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Darts-Profi Max Hopp : „Bald stören wir die Dominanz der Briten“

  • Aktualisiert am

Moment des Sieges: Max Hopp im Pfeile-Himmel Bild: LAWRENCE LUSTIG

Max Hopp hat bei der Darts-WM für ein Ausrufezeichen gesorgt: Der 18 Jahre alte deutsche Profi ist nach einem Sieg gegen Mervyn King in Runde zwei eingezogen. Im Interview spricht er über sein 161er-Finish in den TV-Nachrichten und die Aussichten bei der WM.

          Sie haben den Weltranglistenzehnten Mervyn King geschlagen und erstmals Runde zwei der Darts-WM erreicht. Sie schienen nach dem Sieg selbst überrascht.

          Ich war überrascht von meinem Finish. Wenn man so ein Spiel mit 161 beendet, dann ist das erst mal unglaublich.

          161 ist eine der höchsten und schwierigsten  Möglichkeiten, ein Einzelspiel von 501 zu beenden. Dar man da gar nicht drüber nachdenken, was man tut?

          Als ich die Dreifach-20 und die Dreifach-17 getroffen hatte, habe ich kurz zur einfach 18 rüber geschielt und überlegt, einen sicheren Weg zu wählen, da mein Gegner noch weit zurücklag. Ich hätte dann noch drei Würfe auf die Doppel-16, eines meiner Lieblingsfelder, gehabt, um das Spiel zu beenden. Aber dann bin ich doch volles Risiko aufs Bull's Eye gegangen und musste dann erst mal selbst über mich staunen.

          Ist die Steigerung auch Folge ihrer Vorbereitung: Sie haben 25 Kilogramm abgenommen. Das erstaunt in einem Sport, wo die Besten wie Phil Taylor oder Michael van Gerwen stark übergewichtig sind.

          Für mich war ausschlaggebend, dass ich fit sein muss, um mich konzentrieren zu können. Ich habe gemerkt, dass ich Sportler bin und das für mein Wohlbefinden brauche. Ich hatte zuvor zugenommen, weil ich wegen einer Verletzung mit dem Handball aufhören musste. Das hat mich erst zum Darts gebracht, aber eben auch die Gewichtszunahme zur Folge.

          Ist Übergewicht also kein Vorteil, wie es angesichts der besten Spieler den Anschein hat?

          Das glaube ich nicht. Man muss die Jungs aber auch in Schutz nehmen. Es ist schwer für die besten Spieler, auf ihr Gewicht zu achten. Wenn man fast jeden Tag Turniere spielt, kommt man abends erst spät zum Essen, weil man sich mit vollem Bauch nicht gut konzentrieren kann auf Darts. Also muss man danach sehen, was es noch zu essen gibt. Und das ist eben leider nach Mitternacht selten was Gesundes, sondern eher der Burger King, der noch auf hat.

          Anbetungswürdig: Max Hopp hat dank eines Super-Finish von 161 das Spiel gewonnen

          Einen solchen Erfolg wie nun gegen Mervyn King hatte die Darts-Szene schon früher erwartet. Vor zwei Jahren wurden sie  als als zweitjüngster Teilnehmer der WM-Geschichte selbst von Rekordweltmeister Taylor mit Vorschusslorbeer überhäuft. Kam das damals zu früh?

          Mir ging damals die Lockerheit im Kopf verloren. Das war zu viel für mich. Ich war nach London gereist und alle erwarteten Siege für mich, obwohl ich eigentlich hätte Außenseiter sein müssen. Ich habe dann auch nur knapp mein Erstrundenspiel verloren und der Hype ging weiter mit 3000 Likes auf Facebook, sogar Fußballstars waren dabei. Das musste ich alles verarbeiten. Jetzt weiß ich auch, dass ich diesem Hype aus dem Weg gehen muss, so gut es geht. Ich schaue mir das deshalb gar nicht an und konzentriere mich einfach auf Runde zwei.

          Sind das die Lehren aus den zwei vorherigen WM-Teilnahmen in London?

          Ja. Das ist schon gewaltig, was da im „Ally Pally“ ( Spitzname des Austragunsorts Alexandra Palace im Londoner Norden) auf einen einprasselt. Man darf ja nicht vergessen, dass ich auch jetzt erst 18 Jahre alt bin. Aber ein wenig Erfahrung habe ich nun schon sammeln können.

          Jyhan Artut, einer der beiden anderen deutschen WM-Teilnehmer neben ihnen, sagte vor der WM, dass die wenigen deutschen Profis nur ein paar Erfolgserlebnisse bräuchten, um endlich zur Spitze aufschließen zu können. War Ihr Sieg nun solch ein Erweckungserlebnis?

          Ich bin sehr ehrgeizig und habe sehr hart gearbeitet in den Turnierpausen. Es bedeutet mir nun auch sehr viel, einen Top-Spieler geschlagen zu haben. Aber trotzdem war es nur ein Erstrundenspiel. Ich muss weitermachen. Insgesamt ist es aber so, dass wir alle unsere kleinen Erfolge gefeiert haben und natürlich hilft jeder Sieg, dass wir uns gegenseitig Mut machen. Bei der WM ist auch Sascha Stein in Runde zwei, erstmals sind es also zwei Deutsche. Ich bin mir auch deshalb wie Jyhan sicher, dass es recht bald richtig Klick macht und wir die Dominanz der Briten und Holländer ein wenig stören können.

          Gegen einen dieser Holländer, Vincent van der Voort, spielen Sie nun am Montag (15.15 Uhr/ live bei Sport1). Werden Sie von solchen Top-Spielern nun schon anders wahrgenommen als zuvor?

          Mein 161er-Finish hat sicherlich Wellen geschlagen. Als ich Heiligabend am Gate in London auf meinen Rückflug nach Frankfurt gewartet habe, lief das gerade im Fernsehen in den Nachrichten. Da habe ich schon etwas gestutzt.

          Wird Ihnen dann auch endlich die Ehre zuteil, dass Ihr Wunschsong „Animals“ beim Einlaufen gespielt wird?

          Da warte ich auch drauf. Sky hat bislang noch nicht die Rechte bekommen für meinen Walk on-Song und ich laufe eben mit einem anderen Lied ein. Aber das beschäftigt mich jetzt gar nicht.

          Das Gespräch führte Daniel Meuren.

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