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Darts : Phil Taylor packt bald die Pfeile ein

Abschiedstournee: Phil Taylor legt die Pfeile nach dieser Saison zur Seite Bild: LAWRENCE LUSTIG

Der Rekordweltmeister beginnt seine Abschiedstournee: Darts-Legende Phil Taylor wird nach der WM zum nächsten Jahreswechsel seine Karriere beenden. Er strebt einen letzten großen Wurf.

          3 Min.

          Phil Taylor grinste breit und voller Vorfreude. Just in dem Moment, als er seinen Rückzug für das Ende der laufenden Darts-Saison ankündigte, schien eine große Last von dem 56 Jahre alten Rekord-Weltmeister abzufallen. Der Engländer wird all die Stationen, die ihn jahrzehntelang auf seiner Tour begleitet haben, noch einmal durchlaufen und seinen emotionalen Abschied dann im Londoner Alexandra Palace bei der Weltmeisterschaft im Dezember feiern. „Zum Ende des Jahres höre ich auf. Die nächste WM wird meine letzte sein“, kündigte die Darts-Legende aus Stoke-on-Trent vor wenigen Tagen an. „Ich freue mich auf die nächsten zehn Monate. Es fällt mir aber schwerer schwerer als in den letzten 30 Jahren, mich zu motivieren und beständig zu Üben.“ Die Abschiedstournee beginnt nun am Donnerstag in Newastle, wo die Premier League of Darts mit den zehn Top-Spielern der Profispielervereinigung PDC ihren ersten von 16 Spieltagen absolviert.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bei der jüngsten Darts-WM in London verabschiedete sich Phil Taylor bereits vor Silvester, vier Tage vor dem Endspiel. Eine Niederlage gegen seinen alten Rivalen Raymond van Barneveld beendete den Traum von einem siebzehnten Weltmeistertitel - sofern es den Traum noch immer gibt. Denn Phil Taylor hat in den vergangenen Monaten vermutlich endgültig erkannt, dass die absolute Weltspitze für den Genius mit den Pfeilen mittlerweile viel weiter entfernt ist als das in 2,37 Metern Entfernung zu treffenden winzige Dreifach-20-Feld oder die fürs Gewinnen nötigen Doppelfelder, das Taylor zu seinen besten Zeiten fast nach Belieben traf.

          Demütigungen am Brett

          Der Niederlage am Darts-Board folgte noch vor dem Abgang von der Bühne zudem eine Demütigung. Während Phil Taylor nach seiner 3:5-Niederlage im Viertelfinale gegen Raymond van Barneveld bei der Weltmeisterschaft des Profi-Darts-Verbands PDC im Londoner Alexandra Palace enttäuscht seine drei Pfeile zurück in sein Täschchen legte, schnappte sich sein niederländischer Bezwinger das Darts-Board, ließ sich einen Filzstift reichen, unterschrieb das Brett und reichte es an den Gegner weiter.

          Ende zum Jahreswechsel: Phil Taylor hört nach der WM auf
          Ende zum Jahreswechsel: Phil Taylor hört nach der WM auf : Bild: Picture-Alliance

          Dieses Ritual war bislang dem 16 Mal erfolgreichen Rekord-Weltmeister vorbehalten. Bei dem Engländer wurde geduldet, dass er den Turnierorganisator nach seinen Siegen grundsätzlich um eine der Zielscheiben erleichterte. Die signierte Beute brachte er anschließend einem seiner zahlreichen Fans, die während Taylors Spielen ohne Unterlass den englischen Weihnachts-Hit „Winter Wonderland“ auf „Taylor Wonderland“ umgetextet singen.

          Nun aber nahm sich van Barneveld das Recht heraus, die Scheibe einem der 3000 bierseligen Zuschauer zu übergeben. „Ich hatte eigentlich nicht vor, das zu machen“, sagte van Barneveld dem TV-Sender Sport1 und schickte seinen großartigen Würfen auf die nur drei Zentimeter breiten und acht Millimeter hohen wichtigsten Felder noch ein paar verbale Giftpfeile in Richtung seines Rivalen hinterher, mit dem ihn epische Schlachten am Brett, aber auch eine kleine Rangelei auf der Bühne vor drei Jahren verbinden. „Er macht das schließlich immer, jetzt kriegt er es mal zurück.“ Vielleicht bewegten auch solche Provokationen Taylor nun zum Rückzug.

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          Taylor hatte in seiner Laufbahn seit dem ersten WM-Titel im Jahr 1990 nie länger als zwei Jahre auf den nächsten Triumph warten müssen. Mittlerweile hat der mit 56 Jahren älteste Topspieler bereits vier Weltmeisterschaften verlassen, ohne den letzten Dart ins Ziel geworfen zu haben. Sein Spitzname „The Power“ wird mehr und mehr zum Verweis auf die glanzvolle Vergangenheit, während die Gegenwart von Michael „Mighty Mike“ van Gerwen beherrscht wird, den Taylor nun auch zu seinem Nachfolger bestimmt hat.  „Ich habe 30 Jahre an der Spitze gestanden. Michael van Gerwen wird nun diese Rolle übernehmen und der neue Botschafter des Darts sein“, sagte Taylor nun bei seiner Abschiedsankündigung.

          Verunsicherung durch Pfeile-Wechsel

          Der Superstar verlor seine Dominanz womöglich auch, weil er seit einem durch finanzielle Verlockungen ausgelösten Wechsel seines Pfeile-Herstellers auf der Suche nach alter Sicherheit ist. Während er früher gemeinsam mit einem aus der Raketenentwicklung geschulten Ballistiker immer wieder Nuancen veränderte, hat der grobe Einschnitt nun offenbar Verunsicherung ausgelöst. Eine Rückkehr zu alten Pfeilen dürfte ihm vertraglich untersagt sein. So bleibt nur der unbändige Ehrgeiz im letzten Jahr der Laufbahn, um der Konkurrenz noch einmal seine wahre Größe beweisen zu wollen. Taylor will einen letzten großen Wurf landen und dafür deutlich weniger kleine Turniere spielen als bisher.

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          Der Darts-Sport, das war in den letzten 20 Jahren Phil Taylor - und Phil Taylor gleichzeitig der Darts-Sport. Mit seiner Person verbindet sich der Aufstieg von einem Kneipenspiel mit schlechtem Ruf zu einem boomenden TV-Event, das gerade zwischen den Jahren auch in Deutschland mittlerweile dem übertragenden Sender hervorragende Quoten beschert, obwohl deutsche Spieler noch immer keine Rolle spielen. Der geniale Vermarkter Barry Hearn hat Taylor zu einem Star aufgebaut und um ihn herum eine Show inszeniert, die dem mit Taylor als erstem Top-Spieler gegründeten Profispielerverband PDC den Sieg im Wettstreit mit dem Konkurrenzverband BDO sicherte - und mittlerweile viele Millionen an Einnahmen für Hearn wie die besten Werfer generiert.

          Die Abschiedstournee, bei der Taylor dutzendfach besungen werden wird mit der aus einem englischen Weihnachtssong  umgetexteten Hymne „Taylor Wonderland“, beginnt nun mit einem Duell mit David Chisnall. Es bleibt dabei für Taylor der Traum vom letzten großen Wurf.

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