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Dartmeister : Phil Taylor und seine fliegenden Freunde

Sein Sportgerät und er: Phil Taylor beim Darten Bild: Daniel Meuren

Phil Taylor ist der Großmeister des Darts. Zu seinen Wurfgeräten pflegt er nur während der Wettkämpfe eine innige Beziehung. Danach will er sie nicht mehr sehen.

          4 Min.

          Tok. Tok. Tok. Dreimal bohrt sich die Spitze der Darts in die anvisierten Felder: Dreifach-20, Dreifach-20, Dreifach-20. 180 Punkte, Maximalpunktzahl für eine Aufnahme im Darts. Während Phil Taylor an der Trainings-Dart-Scheibe über seine Beziehung zu seinen Pfeilen plaudert, wirft er entspannt im Drei-Sekunden-Rhythmus einen Pfeil nach dem anderen. Scheinbar ohne Konzentration, ganz beiläufig gelingt ihm, wovon der ambitionierte Hobbyspieler träumt.

          Daniel Meuren

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach den drei Würfen einer Aufnahme zieht der 52 Jahre alte Rekordweltmeister die Pfeile wieder aus den Sisalfasern, aus denen Dartbretter hergestellt werden. Tok, tok, tok. Jetzt sind es ausnahmsweise nur 83 Punkte. So kann die Legende des Darts nicht die Kurzvorführung für den Fotografen beenden. Also noch eine Runde. Tok, tok, tok. 180. Passt. Taylor steckt seine Sportgeräte in die Brusttasche seines Hemdes, das seinen Oberkörper angesichts der stolzen Leibesfülle wie ein Zelt überspannt. Und dann trinkt der Engländer einen Schluck Tee und erzählt über sein Leben mit den Pfeilen, den ewigen Kampf gegen die 501 Punkte, die er pro Spiel schneller herunterspielen muss als sein Gegner.

          Sechzehnmal Weltmeister

          “Die Darts sind für mich Mittel zum Zweck des sportlichen Erfolgs, mehr nicht. Ich hänge nicht an ihnen, ich nehme sie auch nicht mit ins Bett. Ich gebe ihnen keine Namen. Ich brauche eine Distanz zu ihnen, damit ich ganz nüchtern mit ihnen arbeiten kann und im Zweifel auch Verbesserungen vornehmen kann.“

          Phänomenale sechzehnmal ist Taylor, Szene-Künstlername „The Power“, mit dieser akribischen und leidenschaftslosen Beziehung zu seinen Pfeilen seit 1990 Weltmeister geworden. Er hegt seine drei Mitspieler nicht, er pflegt sie auch nicht, da sein Ausrüster Unicorn nach jedem Turniertag ein neues seiner im Handel fast 100 Euro teuren Sets zur Verfügung stellt, „weil der Grip an den Griffflächen sich schon nach einem Spiel verändert“.

          Eine Box, in der jeder Hobbyspieler seine Darts wie einen kleinen Schatz liebevoll bettet und ihnen ein komfortables und geschütztes Nest bietet, hat der Engländer nur seines Sponsors zuliebe, damit der Firmenname beim Einmarsch zum Snap-Song „The Power“ besser zu lesen ist. Und selbst wenn die Darts für ihn zu größten Triumphen fliegen, werden sie umgehend aussortiert.

          Zusammenarbeit mit Ballistiker

          Die Sportgeräte bestehen aus einer Nickel-Wolfram-Legierung an Spitze und Grifffläche, einem Kunststoffschaft und den daran befestigten Flügeln für die nötigen Flugeigenschaften. Sie sind zumindest bei Phil Taylor das Ergebnis jahrzehntelangen Feintunings. Taylor arbeitet mit einem Ballistiker, der vor seiner Pensionierung fürs britische Militär bei der Konstruktion von Raketen mitgewirkt hat. Er untersucht die Pfeile und arbeitet an der Gewichtsverteilung und auch den an Bauteilen des Darts, nur das Gewicht ist bei Taylor mit 26 Gramm (gestattet sind bis zu 50 Gramm) bislang immer gleich.

          Derzeit erwägt er aber, bei seinem Fachmann für die Detailarbeit drei Darts mit unterschiedlichem Gewicht und Volumen in Auftrag zu geben, was die Spielregeln zulassen würden, aber eine Revolution im Darts bedeuten würde. Der erste Pfeil könnte dann wie bisher 26 Gramm wiegen, der zweite wäre mit 25 Gramm etwas kleiner. Hinzu käme ein Exemplar mit 24 Gramm. Die kleineren Pfeile würden etwas weniger Platz im Dreifach-20-Feld benötigen und somit nach Taylors Rechnung noch häufigere Maximal-Würfe ermöglichen.

          Drei Pfeile für ein Onehundredandeighty: Phil Taylor und seine ballistischen Kunstwerke
          Drei Pfeile für ein Onehundredandeighty: Phil Taylor und seine ballistischen Kunstwerke : Bild: LAWRENCE LUSTIG

          Sosehr der Ballistiker auch experimentiert und rechnet und Schwerpunkte verlagert, um Taylors Wurf auf die im Mittelpunkt 1,73 Meter hoch hängende und 2,37 Meter entfernte Darts-Scheibe zu perfektionieren: den Härtetest muss ein potentieller neuer Dart in den Händen von Taylor bestehen. So hält es der 52 Jahre alte Superstar des auf den Britischen Inseln, aber auch in Deutschland mehr und mehr auch als hochdotierter Profisport beliebten Kneipenspiels schon immer.

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