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Dalma Malhas will zu Olympia : Eine Frau reitet für Saudi-Arabien

Dalma Malhas auf Toscanini Malpic bei den Weltreiterspielen in Tryon Bild: dpa

Die Springreiterin Dalma Malhas hat einen ehrgeizigen Plan: Sie träumt von einem Start bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio – für das Team von Saudi-Arabien. Als Frau.

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          Was vor ein paar Jahren noch kaum vorstellbar war, ist in der vergangenen Woche in Tryon wahr geworden: An den Spring-Wettbewerben der Weltreiterspiele nahm erstmals eine Frau aus Saudi-Arabien teil. Und das ist noch nicht alles: Die 26 Jahre alte Dalma Malhas strebt einen Start bei den Olympischen Sommerspielen 2020 an. Ein ehrgeiziger Plan.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Doch wenn man ihrem Trainer glaubt, dem französischen Championatsreiter Roger-Yves Bost, dann ist ihre sportliche Qualifikation möglich. „Sie weiß, was sie tut. Sie ist auf keinen Fall eine Touristin. Und ihr Pferd ist gut genug für Championate. Vielleicht sogar für die Olympischen Spiele in Tokio.“ Die Reiterin ist in Ohio geboren und lebt mit ihrer Mutter nicht in Saudi-Arabien, sondern in Chantilly in Frankreich. Bost kommt regelmäßig von seinem Anwesen in Fontainebleau herüber, um mit ihr zu trainieren.

          Sie will so gut werden, dass Saudi-Arabien sie braucht

          Die Lage ist schwer durchschaubar. Von saudischen Verbandsvertretern war in Tryon jedenfalls keine Spur. Sie wurde von ihrer Mutter und ihrem eigenen Team begleitet, und ihre Familie finanzierte auch die Reise. Eine saudi-arabische Mannschaft war im WM-Nationenpreis gar nicht am Start. Die besten saudischen Männer nahmen zwei Wochen früher an den Asien-Spielen in Indonesien teil, die dem Land wichtiger sind als die WM. Sie gewannen die Goldmedaille. Und eine zweite Besetzung für Tryon brachten sie offenbar nicht auf die Beine, obwohl dort auch um die Olympiaqualifikation geritten wurde. Die müssen sie nun bei einem zusätzlichen Qualifikationsturnier versuchen. Dass das Land, immerhin Olympia-Dritter von London 2012, zurzeit anscheinend knapp an starken Reitern ist, könnte eine gute Nachricht sein für Dalma Malhas. Sie will so gut werden, dass Saudi-Arabien sie braucht.

          Eine Illusion? „Auch die anderen Reiter haben einmal unten angefangen“, sagte Dalma Malhas in Tryon. „Medaillen gewinnt man nicht über Nacht.“ Zwar erreichte sie mit ihrem Pferd Toscanini Malpic nur Platz 99 von 124 Startern. Aber Bost sagt: „Sie hat keine dramatischen Fehler gemacht.“ Auch viele Spitzenleute bekamen bei der WM ihre Grenzen aufgezeigt. Und dass Sachverstand von Dalma Malhas’ Mutter dahintersteht, sieht man schon daran, dass die Familie das Pferd vor zwei Jahren für angeblich nur 100 000 Euro gekauft hat. Ein super Deal. Die saudischen Männer wären offenbar bereit, mit ihr zusammen zu reiten. Im vergangenen Jahr war sie für den Nationenpreis in Rabat (Marokko) nominiert, konnte aber nicht antreten, weil ihr Pferd lahm war.

          „Ich bin stolz, mein Land zu repräsentieren“

          Erstaunliche Nachrichten. Die Reiterin selbst wollte zu der Art, wie rigoros ihr Land Frauen einschränkt, nichts sagen. Je mehr einige Journalisten in Tryon in sie drangen, desto mehr fing ihre Stimme an zu beben. „Ich bin stolz, mein Land zu repräsentieren“, sagte sie tapfer. Und die allmähliche Lockerung der Vorschriften für Frauen in Saudi-Arabien mache ihr Mut. „Es ist ein gutes Gefühl, dass sie vorankommen. Das gibt mir Motivation.“ Schon 2010, mit 18 Jahren, war Dalma Malhas bei der Premiere der Olympischen Jugendspiele in Singapur dabei und gewann die Bronzemedaille.

          Die Sportpolitik ihres Landes gab sich damals unwillig. Sie durfte nur als Gast des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) starten, ohne Unterstützung des Saudischen Olympischen Komitees. Die Reisekosten zahlte auch damals ihre Familie. Außerdem musste ihr Großvater sie aus Schicklichkeitsgründen begleiten. Und außerhalb des Parcours musste sie sich verschleiern. In Tryon sah man sie in ganz normaler Reitkleidung. Sie sei immer korrekt gekleidet, sagte sie. Auf ihrem offiziellen Porträt in der Datenbank des Weltverbandes FEI aber trägt sie ein schwarzes Tuch über dem Haar.

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