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Provokation bei WM : Darum fliegen beim Darts auch viele Giftpfeile

Die Scheibe und der Alkohol: Dartsfans gelten durchaus als durstig. Bild: Getty

Mit derben Worten nimmt der Chef des Dartsverbandes das IOC ins Visier. Barry Hearn geht mit der Attacke gegen den olympischen Sport bewusst den Weg der Provokation – um von einem Problem abzulenken.

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          Es werden auch noch Pfeile geworfen im Londoner Alexandra Palace, also Darts, jene Sportgeräte, die ein großes Fernsehpublikum zwischen den Jahren in den Bann zieht. Bis Neujahr kämpfen die besten Dartsspieler noch um den Titel des Weltmeisters des Profi-Dartsverbands PDC. Derweil müht sich PDC-Chef Barry Hearn auffällig oft mit verbalen Giftpfeilen darum, das Rad am Laufen zu halten. Am Wochenende nahm der 71 Jahre alte Vermarkter, der neben Darts und Snooker in seinem Heimatland England unter anderem auch Sportangeln zu einem Fernsehsport gemacht hat, mal wieder mit recht derben Worten das Internationale Olympische Komitee (IOC) ins Visier, als er auf die Bestrebungen des Welt-Dartsverband WDF nach einer Anerkennung von Darts durch das IOC angesprochen wurde.

          Daniel Meuren
          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          „Wenn das IOC zu mir sagt, ihr könnt morgen ein olympischer Sport sein, aber es gibt keinen Alkohol mehr, weil sie das so wollen, dann sage ich: ’Fuck off’“, sagte der PDC-Chef. Er ließ dabei offen, ob er nur um den Alkoholgenuss im olympischen Zuschauerraum fürchtet oder ob er auch für die vielen hinter der Bühne einem oder mehreren Gläschen als Beruhigungsmittel zugeneigten Spieler sprach.

          Hearn geht mit der Attacke gegen das IOC bewusst den Weg der Provokation, um von einem Problem abzulenken. So hervorragend die Geschäfte mit Darts laufen, so sehr besteht die Gefahr einer sportlichen Langeweile. Das hat mit Michael van Gerwen zu tun. Die Dominanz des Niederländers in den vergangenen Jahren hat nur wenig von der Faszination, die die vor zwei Jahren abgetretene Darts-Legende Phil Taylor bei 16 Weltmeistertiteln in einem Zeitraum von einem Vierteljahrhundert zu entwickeln verstand. Gerade in England fehlt seit dessen Karriereende der einheimische Superstar. Da zudem auf dem so wichtigen deutschen Markt kein Weltklassespieler in Sicht ist, könnten Hearns’ Geschäfte ins Stocken geraten.

          Auch deshalb nutzte die PDC bereitwillig den Hype um die zwei Siege von Fallon Sherrock, die als erste Frau ein WM-Duell gewann. Zumindest bis Sonntagnachmittag blieb Fallon Sherrocks Matchdart gegen Ted Evetts auch fast zwei Wochen nach ihrem Erfolg auf dem Twitterkanal der PDC als angehefteter Tweet die erste sichtbare Kurznachricht. Mrs. Sherrock wird aber das Darts vor einer möglichen Rezession nicht bewahren. Das weiß auch Hearn. Er dürfte stattdessen bemüht sein, die Zeit der Ernte nach Jahren des Aufbaus der Sportart zu nutzen. „Die Geld-Seite des Sports ist einfach: Wenn Du ein gutes Produkt hast, kannst du gutes Geld verdienen. Wenn du dieses Produkt sinnvoll ausschlachtest, kannst du sehr viel Geld verdienen.“

          Olympische Spiele, an denen van Gerwen gerne teilnehmen würde, braucht er dabei offenbar nicht. „Ich möchte mein Ding machen und die Kontrolle haben über die Sportarten, in die ich investiere“, sagte Hearn. „Das wäre bei den olympischen Sportarten kaum möglich. Zu viele Amateursportarten werden organisiert von einer, wie ich sie nenne, Anzugträger-Brigade. Das sind Funktionäre, die ihren Sport anführen und vielleicht auch lieben, die aber keine kommerziellen Kenntnisse haben, um ihn auf ein höheres Level zu führen.“

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          Geheimnis des Darts : Auf der Suche nach dem perfekten Wurf Bild: FAZ.NET

          Sein deutscher Geschäftspartner Werner von Moltke, Chef der für Turniere auf dem Kontinent verantwortlichen PDC Europe, unterstützt ihn in seiner Haltung. „Wir brauchen es nicht, es ist nicht notwendig“, sagte von Moltke zu Olympia. Er bezeichnete die Vermarktung der Spiele zudem als „Verbrechen“ am Athleten, da von den Milliarden-Gewinnen nichts bei den Sportlern ankomme. Die besten Dartsspieler profitieren derweil von steigenden Preisgeldern. Bei der WM erhält der Sieger in diesem Jahr 500.000 britische Pfund (fast 600.000 Euro). Hearn lässt sich aber stets ein Hintertürchen offen – sofern nur das Geschäft verlockend genug ist. „Ich kann meine Meinung sehr gut ändern, wenn es passt.“

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