https://www.faz.net/aktuell/sport/mehr-sport/darts-wm-in-london-corona-faelle-sorgen-fuer-kritik-an-pdc-17709129.html

Omikron bei Darts-WM in London : Scharfe Kritik an der „großen Corona-Bombe“

  • Aktualisiert am

Die bunte Party bei der Darts-WM in London geht weiter. Bild: dpa

Der Darts-Weltverband PDC befindet sich nach den heftigen Corona-Turbulenzen in seiner wohl schwersten Krise. An einen Abbruch der WM in London denkt er dennoch nicht. Dabei ist die Kritik immens.

          3 Min.

          Topstars wie Weltmeister Gerwyn Price oder der frühere Champion Gary Anderson rufen nach einem vorzeitigen Abbruch der WM, der von einem positiven Corona-Test gestoppte Michael van Gerwen deckt schonungslos die Mängel des bereits eingestürzten Hygienekonzepts auf: Der Darts-Weltverband PDC befindet sich nach den heftigen Corona-Turbulenzen in seiner wohl schwersten Krise und muss nun in einem Themenfeld ran, in dem es mal nicht um Sport, Show und großes Entertainment geht. Sondern tatsächlich um die Frage, ob dieses mit knapp drei Millionen Euro dotierte Turnier mit dem geplanten Finale am 3. Januar wie vorgesehen beendet werden kann.

          Wissen war nie wertvoller

          Lesen Sie jetzt F+ 30 Tage kostenlos und erhalten Sie Zugriff auf alle Artikel auf FAZ.NET.

          JETZT F+ LESEN

          Die (vorläufige) Antwort lautet: So soll es sein. „Das Turnier wird wie geplant vor vollen Zuschauerrängen, wie von der britischen Regierung genehmigt, bis zu seinem Ende am 3. Januar fortgesetzt“, zitierte die „Bild“-Zeitung am Donnerstagnachmittag den Weltverband. Doch erhebliche Zweifel bleiben.

          „Das Turnier sollte verschoben werden“, hatte Price via Instagram gefordert. Dies sei zwar wahrscheinlich nicht die beste Option, „aber eine Option, mit der ich einverstanden wäre“. Am Mittwochabend legte der schottische Routinier Anderson nach, nachdem er gegen Englands Ian White einen 0:3-Rückstand in ein 4:3 verwandelte. „Für mich ist das nicht richtig. Es wird so viel Durcheinander in der Weltrangliste geben in den nächsten Monaten“, kommentierte „The Flying Scotsman“.

          Die PDC – eher Firma als Verband – schließt derweil sinnbildlich die Augen und hofft, die restliche WM trotz des großen Chaos und immer heftigerer Kritik durchziehen zu können. Dass nun auch die Stars der Szene das Wort erheben und sich gegen den Preisgeldgeber wenden, ist für den Weltverband ein ungewohntes Gefühl. Mehr als die Rufe nach einer Unterbrechung treffen die PDC dabei die heftigen Worte des ausgeschiedenen van Gerwen, der das Hygienekonzept massiv anprangerte.

          Kein strenges Hygienekonzept

          „Die PDC wird immer sagen, dass sie sich an die Regeln der Regierung gehalten hat, aber sie hätte mehr machen können. Die Kontrollen waren nicht stark genug. Es ist jetzt einfach eine große Corona-Bombe“, sagte der dreimalige Weltmeister dem niederländischen Portal „AD Sportwereld“. Damit hat van Gerwen durchaus einen Punkt: Die Macher handelten mit ihren Konzepten rechtmäßig und auf Basis der minimalen Standards, die von der britischen Regierung vorgegeben werden.

          Ein wirklich strenges Hygienekonzept, wie bei anderen internationalen Sportevents, suchte man aber vergeblich. Hört man, dass Spieler nach erfolgter Einreise zunächst keine weiteren Tests vor ihren jeweiligen Matches brauchten, erinnert dies eher an eine Bezirks-Veranstaltung, die bei der örtlichen Apotheke nicht mehr genug Kapazitäten für eine regelmäßige Testung auftreiben konnte. Nach Informationen von „ntv“ reichten dann sogar Selbsttests ohne Aufsicht. Eine sogenannte Blase, wonach Kontakte zur Außenwelt verboten sind, gab es nicht. Das ist in anderen Sportarten Standard.

          Öffnen
          Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf Bild: FAZ.NET

          Bei der WM waren seit Weihnachten van Gerwen, Raymond van Barneveld, Vincent van der Voort (alle Niederlande) sowie der Engländer Dave Chisnall positiv auf das Virus getestet worden. Auch Danny Noppert (ebenfalls Niederlande) berichtete von einem positiven Test, er ist zuvor aber ausgeschieden. Drei Spielausfälle waren die Folge. Die PDC kommunizierte dazu stets nur das Nötigste. Weitere Maßnahmen? Fehlanzeige. Ein paar Spieler kamen fortan mit Maske auf die Bühne, doch eine Vorgabe oder gar Pflicht war dies nicht.

