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Darts-WM : „Das ist wie vier Stunden Elfmeterschießen“

  • Aktualisiert am

Der „Rolls-Royce“ unter den Darts-Spielern: Raymond van Barneveld hat den elegantesten Wurf Bild: AP

Die Darts-WM in London geht ins Finalwochenende: Der deutsche Master Caller mit dem Künstlernamen Gordon Shumway erklärt die Faszination des Sports.

          6 Min.

          Gordon Shumway ist durch seine Tätigkeit als Master Caller und Master of Ceremonies der für die in Deutschland zuständigen Turniere der PDC Europe auf deutschen Darts-Bühnen bekannt geworden. Im Interview spricht der Autor von „111 Gründe, Darts zu lieben“ , des bestverkauften Darts-Buchs in deutscher Sprache, über die WM des Profi-Darts-Verbands PDC in London und das bevorstehende Duell seiner beiden Kumpels Phil Taylor und Raymond van Banrneveld an diesem Samstagabend (live in Sport 1, um 20.10 Uhr beginnt das erste Halbfinale zwischen Titelverteidiger Michael van Gerwen und Gary Anderson)

          Wundern Sie sich nicht selbst manchmal, warum Sie stundenlang beim Werfen zuschauen, statt selbst ans Board zu gehen?

          Eigentlich wundere ich mich nie. Ich bin schon so lange dabei, habe seit Kindertagen selbst gespielt. Es gibt immer noch nichts Tolleres. Mir geht es eher so, dass ich nach der WM in ein Loch falle. Gewissermaßen ist es natürlich immer das Gleiche, 501 Double out (so heißt das übliche Spiel, bei dem 501 Punkte runtergespielt werden und mit einem Doppelfeld beendet werden müssen) zu spielen. Aber es ist eben auch jedes Spiel immer neu. An sich klingt es langweilig. Aber kein Spiel ist gleich. Der Inhaber der PDC Europe,  Werner von Moltke, sagte einmal was sehr Wahres: Darts ist wie vier Stunden Elfmeterschießen. Dazu ist es eben das Urprinzip jedes Wettkampfs: Es geht Mann gegen Mann. Zudem hat jeder, der zuschaut, sicher seine Lieblingsspieler, denen man die Daumen drückt.

          Im Gespräch: Dart-Experte Gordon Shumway : „Taylor ist wie Schumacher, Pelé, Woods zusammen“

          Sie kennen Ihre Lieblingsspieler sogar privat und bezeichnen den sechzehnmaligen Rekordweltmeister Phil Taylor und Raymond van Barneveld, die am Samstagabend das zweite Halbfinale bestreiten, als Freunde: Was geht in den beiden Weltmeistern nun vor in einem solchen Spiel?

          Zunächst einmal: Die beiden sind auch gut befreundet und respektieren sich als faire Sportsmänner.

          Trotz des Remplers von Taylor auf offener Bühne nach seinem Sieg gegen van Barneveld vor zwei Jahren?

          Ich habe die SMS von Taylor gesehen nach dem Spiel. Ihm tat das leid, das war dumm. 20 Minuten später war alles wieder okay. Auf der Bühne ändert das aber nichts an ihrer Rivalität. Sie verstehen sich aber gut und können nach dem Match vielleicht auch gemeinsam was trinken gehen. Wobei Raymond ein nicht so guter Verlierer ist. Er sagt immer: ‚Ein schlechter Verlierer wird nie ein echter Champion.‘ Taylor ist da etwas lässiger.

          Wenden Taylor und Barneveld auf der Bühne eigentlich fiese Psycho-Tricks an?

          Nein. Das haben beide gar nicht nötig. Das ist eher ein Phänomen des Niveaus, auf dem ich mich als ambitionierter Amateur bewege. Die Jungs ließe so was alles kalt.

          Rekordweltmeister Taylor nach dem Viertelfinalsieg gegen Vincent van der Voort (im Hintergrund): „Selbst Taylor verrechnet sich gelegentlich“
          Rekordweltmeister Taylor nach dem Viertelfinalsieg gegen Vincent van der Voort (im Hintergrund): „Selbst Taylor verrechnet sich gelegentlich“ : Bild: Lawrence Lustig/PDC

          Zu wem halten Sie dann heute Abend?

          Ich drücke heute ganz klar meinem besten Freund „Barney“ die Daumen. Wir haben eine wirklich enge Freundschaft, und er ist einfach mal wieder dran, nachdem er in diesem Jahr schon in der Premier League of Darts Taylor besiegt hatte.

          Barney, wie van Barneveld auch offiziell mit Spitznamen heißt, hat im Viertelfinale gegen Stephen Bunting überrascht, als er im vierten Satz plötzlich eine Brille aus der Tasche holte. War das ein Trick?

          Nein. Das geht auch gar nicht. Das würde Barney eher stören. Er musste klarer sehen. Er sieht durch seine Diabetes gelegentlich verschwommen. Man sieht ihn deswegen auch oben essen. Traubenzucker oder ähnliches. Er muss da sehr aufpassen.

          Sie beschreiben die beiden Superstars des Darts im Buch sehr unterschiedlich: Taylor ist der Arbeitseifrige, Barneveld der Auserwählte, der es auch ohne Training kann. Stimmt das wirklich?

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