https://www.faz.net/-gtl-8c025

Darts-Kommentar : Für Til Schweiger reicht es

  • -Aktualisiert am

Drei Pfeile für ein Halleluja: Darts zieht Millionen in den Bann Bild: Rainer Wohlfahrt

Eine Meta-Ebene? Gibt es beim Darts nicht. Na und? Das Drama im WM-Finale der Pfeilewerfer lässt sogar manche „Tatort“-Action verblassen – und erinnert teilweise gar an Boris Becker in Wimbledon.

          2 Min.

          Til Schweiger hat in seinem „Tatort“ am Sonntag seine martialisch bewaffneten Widersacher gleich im Dutzend erledigt. Die Darts-Profis brachte er trotz deren vergleichsweise harmloser Bewaffnung nicht zur Strecke. Ungeachtet der denkbar großen TV-Konkurrenz duellierten sich die Pfeilewerfer Gary Anderson und Adrian Lewis zeitgleich zum „Tatort“ vor einer für den Nischensender Sport 1 abermals beachtlichen Fernsehzuschauermenge im Endspiel der Darts-WM. In der Spitze waren 1,97 Millionen Zuschauer dabei, obwohl keiner der Lieblinge der Darts-Fans wie Phil Taylor, Michael van Gerwen oder Raymond van Barneveld, geschweige denn einer aus dem wie fast immer in Runde eins ausgeschiedenen deutschen Teilnehmer-Trio mitspielte.

          Die meisten deutschen Traditionssportarten träumen nur von solchen Quoten. Die anhaltende Darts-Begeisterung ist verblüffend, zumal weder die Darts-Vereine einen großen Boom erleben, noch viele Kneipen plötzlich Scheiben mit den 82 unterschiedlich wertvollen Feldern neben die Theke hängen. Die Deutschen drängt es noch lange nicht wie Pub-Besucher in Großbritannien, zum Pfeil mit der Stahlspitze zu greifen.

          Verdichtung von Dramatik

          Das Zuschauen, ob am Fernsehapparat oder in den meist vollbesetzten Hallen bei den Gastspielen der Profis in Deutschland, reicht, weil Darts neben der Junggesellenabschiedsstimmung in den Zuschauerreihen (Durchschnittsverbrauch mehr als drei Liter Bier pro Session) mit seinen Großaufnahmen leidender und siegender Sportler die Verdichtung von Dramatik ins Wohnzimmer transportiert, wie sie kein Sport in ähnlich schnellem Takt bietet. Biathlon wäre vielleicht noch vergleichbar – wäre da nicht der Spannungsabfall während die Athleten in der Loipe unterwegs sind.

          ESV Blau-Gold Flörsheim : Pfeilewerfen mit den „Darts-Bären“

          Tennisspiele von Boris Becker hatten einst eine ähnlich magische Anziehungskraft auf deutsche Fernsehsportler wie ein Darts-Duell zweier Könner: Gerade in seinem „Wohnzimmer“ in Wimbledon ging es bei Beckers Dramen um Asse, Doppelfehler und Breaks, alle paar Minuten standen Spiel, Satz und Sieg auf der Kippe. So ist es heute auch beim Mann-gegen-Mann 20 Kilometer von Wimbledon entfernt im Alexandra Palace beim Bemühen um ein Maximum von 180-Punkten mit drei Pfeilen einer Aufnahme oder um einen Leg-Gewinn gegen den Vorteil des ersten Wurfs durch den Gegner. Olympische Sportarten wie Sportschießen müssen sich fragen lassen, warum sie die Chance zur Spannungserhöhung durch Anleihen aus dem Darts nicht ergreifen.

          Sicher: Pfeilewerfen bleibt ein Spiel ohne taktische Metaebene. Es geht schlicht um das unfassbare Talent, einen Pfeil aus 2,37 Metern in ein nur 0,8 Zentimeter breites Feld zu werfen. Mehr ist es nicht. Aber das reicht, um Til Schweiger widerstehen zu können.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Olaf Scholz, Annalena Baerbock und Armin Laschet während des Triells

          Das letzte Triell : Dieses Mal war Scholz vorbereitet

          Baerbock, Scholz und Laschet hatten nochmals die Chance, ihre Schlagfertigkeit zu zeigen. Der Sozialdemokrat und die Grüne präsentierten sich als Partner von morgen.
          Ein bedrohlicher Anblick: Die feuerrote Lava schießt in die Höhe.

          Mehrere Eruptionen : Vulkanausbruch auf Kanareninsel La Palma

          Fachleute hatten es befürchtet: Nach vielen kleinen Erdstößen ist ein Vulkan auf La Palma ausgebrochen. Lava und Asche schleudern durch die Luft. Seit Sonntagnachmittag wurden mehrere Tausend Menschen in Sicherheit gebracht.
          Christian Lindner beim FDP-Parteitag am Sonntag in Berlin.

          FDP vor der Wahl : Lindner will Stimmen aus Überzeugung, nicht aus Kalkül

          Die Freidemokraten sinnieren darüber, wer sie wählt und warum. Aus Taktik sollten die Leute nicht für die FDP stimmen, sagt Parteichef Lindner. Doch die Vorzeichen haben sich während des Wahlkampfs dramatisch verändert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.