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Darts : Der deutsche Pfeilewerfer, der die Profis schockt

Großer Erfolg: Michael Unterbuchner steht im Viertelfinale des Grand Slam of Darts. Bild: LAWRENCE LUSTIG

Beim Grand Slam of Darts dürfen die Halbprofis der BDO-Tour die besten Darts-Spieler der PDC herausfordern. Ein Deutscher schockt dabei die Superstars. Michael Unterbuchner steht nun im Viertelfinale – dank eines eigenen Weges.

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          James Wade war anzumerken, dass er die Niederlage an der Darts-Scheibe als große Schmach empfand. Der obligatorische Glückwunsch des Weltranglisten-Sechsten fiel mit einem sehr schwachen Händedruck denkbar knapp aus, Wade mied dabei den Blick ins Gesicht des Bezwingers. Der Abgang von der Bühne mit gezwungenem, höhnisch wirkenden Lachen war respektlos. Michael Unterbuchner sollte dieses Fehlverhalten seines Gegners als Beleg dafür werten, dass ihm der wohl größte Erfolg eines deutschen Darts-Spielers gelungen ist.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Beim Grand Slam of Darts zog der 30 Jahre alte Münchner, der in der Darts-Bundesliga für die Black Birds Kelheim spielt beziehungsweise „spickert“, wie in Bayern das ambitionierte Werfen mit den Pfeilen aus einer Wolframlegierung genannt wird, dank eines 10:6-Erfolgs in die Runde der besten acht ein und blendete das Verhalten seines Gegners anschließend klugerweise aus. „Ich hätte nicht gedacht, dass ich James Wade schlagen kann. Er ist ein wirklich guter Spieler. Aber ich konnte endlich mal zeigen, was ich kann und das freut mich um so mehr“, schrieb er auf seiner Facebook-Seite.

          Der besondere Reiz beim Grand Slam of Darts ist, dass außer den Vollprofis der größeren Turnierserie der Professional Darts Corporation (PDC), einer Vermarktungsmaschine für Darts-Events, auch die besten Halbprofis der konkurrierenden, aber mit viel weniger öffentlicher Aufmerksamkeit bedachten British Darts Organisation (BDO) mitspielen dürfen, die noch klassisch wie ein Sportverband geführt wird. Der Grand Slam of Darts ist somit der einzige Wettbewerb, an dem sich die Pfeilewerfer aus den zwei so unterschiedlichen Welten gegenüberstehen.

          Scheu vor dem Vollprofi-Dasein

          Und Michael Unterbuchner,der sich branchenüblich den Spitznamen „T-Rex“ gegeben hat, ist dabei nun derjenige, der die Ehre der BDO verteidigt – zum Leidwesen eines erfolgsverwöhnten Profis wie Wade, der in jüngster Zeit in Topform agierte: Er gewann die beiden jüngsten Major-Turniere der PDC und gilt nach einer starken Turniersaison als einer der Favoriten für die Mitte Dezember in London beginnende PDC-Weltmeisterschaft.

          Unterbuchner hingegen ist in den vergangenen Monaten zum Shootingstar der BDO geworden: Anfang des Jahres zog er bei seiner ersten Teilnahme an der BDO-WM als Qualifikant ins Halbfinale ein, später führte er kurzzeitig sogar die Weltrangliste an. Anders als beispielsweise sein Landsmann Max Hopp, auf dem seit Jahren die Hoffnungen auf die Genese eines aus Vermarktersicht wichtigen deutschen PDC-Stars ruhen und der im laufenden Jahr erste Turniererfolge erzielt hat, hat sich Unterbuchner bewusst für die BDO entschieden, weil er den Schritt zum Vollprofi-Dasein noch scheut. Ob deshalb nun Unterbuchner oder Hopp, der gerade gegen Wade kürzlich in Dortmund bei der EM eine bittere Halbfinal-Niederlage hinnehmen musste, der derzeit beste deutsche Spieler ist, ist nicht seriös zu beantworten.

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