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Debatte um Alkohol : Die Darts-WM und die Männer aus dem Pub

Kneipentreuer Rekordweltmeister: Phil Taylor Bild: mauritius images / Marco Kessele

Von diesem Freitag an kämpfen die besten Dartsspieler um den WM-Titel im „Alexandra Palace“. In London wird dann wieder viel Alkohol fließen – auch unter den Spielern. Das Thema ist ziemlich heikel.

          4 Min.

          Wenn an diesem Freitag (20.00 Uhr bei Sport1 und DAZN) die Darts-Weltmeisterschaft in London beginnt, wird man im „Alexandra Palace“ sein eigenes Wort nicht verstehen. Das wird vor allem am Alkoholkonsum unter den Zuschauern in der Halle liegen. Die Hemmschwelle sinkt, die Stimmen werden lauter – während auf der Bühne höchste Konzentration gefordert ist. Immer wieder werfen die Darts-Profis ihre Pfeile aus 2,37 Metern Entfernung ins Dreifach-20-Feld, ein 3,2 mal 0,8 Zentimeter kleines Ziel. Die Leistung ist enorm, durchaus vergleichbar mit dem Versuch, einen Schuss nach dem anderen links oben in der Torwand des ZDF-Sportstudios zu versenken. Drei solche Würfe in Serie bescheren den Höchstwert von 180 für eine Aufnahme. Dann grölt der ganze Saal noch einmal umso lauter.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei der Europameisterschaft 2018, die im Oktober in der Dortmunder Westfalenhalle ausgetragen wurde, saß der Physikprofessor Metin Tolan im Saal. Er war so fasziniert von dem, was er sah, dass er die für solche Wurfserien benötigte Exaktheit mit Hochpräzisionsmaschinen verglich. „Wenn man die Genauigkeit und Konstanz, mit denen die Spieler werfen, mit einer Maschine erreichen wollte, dann hätte man größte Schwierigkeiten, eine solche Maschine zu bauen“, sagte Tolan. „Die Spieler schaffen einen unfassbaren Grad der Reproduzierbarkeit.“ Als Tolan davon hörte, dass diese Leistungen von vielen Spielern unter Alkoholeinfluss erzielt werden, war er fassungslos. „Das ist unmöglich. Diese Höchstform an Konzentration und Genauigkeit würde gestört. Das wäre wissenschaftlich erwiesen leistungshemmend und ein Riesennachteil“, sagte er.

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