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Deußer für Deutschland : Sprung über den Schatten

  • -Aktualisiert am

Reitet wieder für Deutschland: Daniel Deußer Bild: dpa

Die Nummer drei der Weltrangliste steht der deutschen Equipe zur Verfügung: Daniel Deußer reitet wieder für Deutschland. Im Streit um eine umstrittene Vereinbarung zwischen Verband und Athlet bleibt eine Frage jedoch weiterhin offen.

          Das deutsche Springreiterlager atmet auf: Zumindest einer der beiden aktuell erfolgreichsten Reiter, Daniel Deußer, hat verbindlich signalisiert, dass er in Zukunft wieder für die deutsche Equipe reiten will und bereit ist, dafür auch die vieldiskutierte Kaderrahmenvereinbarung zu unterschreiben. Damit steht die Nummer drei der Weltrangliste wieder für Nationenpreise zur Verfügung. Von einem möglichen Nationenwechsel nach Belgien ist nicht mehr die Rede. Zögerlicher ist der zweite Unterschrifts-Verweigerer Christian Ahlmann, doch ist man bei der Deutschen Reiterlichen Vereinigung guten Mutes, dass auch er in den Schoß der hiesigen Reiterfamilie zurückkehren wird. „Wir sind auf einem sehr guten Wege“, sagte Bundestrainer Otto Becker bei einer Pressekonferenz in Warendorf, „und hoffen, dass wir in naher Zukunft Vollzug melden können.“

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Das ist deshalb besonders wichtig, weil der deutsche Championatskader im Moment nur noch aus drei Reitern besteht, der Weltmeisterin Simone Blum, dem Altmeister Marcus Ehning und dem Nachwuchsreiter Maurice Tebbel. „Für mich zählt nur noch eines“, sagte Becker, „dass die beiden wieder an Bord sind.“ Die Mannschaft brauche wieder mehr erfahrene Leute. Deußer führt die Qualifikations-Rangliste für das Weltcup-Finale in einer Woche in Göteborg an, Ahlmann liegt dahinter auf Platz zwei, beide gehören zu den Topfavoriten bei dieser inoffiziellen Hallen-Weltmeisterschaft. Der einstige Anführer Ludger Beerbaum, der seine Karriere in der Nationalmannschaft beendet hat, ist der einzige weitere Starter für Deutschland.

          Mit Ahlmanns zu erwartender Unterschrift würde eine mehr als zwei Jahre währende Auseinandersetzung vollends zu Ende gehen, bei der sich die Fronten zeitweise sehr verhärtet hatten. Sowohl Ahlmann als auch Deußer waren seit den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro, wo sie mit der deutschen Equipe die Bronzemedaille gewonnen haben, nicht mehr für Deutschland geritten, weil sie nicht mehr bereit waren, den kompletten Inhalt des Vertrags mit dem Verband zu akzeptieren. Zur Kadervereinbarung gehören die Anerkennung der Anti-Doping-Bestimmungen und der Verzicht auf den Gang zum ordentlichen Gericht im Fall juristischer Auseinandersetzungen. Dazu eine nur in Deutschland bestehende Verpflichtung, für Trainingskontrollen bereitzustehen.

          Beide Reiter betonten stets, in vollem Umfang hinter dem Anti-Doping-Reglement zu stehen. Die vorläufige Änderung eines Details hat nun zu der Annäherung geführt: Künftig sollen Nachlässigkeitsfehler beim Führen des Behandlungsbuches, das für jedes Pferd erstellt werden muss, nicht mehr zu Geldstrafen führen. Diese Passage, die beide Reiter unter anderem bemängelt hatten, wurde für das Jahr 2019 ausgesetzt.

          Der Konflikt habe sich „auf zwei Ebenen“ abgespielt, sagte Sportchef Dennis Peiler, „auf der Sachebene und auf der emotionalen Ebene.“ Beide Reiter mussten in der Vergangenheit juristische Auseinandersetzungen führen, bei denen sich der Verband als einer ihrer Gegner entpuppte. „Das Vertrauen spielt eine große Rolle“, sagte Peiler. Beide Reiter hatten erklärt, dieses Vertrauen hätten sie verloren. Der eigentliche Sprung über den eigenen Schatten, den das Präsidium der Deutschen Reiterlichen Vereinigung bei seiner Sitzung am 19. März vollzogen hat, weist demnach in die Zukunft.

          Ein Runder Tisch für Reiter der verschiedenen Disziplinen soll gemeinsam mit führenden Verbandsvertretern eine neue Kader-Vereinbarung entwickeln, zu der, so Peiler, „beide Seiten sich bekennen und gut damit leben können“. Zentrale Vorschriften des Anti-Doping-Kampfs und solche, die der Deutsche Olympische Sportbund verlangt, seien aber nicht verhandelbar. Wie schwer die Auseinandersetzung die Beteiligten belastet hat, zeigte Peilers Schlussbemerkung. „Wir wünschen uns, dass wir jetzt gemeinsam wieder den Sport in den Fokus rücken und die Vergangenheit ruhen lassen können.“

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