https://www.faz.net/-gtl-9uxus

Aufregung beim Darts : „Das hat mich einen Platz im WM-Finale gekostet“

  • Aktualisiert am

Gerwyn Price verlor das Halbfinale bei der Darts-WM deutlich. Bild: dpa

Nach arroganten Ansagen und provozierenden Posen scheitert Gerwyn Price im WM-Halbfinale an Peter Wright und verpasst das Traumfinale gegen Michael van Gerwen. Auf der Bühne kommt es fast zu einem Eklat. Später legt Price noch nach.

          2 Min.

          Große Klappe, schwache Leistung: Muskelprotz Gerwyn Price hat nach arroganten Ansagen und provozierenden Posen eine Menge Spott geerntet und das große Traumfinale gegen Michael van Gerwen bei der Darts-WM 2020 in London verpasst. Vor seinem 3:6 gegen den schottischen Paradiesvogel Peter Wright hatte der frühere Rugby-Profi noch getönt: „Jetzt mache ich ihn mit 6:0 fertig. Er kann froh sein, wenn er einen Satz gewinnt.“ Am Ende war der Waliser Price sportlich klar unterlegen und fiel auf der größten Darts-Bühne der Welt nur durch sein aggressives und extravagantes Verhalten auf, was ihm viele Beobachter übel nahmen.

          Nach dem Aus verzichtete er als Verlierer zudem auf den obligatorischen Handschlag, wofür er sich nachts noch in den sozialen Netzwerken rechtfertigte. Der Handschlag sei keine Regel, stellte er klar. Doch damit nicht genug, Price legte Stunden nach seinem Aus mitten in der Nacht via Twitter nach: „Ich war verärgert über die Reaktion von Peter und denke, dass es nicht in Ordnung war, wenn man die Konsequenzen bedenkt“, sagte der Waliser über Wright, der nach der 6:0-Ankündigung die Zunge ausstreckte, als er den ersten Satz gewann.

          „Ich habe mich danach nie wohlgefühlt und es hat mich angepisst. Ich war ab diesem Punkt Müll und es hat mich einen Platz im WM-Finale gekostet“, rechtfertigte sich Price, der das mit Abstand schwächste Spiel seines WM-Turniers ablieferte. Am Dienstag meldete sich Price mit versöhnlichen Worten noch einmal zu Wort. Er habe „überreagiert“ und werde „daraus lernen“, stellte der 34-Jährige klar. „Ich habe mich für mein Verhalten persönlich bei Peter entschuldigt“, schrieb Price.

          Das klare 3:6 war kein Zufall, sondern die Folge einer schwachen Leistung, die Price den erwarteten Platz im WM-Finale an Neujahr (20.00 Uhr MEZ bei Sport1 und DAZN) kostete. Dort duelliert sich Wright nun mit Titelverteidiger van Gerwen, der nach einem 6:3 im Halbfinale gegen Nathan Aspinall (England) seinen vierten Titel anpeilt. Price hatte nach einem starken Herbst darauf gehofft, dass es seine WM wird. Der 34-Jährige überstand in den ersten Runden ein paar kritische Momente und wollte unbedingt ins Finale mit Dauerrivale van Gerwen, dem er bereits nach seinem Viertelfinal-Sieg ein paar nette Grüße schickte. „Ich möchte ins Finale kommen, gegen van Gerwen spielen, den Titel gewinnen und es ihm direkt ins Gesicht reiben“, protzte Price – auch hier waren die gewählten Worte deutlich größer als die später am Darts-Board gezeigte Performance.

          Öffnen
          Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf Bild: FAZ.NET

          Ohne Price ist die Favoritenrolle im Endspiel noch klarer verteilt, der Weltranglistenerste van Gerwen hat gegen „Snakebite“ eine hervorragende Bilanz. „Bei den meisten Duellen mit mir trifft Peter seine Doppel-Felder nicht, was für mich eine gute Sache ist. Ich denke, er hat mehr Angst vor mir als ich vor ihm“, sagte „Mighty Mike“ selbstbewusst. Nach WM-Titeln 2014, 2017 und 2019 könnte er nun erstmals den WM-Titel erfolgreich verteidigen.

