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Darts-WM : Van Gerwen löst das Versprechen ein

Der Beste mit den Pfeilen: Michael van Gerwen ist neuer Darts-Weltmeister Bild: AFP

Michael van Gerwen ist neuer Weltmeister im Darts. Nach dem Finalsieg über Paradiesvogel Peter Wright ist der Niederländer der jüngste Titelträger in der Geschichte der Turniere des Darts-Verbands PDC.

          Im Mai 2007 hatte Michael van Gerwen das große Versprechen abgegeben. Der außerhalb der Turnierbühne zurückhaltende und nicht eben redselige Niederländer brauchte dafür nicht einmal Worte. Es waren nur neun Würfe mit seinen Pfeilen, die dem damals 17 Jahre alten Nachwuchs-Darts-Profi den belastenden Ruf einbrachten, eines Tages Weltmeister zu werden. Denn damals ist ihm das Kunststück gelungen, gegen seinen Landsmann und damaligen amtierenden Weltmeister Raymond van Barneveld mit eben dieser mindestens notwendigen Zahl an Darts die 501 Punkte herunterzuspielen, die für den Gewinn eines Spiels notwendig sind.

          Achtmal muss ein Spieler dafür aus 2,37 Meter Entfernung zunächst in Serie in nur acht Millimeter hohe und rund vier Zentimeter breite dreifach zählende Felder auf der in 20 Kuchenstücke aufgeteilten Darts-Scheibe treffen, ehe er zum Abschluss mit einem Treffer ins passende Doppelfeld am Rand der Scheibe den verbleibenden Rest der 501 Punkte exakt auf Null spielt. Das wertvollste Feld, die Dreifach-20 bringt einen bei dieser Jagd mit 60 Zählern pro Wurf am schnellsten voran, vor dem letzten Versuch muss indes zum „Auschecken“ mit einem Doppel-Feld“ eine gerade Restzahl übrig bleiben.

          Solche „Nine Darter“, zumal vor laufenden Fernsehkameras und somit unter dem Druck einer großen TV-Öffentlichkeit, sind im Darts eine Seltenheit. Van Gerwen war das Kunststück im Mai 2007 als bis heute jüngstem Spieler gelungen. Gewissermaßen trug er anschließend jahrelang die Bürde dieses großen Wurfs. Er wurde zwar Junioren-Weltmeister; der Durchbruch bei den Profis ließ aber etwas länger als einst nach seinen neun Würfen vermutet, auf sich warten.

          Jüngster Weltmeister

          Seit dem späten Abend des Neujahrstags hat das Warten ein Ende: Van Gerwen ist nach seinem 7:4-Finalsieg über den überraschend ins Endspiel eingezogenen Paradiesvogel Peter Wright nicht nur der jüngste der nun sechs Weltmeister in der Geschichte der seit 1994 ausgetragenen PDC-Weltmeisterschaften. Er hat dank der Rekord-Siegprämie von rund 300.000 Euro zugleich die schon 16 Mal zum Weltmeister gekürte Darts-Legende Phil Taylor als Nummer eins der Weltrangliste abgelöst, die sich allein an der Höhe des eingespielten Jahres-Preisgelds orientiert.

          Fairer Verlierer: Der Schotte Peter Wright (r.) hat Farbe ins Spiel gebracht

          Diesen Platz hatte Taylor seit Einführung vor sechs Jahren stets persönlich inne. In den vergangenen zwölf Monaten war aber van Gerwen mit einem Preisgeld von fast einer Million Euro der Bestverdiener. „Für mich ist heute ein Traum in Erfüllung gegangen. Das ist der größte Tag meines Lebens“, sagte van Gerwen, der im Vorjahr noch trotz einer 4:2-Führung im Endspiel an Taylor gescheitert war. Als Lohn bekam er neben der Siegprämie den Sid-Waddell-Pokal, der für das zum englischen Fernsehsport schlechthin aufgestiegene Darts bezeichnenderweise nach einem verstorbenen, legendären Fernsehkommentator benannt ist.

          Endlich die Wachablösung?

          Der Sieg van Gerwens könnte dann doch die Wachablösung eingeleitet haben, die die Darts-Szene seit Jahren erwartet. Immer wieder einmal zeigte Phil Taylor schon in den Vorjahren Schwächen, der 53 Jahre alte Engländer kam aber stets noch stärker zurück. Auch im vergangenen Jahr beherrschte er nach seinem 16. WM-Titel zu Jahresanfang die großen Turniere – um dann aber beim traditionell im Londoner Alexandra Palace ausgetragenen Jahreshöhepunkt sensationell in Runde zwei zu scheitern. Taylor unterlag dabei Michael Smith, dem amtierenden Junioren-Weltmeister, der wie einst van Gerwen spätestens seit diesem Coup kurz vor Weihnachten als das nächste großen Versprechen unter den Pfeilewerfern gilt. Dieses Mal scheiterte Smith aber noch nach dem großen Sieg an dem späteren Finalisten Wright, so dass es erstmals in den zwei Jahrzehnten der PDC-Turniere ein Finale ohne Beteiligung eines Spielers aus dem Darts-Mutterland England gab.

          Mit Trophäe: Der Pokal des Weltmeister ist nach dem verstorbenen TV-Kommentator Sid Wadsell benannt

          Die rund 3000 Fans im ausverkauften Alexandra Palace, der Kult-Austragungsstätte der Turniere mit bierseliger Festzelt-Atmosphäre samt lauten Anfeuerungsgesängen, mussten sich deshalb notgedrungen für den Schotten Wright ins Zeug legen – ein Phänomen, das die Engländer von Andy Murrays Siegen auf dem heiligen Tennis-Rasen von Wimbledon ja schon kennen. Die Unterstützung half jedoch nichts, und so hat nun erst einmal die Regentschaft van Gerwens begonnen, obwohl der Favorit im Finale nach einer schnellen 4:0-Satzführung (zum Gewinn eines Satzes muss ein Spieler drei „Legs“ von 501 abwärts erringen) erstaunliche Nervosität zeigte.

          Der Überraschungsfinalist Wright kam zunächst auf 2:4 und später auf 4:6 heran, ehe er knapp die Chance verpasste, den Anschluss wieder herzustellen. Sein Wurf auf das Doppel-20-Feld am äußersten Ring der Dartscheibe, mit dem er das Leg gemäß der Regeln beendet und den Satz gewonnen hätte, verfehlte denkbar knapp das Ziel. „Das wäre noch einmal eine Chance gewesen, aber verloren habe ich das Finale zu Beginn“, sagte Wright.

          Es kommt Farbe ins Spiel

          So sehr van Gerwen die sportliche Rangordnung aufgemischt hat, so bleibt von Wright aber zumindest eine modische Note, die die Präsentation des Darts verändern könnte. Bislang war den Sportlern vorgeschrieben, Hosen in Schwarz zu tragen, Ausnahmen waren höchstens einmal sehr gedeckte Farben. Wright aber trat an die PDC mit dem Wunsch heran, zu seinem stets papageienhaft gestylten Haar passend bunte Hosen tragen zu dürfen, um ihm einen Sponsorenvertrag mit einem amerikanischen Bekleidungsunternehmen zu ermöglichen. Und so kam durch den Überraschungsfinalisten Wright nicht nur sportlich Farbe ins Spiel mit den Pfeilen.

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