „Moreyball“ einzuschalten.

          Ein Projekt, das mit der Verpflichtung von James Harden 2012 begann, den der Klub im Sommer für eine neue NBA-Bestmarke von 228 Millionen Dollar bis 2023 an sich band. Der Mann mit dem Bart hatte die statistisch beste Saison seiner Karriere abgeliefert: 29,1 Punkte, 11,2 Vorlagen und 8,1 Rebounds je Spiel. Das Vorhaben ist mit Namen verbunden wie Chris Paul, dem Spielmacher, den man sich in einem Tauschgeschäft mit den Los Angeles Clippers sicherte. Und mit Trainer Mike D’Antoni, der nach einer stilprägenden Zeit vor zehn Jahren bei den Phoenix Suns erst in Houston wieder einen Kader beieinander hat, mit dem sein Rezept funktioniert, hauptsächlich auf Geschwindigkeit und auf Dreier zu setzen.

          Der 66 Jahre „Coach des Jahres“ machte aus einer langweiligen Mannschaft ein modernes Basketball-Laboratorium, das die Zuschauer auf den Rängen begeistert. Die spielerische Substanz reichte in den Play-offs allerdings nicht. In der zweiten Runde kam gegen San Antonio das Aus. Für Morey kein Grund zur Resignation. Es geht um mehr: Er will die Meistermannschaft der Golden State Warriors packen („eine der besten als aller Zeiten“) und glaubt, die wesentlichen Defizite aufgeholt zu haben. „Sie sind wieder die Favoriten“, meinte er. „Aber wir haben das Gefühl, jetzt eine Gruppe von Spielern beieinander zu haben, die mithalten kann.“ Der erste Test findet gleich zum Auftakt der neuen Saison am Dienstag (Ortszeit, Mittwoch, 4.30 Uhr MESZ) statt. Dann treffen die Rockets in Oakland auf die Warriors.

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