          Der 49 Jahre alte Wright, schon 2014 WM-Finalgegner van Gerwens, sieht sich in einer ganz anderen Situation als damals. „Ich bin älter und gereifter als ich es vor sechs Jahren war, ich habe mich damals nicht bereit für einen WM-Titel gefühlt. Heute fühle ich mich bereit“, erklärte der Schotte. Für den Sieger gibt es 500.000 Pfund.

          Nach ihren historischen Siegen bei der Darts-WM wird Fallon Sherrock im kommenden Jahr häufiger direkte Duelle mit ihren männlichen Rivalen auf der Profi-Tour bekommen. Die 25 Jahre alte Engländerin bestreitet 2020 die komplette World Series, wie der Weltverband PDC am Rande der Weltmeisterschaft in London mitteilte. Sherrock wird damit neben ihrem ohnehin schon geplanten Auftritt in New York auch in Kopenhagen und Hamilton (Neuseeland) an den Start gehen. Auch in Australien und Deutschland wird es Stationen der World Series geben.

          Verbandsboss Barry Hearn sagte: „Fallon hat Frauen-Darts bei der WM großartig präsentiert und wir freuen uns, ihr eine weltweite Bühne zu geben, um in der World Series of Darts anzutreten.“ Bei der WM hatte Sherrock ihren Landsmann Ted Evetts (3:2) und Österreichs Weltklassespieler Mensur Suljovic (3:1) besiegt und war überraschend in die dritte Runde gekommen. „Ich bin so aufgeregt, dass ich diese Chance kriege und kann es nicht erwarten, auf der World Series zu spielen“, sagte Sherrock.

          Weitere Themen

          Zverev besiegt den Größten

          Tennis-Erfolg in Tokio : Zverev besiegt den Größten

          Die Nummer eins der Weltrangliste ist geschlagen: Alexander Zverev gewinnt im Halbfinale der Olympischen Spiele gegen den großen Favoriten Novak Djokovic und spielt nun um die Goldmedaille.

          Glücklich bei der Familie

          Mein Tokio (6) : Glücklich bei der Familie

          Tim Pütz genießt es, Olympionik gewesen zu sein. Zurück in Deutschland blickt er aber auch mit einem weinenden Auge auf Japan und denkt bereits an die Zukunft, an die Familie und einen Grand-Slam-Titel.

          Topmeldungen

          Einsatz in Kirli: Feuerwehrleute versuchen ein Feuer in der türkischen Provinz Antalya unter Kontrolle zu bringen.

          Brände in Türkei und Italien : Heftige Feuer im Mittelmeerraum

          In der Türkei und in Italien brennen die Wälder. Schuld sind womöglich Brandstifter. Eine seit Anfang der Woche andauernde Hitzewelle in Griechenland geht indes auf ihren Höhepunkt zu – mit Temperaturen von bis zu 45 Grad.
          Markus Söder im Landtag, im Vordergrund Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) am Rednerpult

          Testpflicht und Impfregime : Söders Sorgen

          Die Testpflicht ist das Eingeständnis von Bund und Ländern, dass ihre Strategie nicht aufgegangen ist. Die Impfmüdigkeit ist zu groß. Der Grund: Eigensinn und Politiker wie Hubert Aiwanger.

          Aufruhr im Schwimmen : Zurück im Doping-Sumpf

          Ryan Murphy wird von Jewgeni Rylow geschlagen. Der Amerikaner spricht im Anschluss von einem Rennen, das „wahrscheinlich nicht sauber“ war – und wird vom Olympischen Komitee Russlands als Verlierer verhöhnt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.