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Finale der Darts-WM : Van Gerwen auf dem Weg zum Taylor-Nachfolger

WM-Titel in London – und das soll es noch lange nicht gewesen sein für Michael van Gerwen. Bild: dpa

Michael van Gerwen gewinnt zum dritten Mal die WM des Profi-Dartsverbands PDC. Der Erfolgshunger des Niederländers ist aber noch lange nicht gestillt – und das macht er auch deutlich.

          4 Min.

          Die Art und Weise, wie Michael van Gerwen völlig ungefährdet die Dart-WM des Profiverbands PDC gewonnen hat, ist eigentlich schon Drohung genug. Das Finale vor 3000 Zuschauern im Londoner Alexandra Palace und einem Millionenpublikum an vor allem englischen, niederländischen und deutschen TV-Bildschirmen dominierte der 29 Jahre alte Niederländer angesichts einer schnellen 4:0-Satzführung nahezu nach Belieben.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Er gewann am Ende mit 7:3 gegen den Engländer Michael Smith und sicherte sich eine Prämie von gut 550.000 Euro. Doch die wirkliche Ansage an die Konkurrenz folgte erst im Sieger-Interview: „Ich denke, dass ich eigentlich schon mehr als drei Weltmeistertitel hätte gewinnen müssen bis zum heutigen Tag“, sagte van Gerwen.

          Der WM-Titel ist gewonnen, es komme der nächste. Die Garde an jungen Turnierüberraschungen, die in den vergangenen drei Wochen bei der WM auf sich aufmerksam gemacht hat, sollte nicht mit allzu großen Hoffnungen in die kommenden Jahre gehen. Michael van Gerwens Erfolgshunger ist noch lange nicht gestillt.

          Auf den Spuren des Rekordweltmeisters

          Er ist dank seines dritten Titels nach Erfolgen in den Jahren 2014 und 2017 bereits der zweiterfolgreichste Spieler der Geschichte der Professional Darts Corporation nach Rekordweltmeister Phil Taylor, der 14 Mal bei PDC-Turnieren gesiegt – und zudem vor der PDC-Gründung zwei Titel beim Konkurrenzverband BDO errungen hatte. Aber van Gerwen will mehr. Er will endgültig der legitime Nachfolger der Dart-Legende werden, nachdem er in den vergangenen vier Jahren bereits die großen Turniere in bester Taylor-Manier beherrscht hat. Die Ausgangslage ist dabei erst einmal günstig: Der neue Weltmeister ist bei seinem dritten Titelgewinn so alt wie Taylor einst bei seinem Premierenerfolg im Jahr 1990.

          Michael Van Gerwen bejubelt den Gewinn der Darts-WM.
          Michael Van Gerwen bejubelt den Gewinn der Darts-WM. : Bild: dpa

          Die nun zu Ende gegangene Weltmeisterschaft dominierte van Gerwen zudem erstaunlicherweise völlig ungefährdet, obwohl er bei weitem nicht seine allerbesten Darts warf: Nach einem durchwachsenen Jahr und vor allem einem Herbst mit einigen deprimierenden Niederlagen reiste er durchaus verunsichert nach London. Doch keiner seiner Gegner wusste aus den ungewohnten Selbstzweifeln Kapital zu schlagen. „Ich war nervös und, um ehrlich zu sein: Ich habe nicht so gut gespielt, wie ich es gerne wollte“, sagte der Niederländer, der im Finale bei einem Drei-Dart-Durchschnittspunktewert von knapp 102 wie auch in den meisten Runden zuvor weit unter seinen Möglichkeiten geblieben ist.

          Er spielte die immer wieder bei 501 beginnenden Legs  konstant herunter, sodass er meist als Erster die drei für einen Satzgewinn nötigen Einzelspiele zusammen hatte. Er glänzte aber beispielsweise nicht wie gewohnt mit wahren Salven an 180ern, dem Maximalwert aus drei Würfen in die Dreifach-20. Zudem ließ er häufiger als üblich die zum Beenden eines Legs nötigen Doppelfelder aus. „Aber solange Du gewinnst, ist das alles, was zählt“, sagte er so lapidar wie berechtigt.

          Fast so dominant wie Taylor

          Und so endete eine wenig glamouröse Van-Gerwen-WM mit dem deutlichsten Durchmarsch eines Spielers seit den größten Tagen von Rekordweltmeister Phil Taylor. Van Gerwen gab gerade einmal acht Sätze ab.
          Taylor, der nach der Finalniederlage der Vorjahres-WM vom Turniersport zurückgetreten war, hatte einst die Konkurrenz in seinen allerbesten Jahren zwischen 1995 und 2010, in denen er 13 von 16 Weltmeisterschaften für sich entschied, in einer teils noch brutaleren Weise beherrscht als nun van Gerwen: Der mittlerweile 58 Jahre alte und nur noch bei Schaukämpfen am Board stehende Engländer war damals durch WM-Turniere marschiert, bei denen er mehrfach nur drei oder vier Sätze abgab. Endspiele gewann er gleich viermal „zu null“ und demütigte seine Gegner dabei.

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