          Wie geht es weiter? „Die PDC hat keine Pläne, ihre Covid-Protokolle für den Rest des Turniers zu ändern“, teilte der Verband der „Bild“-Zeitung mit. Das sportliche Spektakel mit dem Weltklasse-Duell zwischen Englands Michael Smith und Jonny Clayton aus Wales (4:3) vom Mittwoch half den Veranstaltern, mal wieder ein paar andere Darts-Schlagzeilen zu bekommen. Es ist bemerkenswert, wie die übertragenden Sendeanstalten wie Sky Sports auf dieser Linie mitziehen und den Sport stets über die Turbulenzen stellen. Selbst wenn es keine weiteren Fälle und eine reibungslose Finalwoche gibt, wird der Imageschaden groß bleiben.

          Der schottische Vorjahresfinalist Gary Anderson nimmt derweil Kurs auf seinen dritten Titel. Am späten Donnerstagabend entschied der 51-Jährige das Duell der ehemaligen Champions gegen Englands Rob Cross mit 4:3 für sich und steht nun im Viertelfinale. Dort bekommt es Anderson mit dem Engländer Luke Humphries zu tun, er wird die Begegnung als Favorit in Angriff nehmen. Gegen Cross, immerhin Weltmeister von 2018, hatte der Schotte im Alexandra Palace im ersten Satz Probleme. Danach drehte er auf und gewann am Ende im entscheidenden Satz.

          Auch der Weltranglistenzweite Peter Wright schaffte den Sprung in die Runde der letzten Acht. Der extravagante Schotte mit den bunten Haaren und Klamotten besiegte im letzten Match des Tages den Engländer Ryan Searle ohne Probleme mit 4:1. Zuvor hatten bereits die Engländer James Wade (4:0 gegen Martijn Kleermaker), Humphries (4:3 gegen Chris Dobey), Callan Rydz (4:1 gegen Alan Soutar) und Mervyn King (4:3 gegen Raymond Smith) das Viertelfinale, das an Neujahr ausgetragen wird, erreicht. In den vergangenen Tagen war das Turnier massiv von Corona-Fällen überschattet worden. Der Weltverband PDC will die WM trotzdem fortsetzen. Auch Vollauslastung auf den Zuschauerrängen ist weiter erlaubt.

          Dartsprofi Hopp behält seine Tourkarte

          Der ehemals beste deutsche Dartsprofi Max Hopp darf auch im kommenden Jahr auf die Teilnahme an den meisten Turnieren des Weltverbandes PDC hoffen. Durch die Niederlage des Australiers Raymond Smith im WM-Achtelfinale am Donnerstag gegen Mervin King steht fest, dass der „Maximiser“ in der neuen Weltrangliste unter den besten 64 Spielern bleibt - und damit seine Tourkarte behält. „Seine Nummer habe ich nicht, aber der Mann kann so viel Pizza von mir haben, wie er will“, sagte Hopp im Live-Kommentar des Streamingdienstes DAZN kurz vor dem entscheidenden Leg-Gewinn von King.

          Es ist eine Punktlandung für Hopp, der künftig als 64. gelistet werden wird. Der achtmalige WM-Teilnehmer aus Idstein hatte nach einem erfolglosen Jahr zum zweiten Mal seit seinem Debüt 2013 den Saisonhöhepunkt verpasst. Bis zuletzt musste er um seine Spielberechtigung auf der Tour bangen. Zuletzt hatte Hopp 2018 bei der WM gefehlt. Seit Donnerstag kommentiert er als Experte für DAZN an der Seite von Elmar Paulke. Für die Veröffentlichung seines Buchs „Von 0 auf 180 - eine Dartskarriere in Deutschland“ kurz vor Weihnachten erntete der 25-Jährige in den sozialen Netzwerken von einigen Usern Hass und Häme. (sid)

          Weitere Themen

          Abschied des Gangster-Rappers

          Fußball-Transferticker : Abschied des Gangster-Rappers

          Fink verlässt Riga +++ Manolis Saliakas kommt ans Millerntor +++ Barca buhlt um Lewandowski +++ Tuta bleibt bei der Eintracht +++ Kampl verlängert bei RB Leipzig +++ Alle Infos im Transferticker.

          Topmeldungen

          Österreichs Außenminister Alexander Schallenberg untersagte der ukrainischen Botschaft, auf ihrer Internetseite Kämpfer anzuwerben.

          Ukraine-Liveblog : Österreich will NATO weiterhin nicht beitreten

          959 ukrainische Soldaten haben sich laut Russland in Asow-Stahlwerk ergeben +++ Großbritannien: Russland mit erheblichen Ressourcenproblemen in der Ukraine +++ Schweden und Finnland beantragen NATO-Aufnahme +++ alle Entwicklungen im Liveblog.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          AllesBeste
          Testberichte & Kaufberatung
          Baufinanzierung
          Erhalten Sie Ihren Bauzins in 3 Minuten
          Spanischkurs
          Lernen Sie Spanisch