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Eric Bristow tot : Der erste Star des Darts

Eine Legende an der Darts-Scheibe: Eric Bristow ist tot Bild: AP

Eric Bristow gewann in den achtziger Jahren fünf Darts-Weltmeistertitel. Zudem ebnete er den Weg von Rekord-Weltmeister Phil Taylor. Die Darts-Legende ist nun am Rande eines Turniers gestorben.

          3 Min.

          Engländer haben ein feines Gespür für die Legenden des Sports. Und so gehörte Eric Bristow bei den Turnieren der Professional Darts-Corporation bis zuletzt dazu, obgleich seine Erfolge drei Jahrzehnte zurückliegen. Bei den Turnieren der PDC, wenn er als TV-Experte zugegen war, feierten ihn die Fans, wann immer sie ihn zu Gesicht bekamen.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Bristow pflegte seinen Ruf als unbequemer Mann der klaren Worte, er kritisierte vermeintliche Fehlentwicklungen im Darts oder attackierte Taylor in seiner Spätphase der Karriere, indem er ihm geistige Unbeweglichkeit attestierte mit den Worten, er sein quasi „hirntot“.

          Wenngleich die Wortwahl mehr als diskutabel war, so schätzten die Darts-Fans auf der Insel seine Geradlinigkeit. Bristow gehörte einfach noch immer dazu und so wirkt es wie eine Ironie der Sportgeschichte, dass der fünffache Weltmeister und erste Star des Darts am Donnerstagabend während eines Premier-League-Events in Liverpool in der Halle den Folgen eines Herzinfarkts erlag. Trotz sofortiger ärztlicher Hilfe war er nicht mehr zu retten. Bristow starb im Alter von 60 Jahren.

          „Eric wird für immer eine Legende in der Welt des Darts sein“, sagt PDC-Chef Barry Hearn. „Er war ein herausragender Spieler und ein großer Charakter. Er scheute keine Kontroverse, er sagte, was er dachte, immer ehrlich und geradeaus. Das bewunderten die Menschen an ihm.”

          Die Zuschauer erfuhren noch im Verlauf des Wettbewerbs vom Tod ihres Helden, sie sangen minutenlang Hymnen wie „Bristow Wonderland“  oder hielten Schilder mit den Worten „Eric Bristow Legend“ in die Höhe. Irgendwann verstanden auch Peter Wright und Daryl Gurney, die die letzte Partie des Abends bestritten, was am Rande des Turniers geschehen war. Nach ihrem 6:6-Unentschieden verließen sie tief gerührt die Bühne: Wright brach in Tränen aus, Gurney, der am Morgen des Spieltags erstmals Vater geworden war, blickte mehrfach zum Hallendach und schickte symbolisch Grüße in den Himmel.

          Auch dort würde Bristow vermutlich in Zukunft Darts-Spiele verfolgen als Legende seines Sports: Anfang der achtziger Jahre wurde er fünfmal Weltmeister. Er war der erste Star des Sports, noch viele Jahre, bevor der von Bristow entdeckte und geförderte Rekordweltmeister Phil Taylor die Bühne betrat. Bristow, der einen sehr markanten Wurfstil mit weit abgespreiztem kleinen Finger pflegte, war einer derjenigen, die den Sport aus der verruchten Kneipe in ansehnlichere Spielorte führten, wenngleich zu seiner Zeit das heutzutage im Wettbewerb verpönte Pint Bier auf der Bühne noch dazugehörte.

          Orden der Queen

          Seine Erfolge brachten ihm sogar höchste royale Ehren ein: 1989 ernannte ihn die Queen zum Member of the British Empire (MBE). Da war Bristow gewissermaßen schon im Alter von 31 Jahren über seinen Zenit hinaus. Seine Erfolgsserie riss in einem für Darts-Verhältnisse jungen Alter, weil die „Dartitis“ Bristow bremste. Darts-Spieler benennen damit ein Phänomen, bei dem sie große Schwierigkeiten haben, den Pfeil loszulassen.

          Eric Bristow ist im Alter von 60 Jahren gestorben
          Eric Bristow ist im Alter von 60 Jahren gestorben : Bild: dpa

          Erfolgreiches Spielen ist dann kaum mehr möglich, eine Heilung ist wenn überhaupt nur durch ein sehr grundlegendes Ändern des Wurfstils und eine lange Spielpause möglich. Bristow überwand die Dartitis nie mehr ganz, weswegen er im Jahr 2007 seine Profi-Karriere nach zahllosen Comeback-Versuchen endgültig beendete. Er profitierte deshalb nicht in dem finanziellen Ausmaß wie Taylor von der erfolgreichen Abspaltung der PDC-Profis von der British Darts Organisation, bei der 1990 Bristow und Taylor die Zugpferde waren im Streben nach besserer Vermarktung des Sports. Bristow kehrte später nur noch für Exhibitions, bezahlte Auftritte auf Einladung von Privatpersonen oder von Darts-Klubs an die Scheibe zurück. Zudem arbeitete Bristow fürs Fernsehen als Experte und brachte bei „SkySports“ seine Erfahrung als Spotter ein. Er gab dem Regisseur der Liveübertragungen den Hinweis, auf welches Feld ein Spieler den nächsten Pfeil werfen will, sodass im Fernsehen die entsprechende Großeinstellung des jeweiligen Ziels zu sehen ist. Dabei ging es wegen des meist schnellen Wurf-Rhythmus um Sekundenbruchteile. Bristow wusste diese Entscheidungen meist goldrichtig zu treffen, seiner Erfahrung als Spieler, der entsprechenden Schnelligkeit im Kopfrechnen und der herausragenden Kenntnis aller Spieler im Feld sei.

          Zudem half ihm ein Kameraauge, das direkt am Scheibenrand auf die Augen der Spieler gerichtet ist und einen Hinweis auf die Blickrichtung des Spielers gibt. „Ich kann sozusagen in die Köpfe der Spieler schauen, weil ich selbst Millionen dieser Pfeile auf die Scheibe geworfen habe“, sagte Bristow einmal am Rande einer Weltmeisterschaft im Londoner Alexandra Palace, wo er sich und anderen Kettenrauchern an einem Notausgang nahe der TV-Regiepulte eine halbwegs nahegelegene Zuflucht im sonst rauchfreien Gebäude erkämpft hatte.

          Bristow verlor den Job beim Fernsehen vor zwei Jahren, nachdem er sich in Kommentaren auf Twitter bezüglich eines Missbrauchsskandals im englischen Fußball im Ton vergriffen hatte. Damals kam die andere Seite Bristows zum Vorschein, mit der er stets auch polarisierte.

          Mit Bristow verliert das Darts gewissermaßen in kurzer Zeit die zweite große Gestalt des Sports: Zu Jahresbeginn hatte sich Rekord-Weltmeister Phil Taylor nach 16 WM-Erfolgen und drei Jahrzehnten an der Weltspitze im Alter von 57 Jahren von der PDC-Tour zurückgezogen. Taylor verdankte Bristow seine einzigartige Karriere: Er erkannte das Talent des jungen Taylor und förderte dessen Karrierestart mit einem Sponsoring, das Taylor die ersten Fahrten zu Turnieren und eine Fokussierung auf das Pfeilewerfen ermöglichte.

          Rekordweltmeister: Phil Taylor verdankt seine Karriere auch Eric BRistow
          Rekordweltmeister: Phil Taylor verdankt seine Karriere auch Eric BRistow : Bild: Picture-Alliance

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